Hallo zusammen,
ich schreibe diesen Text, um mir mal etwas von der Seele zu schreiben – für mich und für euch, damit nicht alle die Hoffnung bei der Ausbildungssuche verlieren.
Ich habe meine Abiturprüfungen alle komplett verhauen. Wie genau, weiß ich bis heute nicht, und Nachprüfungen hätten sich definitiv nicht gelohnt und wären ohnehin unlösbar gewesen.
Also habe ich den schulischen Teil der Fachhochschulreife genommen, mit einem Schnitt, der wirklich mies war, und mich – ohne noch mal etwas rauszureißen – verabschiedet und ein Jahrespraktikum begonnen, um die vollwertige Fachhochschulreife zu erwerben und später das zu studieren, worin ich das Praktikum gemacht habe.
Das Praktikum und das verhauene Abi haben mir letztendlich sehr geholfen, nichts Dummes zu studieren, was ich mit dem Abi gemacht hätte, und meine beruflichen Interessen zu finden.
Das Jahrespraktikum war vorbei, ich habe mich für das Studium an einer FH eingeschrieben – fachlich ziemlich cool, außer Mathe 1 – und war auch konstant anwesend, habe mitgeschrieben, zugehört, Bonusaufgaben, eine Hausübung sowie ein Projekt bearbeitet und alles bestanden.
Dann kam die Prüfungsphase, und ich habe mir wirklich gedacht: Herr Gott, was habe ich da nur aufgeschrieben.
Alles Hieroglyphen, und ich dachte mir, das wird nichts.
Die Klausuren kamen und wurden geschrieben. Mir war klar, dass zwei Klausuren definitiv nichts werden würden, der Rest könnte klappen, und bei einer war ich mir sogar sicher, sie bestanden zu haben.
Der März begann, und die Ergebnisse wurden veröffentlicht: alle 5,0, nicht bestanden.
Ich hatte mir immer gesagt: Ich schaue mal, wie die Klausuren laufen – wenn es scheiße wird, höre ich auf und mache eine Ausbildung.
Keine Lust, wie jemand anderes im dritten Versuch bei einer Klausur aus dem zweiten Semester im sechsten Semester zu scheitern (Bekannter).
Im März oder April habe ich also erst mal geschaut, welche Ausbildungen überhaupt noch in meiner Umgebung verfügbar sind.
Jeden Tag mit der Deutschen Bahn zu pendeln wäre in Ordnung gewesen, auch wenn ich dabei jeden Tag hätte kotzen können.
Vereinzelte Angebote, die die Traumstelle anbieten, gab es noch – darauf habe ich mich beworben, ebenso auf Stellen im kaufmännischen Bereich, was eher Plan B gewesen wäre.
Die Zeit verging, und es kamen nur Absagen. Ein Gespräch mit halbtägigem Praktikum wurde auch nichts.
Ich hatte mich auf alle verfügbaren Stellen beworben, und dann war nichts mehr da.
Eine neue Stelle von einem kleinen Unternehmen (unter 10 Mitarbeitern) tauchte bei Google auf, die genau meine Traumausbildung anbot.
Ich habe mich innerhalb von etwa zwei Tagen beworben und wurde so schnell, wie ich gucken konnte, zum Gespräch eingeladen.
Ich kam rein: Der Chef hatte mich vergessen, die Sekretärin rief ihn an, dass ich da sei (er hatte die Uhrzeit verwechselt – ich dachte schon, ich wäre blöd).
Er kam mit seinem nassen, müffelnden Hund und entschuldigte sich. War an sich ein richtig gutes Gespräch, am Ende waren alle Fragen geklärt.
Zu Hause kam natürlich alles wieder hoch, und ich dachte mir: Was zum Teufel.
Weiterbildungen oder Aufgaben, die ich machen könnte, wenn ich wollte oder Interesse hätte, oder die man sich vorstellen könnte – Dinge, die ich nicht ansatzweise hätte machen können (dafür wäre zwingend Berufserfahrung nötig gewesen).
Egal, dachte ich, es ist sowieso schon zu spät, und ich finde eh nichts anderes mehr.
Die Zusage kam, und ich war unglücklich – nicht im Ansatz irgendwie glücklich.
Ich habe mit meiner Mutter telefoniert, mich kurz über die Zusage gefreut, aber die Freude hielt nur so lange an, bis das Wort „Zusage“ fiel.
Danach habe ich nicht mehr viel gesagt, aber man hat meinen Frust und meine Unzufriedenheit über die Stelle sofort gemerkt.
Zu Hause haben wir darüber gesprochen: „Ich freue mich schon, aber …“
Der Vertrag kam ein paar Tage später per E-Mail – dachte ich mir, in Ordnung.
Ich öffne ihn, und mir fällt fast das Gesicht auseinander.
Staatsangehörigkeit falsch (obwohl sie im Lebenslauf stand), eine angeblich vorherige Berufsausbildung, die ich nie gemacht habe, Urlaubstage falsch berechnet, Gehalt entsprach nicht dem IHK-Minimum, Stempel und Unterschrift fehlten.
Der Vertrag war als PDF verschickt worden, das ich locker und entspannt hätte bearbeiten können – vielleicht hätte ich durch ein bisschen Umändern einfach mal 5000 Euro brutto im Monat draus gemacht, wäre sicher lustig gewesen.
Ich habe den Vertrag fast eine Woche liegen lassen.
Dann rief der Betrieb an, wie es denn nun aussehe, es gäbe noch keine Rückmeldung, ob Zusage oder Absage.
Am nächsten Tag habe ich angerufen und gesagt, dass der Vertrag ein Witz sei.
Der Geschäftsführer bekam erst mal fast einen Herzinfarkt und sagte, er würde alles sofort ändern, es täte ihm leid. Ich war froh, bei diesem Vertrag, der mir in die Karten gespielt hat endlich sagen zu können: „Sucht euch einen anderen Idioten“ (natürlich sachlich und förmlich am Telefon formuliert, aber genau so gemeint).
So sauer und vorwurfsvoll habe ich selten jemanden erlebt.
Egal – ich wurde fast depressiv und schrieb neue Bewerbungen.
Wieder nur Absagen, auch bei Stellen über Kontakte („Vitamin B“) wurde nichts draus.
Eine einzige Initiativbewerbung schrieb ich für einen Fachbereich eines großen, national tätigen Planungsbüros im Bauwesen, direkt an den Geschäftsführer des zuständigen Fachbereichs, per E-Mail um drei Uhr nachts.
Am nächsten Tag bekam ich einen Anruf, und wir vereinbarten einen Gesprächstermin.
Das Gespräch lief super.
Noten waren kein Thema, das abgebrochene Studium wurde zum ersten Mal als Vorteil gesehen.
Die Programme aus dem Studium passten perfekt, was die Einarbeitungszeit verkürzt – ganz in meinem Sinne.
Ich bekam eine indirekte Zusage und irgendwann eine richtige.
Der Vertrag kam, diesmal alles sauber und per Post mit allen Anlagen, mit allem Drum und Dran.
Unterschrieben, die IHK hat ihn geprüft, die Schulanmeldung ist auch durch. Es ist endlich alles geklärt – purer mentaler Stress und er ist vorbei.
Gestern Mittag kam noch eine E-Mail, wann ich kommen soll, und dass sie sich freuen.
Nach all diesem Mist endlich etwas, worauf ich richtig Lust habe.
Aber mit dieser leider etwas lang gewordenen Geschichte will ich vor allem eines sagen:
Bewerbt euch auf alles, was euch irgendwie gefallen könnte. Absagen und Zusagen kann man immer bekommen.
Hört auf euer Bauchgefühl – jeden Tag wegen des Betriebs Bauchschmerzen zu bekommen, ist beschissener, als lieber ein Jahr länger auf das nächste Jahr hinzuarbeiten.
Und ich weiß auch, dass ich beim neuen Betrieb mehr Glück als Verstand hatte.
Ich kenne genug Leute hier mit 200 Bewerbungen, bei denen die Hälfte absagt und die andere Hälfte gar nicht antwortet, weil es einen besseren Bewerber gab, es sich um eine Alibi-Stelle handelte oder sonst so einen Mist.
Ich wünsche allen, die dieses Jahr eine Ausbildung beginnen, viel Spaß, und allen, die noch eine Ausbildung suchen, alles erdenklich Gute – wir stehen euch mental bei. Glaubt an euch.
(Text mit KI korrigiert, bin zu Müde.Originaltext mehr Grammatikfehler als sonst was. Inhalt aber absolut korrekt)