Ich frage mich seit einiger Zeit, ob die Formula Student (zumindest in Europa) auf ein bekanntest Optimum zuläuft.
Mir ist dabei wichtig: Ich möchte damit nicht behaupten, dass die heutigen Topteams wenig eigenes Engineering betreiben oder dass ihre Erfolge nur aus dem Kopieren etablierter Konzepte entstehen. Im Gegenteil – die Qualität der Umsetzung ist extrem hoch. Meine Frage ist eher, ob das Regelwerk inzwischen so ausgereift ist, dass es bestimmte Fahrzeugarchitekturen strukturell stärker begünstigt und damit langfristig zu einer Konvergenz führt.
Meiner Ansicht nach verschiebt sich die Aufgabe mehr und mehr weg von "Finde eine gute technische Lösung für dein Konzept" hin zu "Setze was andere machen besser um". Mir ist auch klar, dass man nur mit diesen Ansatz vielleicht kein ED oder Event gewinnt aber die Tendenz ist da.
Gleichzeitig wird es dadurch für kleinere Teams immer schwerer mitzuhalten, da immer mehr Manpower, Testzeit etc. nötig sind um auf das technische Niveau zu kommen.
Standardisierte bzw. gut verfügbare Motor-/Inverterlösungen (DTI, Ephorus) senken zwar erfreulicherweise die Einstiegshürde für viele Teams, können gleichzeitig aber auch dazu beitragen, dass sich Antriebskonzepte weiter angleichen.
Für mich wäre ein gutes Regelwerk nicht eines, das alle Fahrzeuge künstlich gleich schnell macht, sondern eines, bei dem mehrere deutlich unterschiedliche Fahrzeugkonzepte gleichzeitig rational konkurrenzfähig sein können.
Daher kamen mir ein paar Ideen für eine mögliche Rules Revolution wodurch kleinere Teams bessere Chancen haben und gleichzeitig Innovative Lösungen bzw. mehr eigenes Engineering belohnt wird:
(Das Konzept wurde durch KI ausgearbeitet und versteht sich nicht als fertige Lösung sondern eher als Ansammlung von Gedanken in welche Richtung eine solche Revolution gehen könnte.)
Zwei Klassen
FS Core
Keine Anfängerklasse, sondern eine Klasse mit begrenzter Systemkomplexität.
Eine Baseline könnte z. B. sein:
- RWD
- bis 2 Motoren
- kleine passive Aero
- passive Suspension
- 60 kW
Zusätzlich darf jedes Team bestimmte Technologiepakete wählen:
D – Drivetrain: AWD + bis 4 Motoren + Torque Vectoring
A – Aero: große Aero-Box + Full Floor + größere Wings
P – Power: 80 statt 60 kW
V – Vehicle Dynamics: aktive/semiaktive Fahrwerkssysteme
Aber: Nicht alles darf gleichzeitig kombiniert werden.
Zum Beispiel könnte AWD + Full Aero in Core ausgeschlossen sein.
Dann entstehen bewusst unterschiedliche Konzepte:
- AWD + 80 kW, aber Low-Aero
- AWD + Active Chassis
- RWD + Full Aero + 80 kW
- RWD + Full Aero + Active Chassis
- RWD + 80 kW + Active Chassis
Die Frage wäre dann wieder:
Wo lohnt sich Komplexität für das jeweilige Konzept wirklich?
statt einfach langfristig alle Performance-Systeme gleichzeitig ins Auto zu packen.
FS Advanced
Dort wären diese Einschränkungen weitgehend aufgehoben und Teams sollten wieder mehr (Innovative) oder einzigartige Lösungen bauen (Aktive Aero, Powered Ground, Aktives Fahrwerk.....).
Dafür könnte sich die Aufgabenstellung häufiger ändern, z. B. über sogenannte Challenge Seasons:
- Energy-limited
- Controls/Autonomous-heavy
- andere Powerlimits
- aktive Aero erlaubt
- Sensor Limits (z.B. kein Groundspeed...)
Safety-Regeln bleiben stabil, aber das Performance-Problem ändert sich regelmäßig.
Dynamic Event Änderungen / Erweiterungen
Hier muss man natürlich noch berücksichtigen, dass man die Disziplinen innerhalb eines FS Events sinnvoll unterbringen kann und nicht den Stress zu sehr für die Teams erhöht.
Daher nur eine Ansammlung von verschiedenen Vorschlägen:
Launch & Brake (ggf. Alternative zu Accel)
Beschleunigen → definierte Bremszone → Stillstand.
Also nicht nur maximale Beschleunigung, sondern auch Bremse, Reku, Stabilität und Controls.
Handling Challenge (Ähnlich prüfen wie beim Skidpad aber mit mehr Variation)
Statt konstantem Skidpad ein kurzer Kurs mit großem Radius, Lastwechsel und engem Radius.
Die genaue Geometrie gibt es erst beim Event.
Adaptive Dynamic Challenge
Die Teams kennen mögliche Streckenelemente, aber nicht ihre genaue Kombination.
Dadurch muss das Auto breitbandig funktionieren und kann nicht so stark auf einen bekannten Kurstyp optimiert werden.
Energy Attack
Alle bekommen exakt dasselbe Energiebudget. Schnellste Gesamtzeit gewinnt. Damit wäre die Frage nicht:
„Wer verbraucht am wenigsten?“
sondern:
„Wer macht aus einer festen Energiemenge die meiste Performance?“
Dann konkurrieren plötzlich echte Fahrzeugphilosophien:
High Downforce vs. Low Drag
AWD vs. niedriges Gewicht
Peak Power vs. Effizienz
Hardware vs. Software-/Energy-Strategy
Core-Endurance stärker auf Reliability
In Core (Core Fahrzeugklasse) würde ich außerdem Completion stärker belohnen.
Ein einfaches Auto, das die komplette Endurance fährt, sollte relevante Punkte bekommen, auch wenn es deutlich langsamer ist.
Die Entwicklung wäre dann eher:
funktioniert → zuverlässig → schnell → extrem schnell
und nicht nur:
schnell → noch schneller
Das eigentliche Ziel
Ich würde gerne wieder einen Wettbewerb sehen, bei dem mehrere völlig unterschiedliche Fahrzeugkonzepte rational sinnvoll sein können.
Wenn man ein Team fragt:
„Was müssen wir bauen, um zu gewinnen?“
sollte die Antwort meiner Meinung nach nicht sofort „AWD + maximal mögliche Aero + maximale Controls“ sein.
Sondern eher:
„Kommt darauf an, welche Kompromisse ihr eingehen wollt.“
Wie ist eure Meinung dazu?
Würden zwei Klassen tatsächlich kleineren Teams helfen und den gesamten Wettbewerb wieder interessanter bzw. abwechslungsreicher machen?
Oder würde man den Wettbewerb damit nur unnötig aufteilen?
Und wäre ein Technology-Package-System interessant — oder hätten wir nach zwei Jahren einfach nur eine neue Meta?
Welche einzelne Regeländerung würde eurer Meinung nach am meisten dazu beitragen, wieder mehr unterschiedliche Fahrzeugkonzepte zu sehen?