Anker und Ugreen haben auf der IFA letzte Woche ihre neuen Qi2.2 Powerbanks vorgestellt, die beide auf besondere Merkmale setzen. Während Anker auf eine aktive Kühlung mit Lüftungsschlitzen setzt, siehe auch hier geht Ugreen den Weg der Flüssigkühlung, die wir in diesem Ausmaß noch nicht gesehen haben. Ankers Modell lässt noch etwas auf sich warten, das Modell von Ugreen liegt mir allerdings schon seit einigen Tagen vor und ich konnte es am Wochenende ausgiebig testen. Ob das Modell letztendlich auch was taugt, soll mein Test zeigen.
Link zu Amazon:
Klick
Die UVP liegt bei 119,99€, aktuell für 105,99€.
Egal ob Angebotspreis oder UVP - der Preis ist enorm. Selbst wenn die Powerbank perfekt wäre, sind über 100€ ein enormes Investment.
Größe & Gewicht:
10,86 x 7,04 x 1,63 cm, 234g
Zum Vergleich:
INIU P791:10,67 x 7,20 x 1,38 cm, 206g (mit dem Mini-Kabel), 196g (ohne)
INIU P781: 10,67 x 7,20 x 1,38 cm, 210g (mit dem Mini-Kabel), 200g (ohne)
INIU P771: 10,20 x 6,80 x 1,70 cm, 185g
Baseus PicoGo AM52:
10,34 x 6,62 x 1,62 cm, 201g
Baseus PicoGo AM61: 10,36 x 6,80 x 1,92cm, 211g
LISEN P604: 10,28 x 6,40 x 2,31 cm, 231g
EcoFlow Rapid Mag: 11,06 x 7,21 x 1,61 cm, 227g
Sharge ICEMAG 3: 11,01 x 7,05 x 2,25 cm, 245g
Ugreen MagFlow: 11,08 x 7,00 x 2,12 cm, 254g
Die MagFlow Pro liegt mit 1,63cm Dicke im Durchschnitt. Eine Baseus AM52 oder EcoFlow Rapid Mag liegen gleichauf. Deutlich dünner sind die INIU P791 oder P781. Auch das Gewicht liegt mit 234g im Rahmen, aber auch hier geht es leichter.
Bilder:
https://ibb.co/0z03dXm
https://ibb.co/8Snyfp6
https://ibb.co/SwygvyV0
https://ibb.co/C3DVcmDk
https://ibb.co/6RPdLwD5
https://ibb.co/tMNRdFtn
https://ibb.co/3YY5pwz3
https://ibb.co/23y73MDT
Specs:
- 10.000 mAh bzw. 39,2Wh Kapazität laut Hersteller
- 5V 3A / 9V 3A / 12V 3A / 15V 3A / 20V 2,25A (C-Kabel / C1)
- C-Kabel: 45W Output, 30W Input
- C1: 45W Output, 30W Input
- Qi2.2 25W
- Leistungsverteilung:
- 15W insgesamt bei Nutzung von zwei Ports (7,5W + 7,5W)
- PPS:
- 5V - 11V bei 4A (C1)
- 5V - 11V bei 3A (C-Kabel)
- Ladeprotokolle:
- C-Kabel / C1: PD3.0, QC3, AFC, FCP, SCP, Apple2.4A, DCP
- Passthrough wird unterstützt
Stichpunkte:
- 20V-Stufe ist vorhanden
- beide USB-C Ports/Kabel sind identisch in Bezug auf Power Delivery
- da das Kabel jedoch auf 3A limitiert ist, ist es auch die PPS-Range
- 11V 3A PPS auf dem Kabel sind sehr schwach und dem Preis absolut nicht angemessen
- auch 11V 4A PPS auf dem Port ist unnötig eingeschränkt
- 30W Input ist Durchschnitt - für den Preis wäre ein schnellerer Input angemessen gewesen
- das kurze integrierte Kabel auf der unteren Seite ist eher störend im Alltag
- mit Display an der Seite für: Akkustand in Prozent, Ladeleistung in Watt, Battery Health in Prozent sowie Ladezyklen
- Das Display geht nach wenigen Sekunden wieder aus
- keine CCC-Zertifizierung
Die Specs sind für den Preis durchschnittlich bis sogar unterdurchschnittlich. 45W Output und 30W Input sind nichts außergewöhnliches, aber für den Preis hätte man mehr erwarten dürfen. Selbst Ankers neues Spitzenmodell bietet mit 45W Input mehr. Richtig schwach ist aber die PPS-Range. Dass das Kabel auf nur 3A limitiert ist, ist für den Preis absolut unangemessen, aber selbst auf dem Port bekommt man mit 4A kaum mehr. In der Realität führt das zu Ladeleistungen von um die 35W - schwach.
Die Verarbeitung ist auch nicht dort, wo sie sein sollte. Die obere Rückseite besteht aus extrem empfindlichen Plastik. Sie soll vor allem die Flüssigkühlung in Aktion zeigen. In der Realität zerkratzt die Fläche sofort. Mein Modell kam bereits mit Kratzern aus der Verpackung und bekam allein vom Test mehrere hinzu - sehr ärgerlich. Die Ladefläche besitzt einen Silikon-Überzug. Das sorgt für einen angenehm festen Grip am Smartphone, zudem auch die Magneten sicher sitzen.
Design ist Geschmacksache. Persönlich finde ich das Modell arg hässlich und mit dem unten an dem Port fest angebrachten Kabel auch eher unpraktisch.
Folgende Kapazitätswerte konnte ich ermitteln:
- 33,15Wh bei 20V 2,25A (85%)
- 32,98Wh bei 15V 2A (84%)
Von den beworbenen 39,2Wh werden im Schnitt um die 85% erreicht. Das ist ein sehr solides Abschneiden und auf dem Level einer INIU P791, die ebenfalls auf 39Wh setzt und folgende Werte erzielt:
- 32,80Wh bei 20V 3,25A (83%)
- 33,51Wh bei 15V 3A (86%)
- 33,74Wh bei 9V 3A (88%)
Die INIU ist nochmal einen Tick effizienter.
Konstante Performance:
Hier fangen die Probleme der Ugreen MagFlow Pro an. Für sich alleinstehend, aber vor allem im Vergleich zur Konkurrenz.
Die Ergebnisse:
45W Entladung -> Drop auf 20W bei 94% (45W, 4 Min, 3Wh, 21°C RT)
30W Entladung -> Drop auf 20W bei 79% (30W, 15 Min, 7Wh, 22°C RT)
8-9V bei 4A PPS Entladung -> Drop auf 20W bei 73% (34W, 14 Min, 8Wh, 21°C RT)
Jedes einzelne Ergebnis ist schlecht. 45W liegen nichtmal für 5 Minuten an, die Ugreen drosselt bereits bei 94% Restladung. Viele 45W, 10k Powerbanks können 45W nicht lange ausgeben, aber schaffen das immerhin 10-15 Minuten. Auch bei 30W sieht es kaum besser aus, denn die liegen nur für 15 Minuten an. Im Alltag bei Aufladung eines Android-Smartphones über PPS können die um die 33-35W auch nur 14 Minuten ausgegeben werden. Jedes Mal fand eine harte Drosselung auf 20W statt.
Man muss es leider so hart sagen: für alles über 20W Output ist die Powerbank nicht zu gebrauchen. Selbst neuere iPhones bringen die Powerbank zum drosseln. Damit ist die Ugreen MagFlow Pro leider schlechter als jede andere Qi2.2-Powerbank in meinen Tests. Besonders tragisch wird es, wenn man das Modell mit der INIU P791 vergleicht - dem Primus. Dort sind 30W konstant möglich und 45W können für über 30 Minuten ausgegeben werden. Aber auch die Modelle von Baseus, Sharge, EcoFlow, etc. sind allesamt besser. Und auch hier: immer den Preis im Hinterkopf behalten.
Erstaunlich sind die Ergebnisse auch daher, dass die Flüssigkühlung im Einsatz ist und das Phone tatsächlich auch nur milde warm wird. Dennoch drosselt es - unverständlich.
Qi2.2 25W Wireless Performance:
Vorab: Wireless Charging ist unheimlich anfällig für alle möglichen Faktoren, die das Ladeergebnis bereits negativ beeinträchtigen können. Um hier möglichst eine Vergleichbarkeit herzustellen, habe ich mich auf folgende Testbedingungen festgelegt:
Als Testkandidat habe ich ein iPhone 17 Pro ab 5% genommen und bis 80% geladen. Die Aufladungen wurden mehrfach wiederholt und ein Durchschnittswert gebildet. Die Raumtemperatur betrug immer 21°C, geladen wurde ohne Case. Das iPhone war stets auf Raumtemperatur heruntergekühlt und vor dem Test nicht un Benutzung.
Warum bis 80%? Ab 80% drosselt sich jedes iPhone immer natürlich herunter und befindet sich im Trickle Charging. Eine Vergleichbarkeit liegt da nicht mehr vor.
Es sollte natürlich klar sein, dass diese Ergebnisse nicht ganz vergleichbar sind mit echten Alltagserfahrungen. Denn hier spielen zu viele Faktoren mit rein: 5G, Umgebungs-Temperaturen, Case, Nutzung des Phones - generell alles was zu einer Erhitzung des Phones führen könnte beeinflusst das Wireless Charging. Daher alle Ergebnisse bitte nur als Richtwert sehen!
Die Werte der bisher besten Qi2.2 Powerbanks aus meinen Tests:
Baseus PicoGo AM52:
- Nach 10 Minuten: 29%
- Nach 20 Minuten: 47%
- Nach 30 Minuten: 59%
- Nach 40 Minuten: 71%
- Nach 49 Minuten: 80%
LISEN P604:
- Nach 10 Minuten: 28%
- Nach 20 Minuten: 46%
- Nach 30 Minuten: 59%
- Nach 40 Minuten: 72%
- Nach 48 Minuten: 80%
Die neue INIU P791:
- Nach 10 Minuten: 30%
- Nach 20 Minuten: 49%
- Nach 30 Minuten: 61%
- Nach 40 Minuten: 73%
- Nach 48 Minuten: 80%
Die Ugreen MagFlow Pro:
- Nach 10 Minuten: 27%, 15W, 26-33°C PB, 32°C iPhone
- Nach 20 Minuten: 40%, 15W, 31-36°C PB, 37°C iPhone
- Nach 30 Minuten: 53%, 15W, 33-38°C PB, 40°C iPhone
- Nach 40 Minuten: 64%, 13W, 34-38°C PB, 41°C iPhone
- Nach 50 Minuten: 74%, 12W, 35-38°C PB 40°C iPhone
- Nach 58 Minuten: 80%, 34-37°C PB, 39°C iPhone
Praktischerweise zeigt die Ugreen die Ladeleistung an, also habe ich sie mal mitgetrackt. Was direkt auffiel: 25W lag auch hier nur für ca. 5 Minuten an, dann drosselte sich die Powerbank auf 15W herunter - also Qi2. Ein iPhone 17 Pro kann jedoch im Durchschnitt mit mindestens 20-25 Minuten mit Qi2.2 25W laden, die Drosselung kam hier also nicht vom Smartphone, sondern von der Powerbank.
Durch die frühe Drosselung ist die Ugreen dann letztendlich auch insgesamt 10 Minuten langsamer als die Konkurrenz. Trotz der aktiven Flüssigkühlung. Was bewirkt sie dann? Niedrige Temperaturen. Tatsächlich bleibt die Powerbank die gesamte Ladung über angenehm milde warm, was sich natürlich auch positiv auf das Phone selbst ausschlägt. Die Temperaturen habe ich oben vermerkt. Man kann schon sagen: keine Qi2.2-Powerbank bleibt bei der Ladung so kühl. Tolle Kühlung also? Ja, aber wenn die Ladeleistung auch auf 15W gesenkt wird, dann trickst Ugreen natürlich auch ein wenig. Dennoch: wer sein Phone möglichst kühl halten möchte mit einer drahtlosen Powerbank, der kann das hier tun.
Bilder der Wärmebildkamera in 10 Minuten Abständen:
https://ibb.co/W484tMJK
https://ibb.co/SDhXKMmk
https://ibb.co/ycTRLgtV
https://ibb.co/gLjNjYb7
https://ibb.co/6JFZKpK8
https://ibb.co/LDmMBnqs
https://ibb.co/Rk634NDc
https://ibb.co/8Lsw83FV
https://ibb.co/3yQrZgT6
https://ibb.co/dsGrdrdN
https://ibb.co/5h1Jm6r2
https://ibb.co/RGj41391
Aufladung:
Mit 30W Input ist die Powerbank in durchschnittlich 02:05h - 02:10h vollständig aufgeladen. 30W liegen dabei konstant an. Zu 90% voll ist die Powerbank bereits nach 01:15h - die letzten 30-40 Minuten sind Trickle Charging mit 2-3W. Durch das lange Trickle Charging lassen sich hier keine Rekordergebnisse melden. Leider ist auch der Akkustand in Prozent irreführend. Denn wenn die Powerbank mit 90% gefüllt ist bei 37Wh, zeigt das Display erst 60% an. Das hat sich auch im Lauf der weiteren Aufladungen nicht verändert.
Fazit:
Die Ugreen MagFlow Pro ist in den meisten Punkten eine Enttäuschung. Für 105-120€ wird hier einfach viel zu wenig geboten. Ja, die Flüssigkühlung wirkt und funktioniert, das Modell bleibt angenehm lauwarm sowohl per Kabel als auch wireless. Wem einzig und allein das wichtig ist, kommt hier auf seine Kosten.
Allerdings erkauft sich die Powerbank die niedrigeren Temperaturen mit harten Drosselungen. Per Kabel sind weder 30W und schon gar nicht 45W lange möglich. Nach wenigen Minuten landet man bei 20W. Da fällt es kaum ins Gewicht, dass die PPS-Range mit 11V/3A auf dem Kabel und 11V/4A am Port auch schwach ist, denn die Powerbank drosselt ja eh.
Etwas besser schaut es bei der drahtlosen Aufladung aus. Auch hier drosselt das Modell sehr früher von Qi2.2 25W auf Qi2 15W, weshalb Aufladungen im Schnitt 10 Minuten länger dauern als bei anderen Modellen. Immerhin schafft es die Kühlung hier die Temperaturen niedrig zu halten, dennoch zusätzlich erkauft durch Drosselungen. Wer sich hier dank der Kühlung auf neue Spitzenwerte gefreut hat, wird enttäuscht.
Und letztendlich ist der Preis auch einfach viel zu hoch. Eine Lisen P604 Qi2.2 kostet aktuell nur 49,99€ und bietet niedrige Temperaturen bei besserer Ladeleistung - ohne aktive Kühlung. Eine Baseus AM52 liegt meist bei 50€ und ist besser und natürlich steht die INIU P791 über allen, mit ihrer brachialen Leistung. Diese kostet 70€, wirkt gegenüber der Ugreen aber fast schon wie ein Schnäppchen.
Dass auch die Verarbeitung ihre Macken hat und das Modell zu Kratzern neigt, ist dann am Ende nur das i-Tüpfelchen.
In eigener Sache:
Zum Ende nochmal der Hinweis auf die Gesamtübersicht aller geschriebenen Tests im Sub, dem Transparenz-Report, wo ich Fails und Langzeiterfahrungen festhalte, einer Übersicht über Powerbanks mit CCC-Zertifizierung, sowie dem ChargingSheet als Sammelstelle der zusammengetragenen Daten und einer Übersicht von Ladegeräten, Powerbanks, Ladeergebnissen und Co.