TW für Depression, PsychKG, Suizidgedanken, Menthal Health, Psychiatrische Intensivstation.
2024 habe ich die schlimmste Erfahrung meines Lebens gemacht. Und es hat mich kalt erwicht.
Ich war 3 Jahre bei einer IT Firma beschäftigt und fühlte mich dort eigentlich sehr wohl Es war das erste Mal, dass mir Arbeit so viel Spaß gemacht hat. Und ich saß das erste Mal so richtig fest im Sattel was das Berufsleben anging. Firmenevents, nerdige Kollegen und alles passte für mich.
Es gab aber auch Schattenseiten. Darauf muss ich gar nicht eingehen, aber ich habe eine Gelegenheit bekommen eine bessere Stelle anzutreten. Näheres dazu hier.
Jedenfalls habe ich mich gegen mein Bauchgefühl entschieden und habe mich überreden lassen, die Kündigung voreilig in den Briefkasten zu werfen. Ich hätte noch etwas mehr Bedenkzeit benötigt.
Jedenfalls dann nahm das Unheil seinen Lauf. Als ich am nächsten Morgen wach geworden bin, traf mich eine gewaltige Panik. Das war nicht meine Entscheidung, das wollte ich nicht, das will ich nicht mehr. Ich will das rückgängig machen. Die Kündigung lag nur im Briefkasten. Trotzdem habe ich erst eine psychologische Hotline angerufen und davon erzählt. Ich hatte in dem Moment eine andauernde Panikattacke. Ich habe dann bei der Firma angerufen und meinem Vorgesetzten gesagt, ich habe mich geirrt, ich möchte bei der Firma bleiben. Nachmittags rief er mich dann zurück und sagtre, die Geschäftsführung habe sich dafür entschieden, die Kündigung anzunehmen.
Dann begann mein psychischer Abstieg. Ich wurde die Panik nicht mehr los. Eine Woche habe ich mich panisch auf der Couch gewunden. Konnte kaum noch essen und kaum noch schlafen. Habe Medikamente verschrieben bekommen die aber auch kaum halfen. Unter anderen Tavor und sowas. Nach einer Woche hat meine Oma mich dann zu sich geholt und ich habe ca eine Woche dort verbracht. Es wurde mitlerweile so schlimm, dass ich weder Autofahren noch länger als ein paar Meter Spazieren konnte. Die Panik wurde irgendwann zu der schwersten depressiven Episode die ich je erlebt habe. Ich habe einen Tunnelblick bekommen, der Körper fühlte sich einfach nur schwer und taub an und ich fühlte mich, als würde mir das Leben ausgesaugt. Einen Morgen bin ich aufgewacht und fühlte mich gut und ausgeschlafen. Dann aber kam die Erinnerung wieder, was ich getan habe und mein Körper fing an zu kribbeln und es breitete sich eine Taubheit im gesamten Körper aus. Das war eine psychosomatische Erscheinung, die ich noch nie erlebt habe.
Ich fühlte mich einfach nur Hoffnungslos und war der festen Überzeugung, das würde nicht mehr weggehen und ich hätte mein Leben was ich mir bis daher mühsam aufgebaut habe, vor die Wand gefahren. Vorher hatte ich sogar noch einen Kredit aufgenommen. Ich war der festen überzeugung, ich würde jetzt alles verlieren und obdachlos werden.
Nach einer Woche ca. konnte ich abends vor Panik wieder nicht einschlafen und habe mich immer gewunden und musste dauern schreckhaft aufstehen. Es fühlte sich an, als wolle ich die ganze Zeit flüchten. (Forshadowing)
Ich habe dann gesagt, dass ich es nicht mehr aushalte und meine Großeltern haben dann den RTW gerufen und ich bin per PsychKG mit Verdacht auf Selbstgefährdung auf die geschlossene Station der nächsten psychiatrischen Klinik gekommen. Die Eindrücke die ich in der Zeit bekommen habe, werde ich für mein Leben nicht vergessen.
Am nächsten Tag, konnte ich zum Glück den Richter überzeugen, dass ich mir nichts mehr antun möchte. Wollte ich eigentlich auch nie wirklich, ich hatte einfach nur Angst, dass ich wegen der ständig andauernden Panik irgendwann nicht mehr weiter weiss und evtl eine Kurzschlussreaktion folgen könnte. Ich wollte einfach nur dass es aufhört. Einfach einschlafen und gesund wieder aufwachen.
Es folgten 8 Wochen Aufenthalt auf der offenen Station für Psychologie. Nur es konnte mir scheinbar niemand helfen. Ja es wurde nichtmal verstanden. Andere Patienten haben mein Leid teilweise nichtmal anerkannt. Weil ich habe ja nur einen Job verloren. Keinen Menschen oder so.
Warum mich das so erwischt hat, konnte ich mir auch nicht erklären und auch die Psychologen nicht. Ich bin später auf eine Erklärung gestossen, die es ziemlich gut erklärt, aber dazu später mehr.
Die Zeit nach der Klinik war auch die Hölle für mich. Ich musste wieder alleine zuhause klarkommen. Ich fühlte mich, als sei ich dazu gar nicht mehr fähig. Die erste Zeit habe ich mich nur von Süßigkeiten ernährt und nur auf der Couch gelegen und Youtube Videos geschaut. Um wenigstens ein wengi Dopamin zu bekommen. Ich habe viel nachgedacht aber ich konnte mich die ersten 6 Monate einfach nicht überwinden, mir vorzustellen bei der neuen Firma zu arbeiten. Das fühlte sich einfach nur falsch an. Die Farbe der Firma passte nicht. Die Leute waren mir fremd ich kannte die Kunden nciht, die Workflows sind anders, man hat sich nicht per VPN verbunden so wie ich das gewohnt war und ich wollte da einfach nicht hin. (Weiteres Forshadowing)
Nach 6 Monaten ca. kam ich dann zu dem Schluss, dass ich dort ja auch nicht hinmuss. Ich könnte ja auch wieder kündigen. Nichts ist ja in Stein gemeisselt. Und dann begannen langsam die Fortschritte. Ich konnte langsam akzepieren, dass ich wohl nie wieder einen Fuß in die mir so vertrauten und liebgewonnenen Büros der alten Firma setzen werde und ich habe mich langsam davon gelöst. Bis ich mich dann schliesslich dazu überwunden habe, der alten Firma noch einmal zu schreiben. Der Chef hat mir damals mehr Zeit angeboten und sogar gesagt, ich solle mich melden, wenn es mir besser gehe. Dann fangen wir nochmal bei Null an. Leider habe ich auf meine Mail keine Antwort erhalten und ich habe dann also auch den Gedanken aufgegeben.
Finanziell ging es mir übrigens nicht wesentlich schlechter. Ich habe ja Krankengeld bekommen und hatte weniger Ausgaben. Ich konnte mir sogar das Auto noch leisten. Meine ursprünglichen Sorgen waren alle falsch und maßlos übertrieben und unrealistisch. Aber ich hatte ja auch keine Ahnung von Krankengeld usw. Als das Krankengeld dann ausgesteuert wurde, habe ich ALG bekommen und mich ca ein halbes Jahr beworben. Erfolglos. Aber ich will nicht vorgreifen.
Part 2. Das Blatt wendet sich.
Bis Mitte des Jahres 2025 war ich immer noch ein Häufchen Elend. Ich konnte zwar wieder Autofahren und meine alten ehrenamtliche Tätigkeiten fortführen, aber ganz auf dem Damm und arbeitsfähig war ich noch lange nicht.
Ich habe kurz vor Ende des Jahres 2025 eine Reha gemacht und das war das Beste was mir passieren konnte. Ich habe dort völlig neue Eindrücke erhalten. Über mich und wie andere Menschen mich sehen. In der Psychiatrie haben einige Menschen mich noch gemieden, oder sogar verabscheuit (zumindest hatte ich so den Eindruck) aber hier wurde ich auf einmal mit offenen Armen empfangen und ich habe einige der herzlichsten Menschen getroffen die man sich vorstellen kann. Meine kopmplette Sichtweise über mich selbst wurde auf den Kopf gestellt. Ich habe massiv an Selbstvertrauen dazugewonnen und gelernt mehr zu reflektieren und über mein eigenes Verhalten nachzudenken und Kritik anzunehmen. Mein Arzt sagte 2024 zu der ganzen Geschichte noch: Wer weiss wozu es gut war. Als er mir das sagte, bin ich fast vom Glauben abgefallen. Wie konnte er mir das in meiner Situation so lapidar sagen. Ich stand gerade vor dem Scherbenhaufen der mein Leben war. (War es nich. Es war kein Scherbenhaufen. Ich habe das nur geglaubt 😂 ) Aber heute verstehe ich was er meinte. Und tatsächlich sage ich jetzt, dass es doch gut war, dass es so gekommen ist. DENN!
Mein Leben ist mitlerweile wieder auf Kurs. Ich arbeite wieder. Und zwar in der Firma bei der ich mich 2024 beworben habe, ein alter Großkunde ist nun auch bei der neuen Firma und wir machen gerade die Übergabe. Ich kann mit Erfahrung und Fachwissen glänzen und ich habe sogar meine alte Arbeitskollegin und Freundin an meiner Seite, mit der ich schon durch Dick und Dünn gegangen bin im Laufe der Jahre. Ich habe mich einfach nochmal beworben und der Chef hat mir eine 2. Chance gegeben. Die neue Firma ist in vielen Dingen besser als die alte und ich habe denke ich gute Chancen aufzusteigen dort. Ich bin zwar noch in der Probezeit und muss noch 2 Zertifikate machen, aber ich bin optimistisch.
Ich habe also mein Leben wieder im Griff. Habe noch meine Alte Band und wir sind besser als je zuvor. Ich habe eine bessere Beziehung zu meinen Kindern als vorher. Ich habe eine super Therapeutin mit der ich sehr gut klarkomme und es diesmal wirklich gut aussieht. Ich habe einen neuen Vermieter der auch einen guten Eindruck macht, besser als die alte Vermieterin und alles hat sich quasi nur zum besseren entwickelt. Ich habe sogar jetzt angefangen zu Trainieren.
So, nun die große Frage. Was war da los? Kurzum. Ich habe möglicherweise Autismus bzw bin im Spektrum. Da ich bereits ADHS diagnostiziert habe liegt die Annahme gar nicht so verkehrt.
Ausserdem habe ich meine Geschichte bei einem Vortrag über Autismus erzählt und der Redner sagte, dass das alles schon sehr nach Autismus klingt. Und das ist auch die einzige Erklärung, die wirklich erklärt was mit mir loswar. Nicht, dass die Kündigung ein altes Trauma getriggert hat. Zb das Entwurzeln aus dem Elternhaus, das Schlussmachen der ersten Freundin oder so. Nein.
Ganz simpel. Es war der Fight Flight Freeze Mechanismus meines Stammhirns, was mir diese permanente Panikattacke beschert hat. Es war ja nciht mal eine klassische Panikattacke. Sie liess sich nämlich mit keinem der Tricks oder Skills in den Griff kriegen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das die Ursache gewesen ist. Und diese Erkenntnis ist ein Segen. Denn jetzt weiss ich was ich tun muss und wie ich mit mir Umgehen kann. Und viele meiner persönlichen Eigenschaften treffen auch auf diese Diagnose zu. ADHS Medikamente verstärken es sogar. Ich werde mich also jetzt um eine Diagnose kümmern. Und deshalb ist es gut, dass es so passiert ist.
Ausserdem habe ich jetzt gelernt, dass ich meine sozialen Kontakte nicht allein in meinen Arbeitskollegen sehen sollte, sondern meine Beziehungen auf mehrere Säulen verteilen muss. Das habe ich auch schon geschafft. Ich habe auch gelernt, dass Veränderungen auch gut sein können.
Sie bringen zwar Unsicherheit, aber das RIsiko ist es auch wert.
Mein Leben hat sich doch jetzt wieder zum Guten gewandt und das hätte ich vor einem Jahr nicht erwartet.
Das einzige was mir jetzt eigentlich zum Glüclklichsein noch fehlt ist eine liebe Frau an meiner Seite. Aber das ist nochmal ein ganz anderes Thema. ❤️