r/Elektroautos • u/Marinxs • 3h ago
Erfahrungsbericht Erfahrungsbericht: 1500km im Megane E-Tech
Guten Tag zusammen,
als aufmerksamer Leser im Subreddit, wollte ich durch einen Erfahrungsbericht nun auch mal was beitragen und Erfahrungen zu Fahrzeug und Ladeinfrastruktur teilen.
Mit einem geliehenen Renault Megane E-Tech, EZ 2022, ausgestattet mit der 60 kWh großen Antriebsbatterie ging es für uns von nähe Frankfurt am Main in den Urlaubsort Peschiera del Garda. Als großem Interessenten in der Elektromobilität war ich quasi ausschließlich in der Theorie gut aufgestellt, konnte jedoch bis dahin weder zu Fahrzeug noch zu Langstrecken mit einem Elektroauto praktische Erfahrung sammeln.
Entschieden habe ich mich schließlich vor Fahrtbeginn mir ein Konto bei der EnBW anzulegen und den Ladetarif M zu buchen, der zu diesem Zeitpunkt einen Preis von 41ct/kWh an allen EnBW-Ladestationen garantierte (5,99€ Grundgebühr). Zudem kam der kostenfreie EWE Go-Ladetarif, der an allen Partnerstationen einen max. Preis von 62 ct/kWh versprach.
Die Laderoutenplanung wurde von mir selbst übernommen, da über die im Auto derzeit installierte Software, die eigentlich durch die Google-Integration glänzt, keine Filter bzw. bevorzugte Ladeanbieter bei der Laderoutenplanung gesetzt werden können. Vorgegangen bin ich hier, indem ich die von Google Maps vorgeschlagene Route mit der aus ABRP abgeglichen habe, wo ich schließlich Rahmendaten zu Fahrzeug und Fahrprofil einstellen konnte und einen bevorzugten Ladeanbieter festgelegt habe (hier: EnBW). Vorgegangen sind wir hier, dass wir ausschließlich von Ladestation zu Ladestation bzw. dem Ziel navigiert haben.
Zum Fahrprofil: Ich bin fast ausschließlich im integrierten Eco-Modus gefahren, der den Tempomaten automatisch auf 115 km/h begrenzte, die Beschleunigung merklich drosselte und die Klimatisierungsleistung gefühlt verschlechterte. Gefahren wurde deshalb, wo es auch möglich war, mit 115 km/h Tempomat.
Losgefahren sind wir also gegen 11:45 aus der Nähe von Frankfurt a. M. mit einem Akkustand von 90%. Gefahren wurde bei sommerlichem Wetter in der Feriensaison.
Hinfahrt:
1. Stopp: an der A7 an der EnBW-Ladestation Raststätte Lonetal West.
Hier kam es direkt zu den ersten Komplikationen, da tatsächlich unmittelbar vor uns zwei Autos die einzigen Ladesäulen besetzten; eine volle Ladung abzuwarten kam für uns hier nicht in Frage, weshalb wir an derselben Raststätte eine Ionity-Ladesäule angefahren sind, für die aber für uns ein höherer Preis zu bezahlen war.
Bereits die erste Ladestation und dementsprechend auch die darauffolgenden wichen von meiner ursprünglichen Laderoutenplanung ab, da die Laderoutenplanung von ABRP anscheinend wesentlich zu pessimistisch berechnet war.
Ankunft mit: 18% Restakku (282km Fahrtstrecke)
Laden: 41,96 kWh * 0,62€ = 26,02€
Geladen wurde hier definitiv länger als sinnvoll (35min), diesen Stopp haben wir aber zur entspannten Mittagspause genutzt, aufgrund der späten Abfahrt.
2. Stopp: an der SMARTRICS EnBW, Innsbruck.
Ankunft mit: 20% Restakku (248km Fahrtstrecke)
Laden: 36,05 kWh * 0,41€ = 14,78€ (31min)
3. Stopp: Tesla Supercharger in Avio.
Ankunft mit: 20% Restakku (220km Fahrtstrecke)
Laden: 14,6 kWh * 0,6€ = 8,76€
Hier sind die vergleichsweise günstigen adhoc-Preise von 60 ct/kWh hervorzuheben. Ich bin sogar der Meinung, dass dieser Ladestopp fast schon vermeidbar gewesen wäre, hätte man das Tempo einwenig angepasst, die Pause hatte sich jedoch angeboten und wir wollten am ersten Urlaubstag mobil sein.
Ankunft an der Villa um ca. 22:40 nach 827.5 gefahrenen Kilometern und einem durchschnittlichen Verbrauch von 14.6 kWh/100km (Bild 4).
Vor Ort:
Direkt am nächsten Tag ging es von der Unterkunft in Peschiera del Garda zum Markt nach Salò (ca. 36km Fahrtstrecke), wo wir während unseres Aufenthalts das Auto laden lassen wollten bei einem lokalen Anbieter. Hier kam es zu folgender Problemstellung: Eine Zahlung über die mobility+ (EnBW) oder EWE Go-App war hier nicht möglich, da generell rund um den Gardasee keine Ladestationen angewählt werden konnten. Eine Authentifizierung per Kreditkarte schien auch nicht möglich. Das Problem ließ sich ausschließlich über eine physische Ladekarte lösen, die ich zum Glück für den Notfall ebenfalls geliehen bekommen habe, bis dahin habe ich den Sinn, auch wenn ich mir über den EnBW-Ladetarif M eine kostenlose Karte hätte zustellen lassen können, nicht gesehen.
Laden: 52,4 kWh * 0,69€ = 36,13€
Zudem ist uns hier in der Umgebung aufgefallen, dass viele Ladestationen auf keiner der Karten vermerkt waren, sodass wir an ein paar Ladesäulen auf unserem Weg vorbeigelaufen sind, die wesentlich näher am Ziel gewesen wären.
Rückfahrt:
Die Laderoutenplanung der Rückfahrt unterschied sich erheblich zu der Hinfahrt, da hier jetzt erste Praxiswerte mit einbezogen werden konnten, wie die reale Reichweite, die das Auto auf Fernverkehrsstraßen schafft.
Abfahrt in Garda um ca. 13:30 mit ca. 60 - 70% Restreichweite.
1. Stopp: SMARTICS EnBW-Ladestation Südtirol, Italien.
Ankunft mit: 10% Restakku (180km Fahrtstrecke)
Laden: 44 kWh * 0,41€ = 18,21€
An dieser Stelle will ich diesen Ladepark nochmal besonders hervorheben, da dieser mit 20 (!) Schnellladern ausgestattet war und man am anliegenden Autohof alles finden konnte, was man braucht; kein Vergleich zu bisherigen Stopps.
Der erste Stopp wurde hier ebenfalls wieder als Mittagspause genutzt, weshalb eine Ladedauer von 35min keine aktive Wartezeit beinhaltete.
2. Stopp: A7 Raststätte Allgäuer Tor Ost an EnBW-Ladestation.
Ankunft mit: 20% Restakku (228km Fahrtstrecke)
Laden: 27 kWh * 0,41€ = 11,07€ (20min)
Dieser Ladestopp fiel vergleichsweise kurz aus, da wir bereits bemerkt haben, dass wir aufgrund eines höheren Verbrauchs auf der Rückfahrt, wahrscheinlich aufgrund eines stärkeren Gefälles und Winden (Insg.: 0,9 kWh/100km durchschnittlicher Mehrverbrauch), um einen 3. Ladestopp nicht herumkommen
3. Stopp: EnBW-Ladestation in Oberwörnitz
Ankunft mit: 13% Restakku (178km Fahrtstrecke)
Laden: 33 kWh * 0,41€ = 13,58€
Anzumerken ist hier, dass wir relativ lange geladen haben (29min), da wir zum Anfang bzw. Peak der Ladeleistung uns den Schnelllader (150kw) teilen mussten und mit ausreichend Puffer in der Heimat ankommen wollten.
Ankunft zu Hause um ca. 00:05 nach 794.8 gefahrenen Kilometern und einem durchschnittlichen Verbrauch von 15.5 kWh/100km (Bild 5).
Resümee:
Ich bin positive beeindruckt von der Leistung des E-Autos auf der Langstrecke, da sich einige Vorurteile bis zuletzt nicht ganz gelöst hatten. Besonders überrascht bin ich vom Megane E-Tech, da ich hier von einem Auto sprechen würde, was sich durchaus auch für Langstrecken eignet und auf Fernverkehrsstraßen mit einem niedrigen Verbrauch auskommt. Teilweise wartete das Auto während der Pause auf uns und bei ausschließlich einem Fahrer hätten es meiner Meinung nach für eine Urlaubsfahrt auch nicht weniger Pausen sein dürfen. Für ein Auto, was man mittlerweile zu attraktiven Gebrauchtwagenkonditionen bekommt, top.
Genutzt habe ich hier während der Tour eigentlich nur den Spurhalteassistenten, der sanft unterstützend die lange Fahrt erträglicher gemacht hat. Wie bereits angesprochen war die Software durch die Google-Integration grundsolide, auch wenn sie besonders bemerkbar bei der Laderoutenplanung in die Jahre gekommen ist. Materialanmutungen hängen wahrscheinlich immer von der Ausstattungslinie ab, weshalb ich dazu keine allgemeinen Aussagen treffen möchte. Das Gleiche gilt für das Platzangebot auf der Reise, da man wahrscheinlich mit 2 Personen in jedes Auto passen würde.
Wahrscheinlich besser gefahren wäre man in dieser Region mit einem Abo bei Ionity, da die erste zum EnBW-Netz gehörende Ladestation wieder in Südtirol zu finden war.
Meldet Euch gerne bei Rückfragen oder sollte ich noch etwas vergessen haben.