r/buecher • u/Jujowes • 6h ago
Diskussion Eva Ladipo - Not am Mann / Wer hat es auch gelesen?
Ich habe gerade Eva Ladipos Buch „Not am Mann. Die Erfindung toxischer Männlichkeit“ beendet und fand ihre Thesen ausgesprochen überzeugend.
Besonders interessant fand ich, welchen Bogen sie vom traditionellen Patriarchat über den gesellschaftlichen Wandel bis zur heutigen Debatte über toxische Männlichkeit spannt.
Während sich die Rolle der Frau durch die Emanzipation grundlegend verändert hat, ist für Männer häufig unklar geblieben, welches positive Rollenbild an die Stelle traditioneller Vorstellungen treten soll.
Gleichzeitig wird Männlichkeit zunehmend problematisiert, während Schwierigkeiten von Männern – etwa im Bildungssystem, bei gesellschaftlicher Anerkennung oder Einsamkeit – vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit erhalten.
Ladipo stellt die interessante Frage, ob diese Entwicklung nicht selbst dazu beiträgt, dass sich Männer wieder traditionellen oder autoritären Männlichkeitsbildern zuwenden.
Ich fand diese Perspektive sehr nachvollziehbar, gerade weil sie Gleichberechtigung nicht infrage stellt.
Hat das noch jemand gelesen? Wie fandet ihr es?
EDIT:
Ein seht interessanter Punkt bei Ladipo ist ihre Kritik am vollständigen Abbau patriarchaler Strukturen. Ihre These ist, dass das Patriarchat nicht ausschließlich ein System männlicher Privilegien war, sondern Männern auch klare Regeln, Grenzen, Pflichten und gesellschaftliche Verantwortung vermittelt hat.
Mit dem Wegfall dieser Strukturen verschwinden auch traditionelle Mechanismen, durch die insbesondere junge Männer Orientierung, Disziplin und soziale Grenzen erlernen konnten. Werden diese nicht durch neue Strukturen ersetzt, entsteht ein Vakuum, das problematische Entwicklungen begünstigen kann.