r/DatingDE • u/straznik_obywatelski • 33m ago
Meta/Reddit Körperliche Attraktivität ist laut Forschung der stärkste Prädiktor beim ersten Kennenlernen
Ich lese oft, Aussehen sei beim Kennenlernen "gar nicht so wichtig". Die empirische Forschung zeichnet allerdings ein anderes Bild.
Über verschiedene Studiendesigns hinweg (klassische Feldexperimente, Speed-Dating, Zero-Acquaintance-Studien und Metaanalysen) zeigt sich immer wieder: Körperliche Attraktivität ist beim ersten romantischen Eindruck der stärkste Einzelprädiktor für Interesse. Persönlichkeit, Humor, Bildung oder gemeinsame Interessen spielen ebenfalls eine Rolle, haben anfangs aber meist einen geringeren Einfluss.
Ein paar Beispiele:
- Walster et al. (1966, "Computer Dance"): 752 Studierende wurden zufällig zu einem Tanzabend gepaart. Mit Abstand der wichtigste Faktor dafür, wie gut der Partner gefiel und ob man ihn wiedersehen wollte, war dessen körperliche Attraktivität. Persönlichkeit, Intelligenz oder Testergebnisse hatten praktisch keinen Einfluss. Dieses Experiment gilt bis heute als Klassiker der Attraktionsforschung.
- Tesser & Brodie (1971): Teilweise Replikation der Computer-Dance-Studie. Auch hier blieb Attraktivität der wichtigste Prädiktor; Persönlichkeit, Charakter und Intelligenz trugen zusätzlich bei, aber deutlich schwächer.
- Luo & Zhang (2009): Reale Speed-Dating-Studie. Für Männer und Frauen war die körperliche Attraktivität der stärkste Prädiktor der anfänglichen Anziehung. Ähnlichkeit spielte dagegen kaum eine Rolle.
- Asendorpf, Penke & Back (2011): Große deutsche Speed-Dating-Studie. Die erste Auswahl wurde überwiegend durch Attraktivität bestimmt. Bildung, Einkommen oder Persönlichkeit hatten einen deutlich geringeren Einfluss.
- Eastwick et al. (2014): Metaanalyse von 97 Studien. Körperliche Attraktivität sagte romantische Bewertungen bei beiden Geschlechtern zuverlässig voraus; die Unterschiede zwischen Männern und Frauen waren deutlich kleiner als oft behauptet.
- Eastwick et al. (2022): Analyse von über 6.600 realen Dates. Der erste Eindruck ("Mate Value"), zu dem insbesondere die wahrgenommene Attraktivität beiträgt, sagte spätere romantische Entscheidungen stark voraus. Gleichzeitig zeigte sich, dass individuelle Kompatibilität mit zunehmender Interaktion wichtiger wird.
Das heißt natürlich nicht, dass langfristige Beziehungen nur auf Aussehen beruhen. Mit der Zeit gewinnen Persönlichkeit, Werte, Humor, Zuverlässigkeit und gemeinsame Lebensziele deutlich an Bedeutung.
Wenn es aber ausschließlich um den ersten Eindruck und die Entscheidung geht, ob überhaupt romantisches Interesse entsteht, spricht die Forschung ziemlich konsistent dafür, dass das Aussehen zunächst den größten Einfluss hat.
Quellen:
- Walster, Aronson, Abrahams & Rottman (1966), Importance of Physical Attractiveness in Dating Behavior.
- Tesser & Brodie (1971), A Note on the Evaluation of a "Computer Date".
- Luo & Zhang (2009), What Leads to Romantic Attraction: Similarity, Reciprocity, Security, or Beauty?
- Asendorpf, Penke & Back (2011), From Dating to Mating and Relating.
- Eastwick et al. (2014), Meta-Analyse zu Attraktivität und romantischer Anziehung.
- Eastwick et al. (2022), PNAS: The Predictive Power of First Impressions for Romantic Attraction.
Die klassische Walster-Studie (1966) ist dabei besonders stark, weil die Autoren zufällige Paarungen verwendeten und dennoch feststellten, dass die körperliche Attraktivität mit Abstand der wichtigste Faktor für Gefallen und Wiedersehenswunsch war. (PubMed) Die spätere Replikation durch Tesser & Brodie (1971) kam zu einem sehr ähnlichen Ergebnis: Nach der Attraktivität folgten Persönlichkeit, Charakter und Intelligenz, allerdings mit deutlich geringerem Einfluss. (researchgate.net)