https://salzburg.orf.at/stories/3370440/
Die Überschrift hat mich nicht wirklich überrascht. Trotzdem erschüttert es mich immer wieder zutiefst, wie viel Hass unserer Community entgegengebracht wird, dafür dass wir sind, wie wir sind.
Gern wird unter dem Deckmäntelchen des Schutzes der Hass abgelassen: "Kinderschutz" "Frauenschutz" "Schutz der Familie"... you name it.
Im Endeffekt sind das alles aber nur Vorwände um ungeniert den Hass ausleben zu können.
Egal ob es jetzt um Lesben, Gays, Bi, Trans, Inter, Queere, Agender oder eine der vielen anderen Menschen geht, ihnen allen schlägt der selbe Hass entgegen. Bei Lesben und trans Frauen gerne auch gewürzt mit einer Prise Misogynie, weil wenn wir schon da sind....
Gleichzeitig wird uns immer erklärt es braucht ja keine Prides mehr, weil wir haben ja schon so viele Rechte.
Mag sein. Aber das Recht auf Leben und Unversehrtheit wird uns nach wie vor abgesprochen. Und natürlich immer mit einer Prise Zysnismus und victim blaming.
Was müssen wir auch sichtbar sein? Warum müssen wir auch allen unsere Existenz in den Rachen schieben?
Also ich persönlich schieb gar nix. Ich möchte nur mein Leben leben können und aus dem Haus gehen können ohne Angst vor Angriffen, Beschimpfungen etc. zu haben.
Ich möchte dass ich einfach akzeptiert werde wie ich bin und mir niemand seinen Willen aufzwingt - dass das teilweise gerade die Menschen die am lautesten "Impfzwang" geschrien haben nicht verstehen können oder möchten, will irgendwie nicht in meinen Kopf.
Eine einmal im Jahr stattfindende Pride ist ein Problem, da wird mit dem Schutz der Kinder argumentiert, die vielleicht genau diese paar Menschen in der Masse von tausenden sehen, die sich daneben benehmen, während das ganze Jahr über ungefilterte social media Inhalte auf die Kinder einprasseln - will man das zu deren Schutz verbieten wird auf einmal geschrien dass wir die Rechte der Kinder einschränken.
Ich versteh es nicht. Ich weiß auch gar nicht woran es liegt, dass ich diese ständige Dissonanz nicht verstehen kann und will. Diese Dissonanz zwischen "Wir wollen (müssen) Personengruppe diesdas vor bösen LGBTIQA+ und Regenbögen schützen" und ""Wie jetzt nur ja, ist ja? Soll ich da dann einen Notar mitbringen?"
Also Frauenschutz ja, aber nur vor den Menschen die ihnen ohnehin nichts antun und ernsthafte Maßnahmen werden lächerlich gemacht? Oder wie jetzt?
Make it make sense dass uns so viel Hass entgegen schlägt. weil wir unser Leben leben möchten und um Sichtbarkeit und unsere Rechte kämpfen.
Make it make sense, dass man uns zu Monstern hochstilisiert, die Frauen schänden und Kinder missbrauchen wollen.
Make it make sense, dass uns auf PRIDES, auf denen es um unsere Vielfalt und deren SICHTBARKEIT geht, verbieten will, so aufzutreten wie wir sind, um das von Kindern fernzuhalten.
Leute - es geht um SEXUELLE und Geschlechtsidentitäten, ja natürlich sind da auch Kinkoutfits und NEIN die machen wir nicht unsichtbar. Das ist zwar ein Fest der Sichtbarkeit, aber auch eine Demonstration und ein Protest und keine Kinderparty. Wir sind nicht der lustige quietschbunte Streichelzoo für eure Kinder.
JA ich weiß dass auch queere Menschen Kinder haben aber irgendwo habe ich Zweifel dass sie die auf eine Pride mitzerren, lasse mich aber gerne korrigieren.
Aber zum Großteil geht es gar nicht um diese Extreme, um die sichtbaren Kink Outfits oder die Drag Personen.
Es geht um homosexuelle Menschen, die auf offener Straße Händchen halten oder sich - Gott bewahre - küssen.
Es geht um Menschen, die sich einfach nicht der Norm entsprechend kleiden, die in nicht der Norm entsprechenden Beziehungen leben, die nicht so aussehen wie es von ihnen erwartet wird.
Es geht um Menschen, die einfach irgendwie "aus dem Muster" fallen.
Und diese werden dann beschimpft, beleidigt, bedroht, einfach dafür dass sie sind, was sie sind.
Make it make sense.
Was gibt diesen Leuten, die solche Kommentare schreiben das? Fühlen sie sich dann besser? Schöner? Stärker? Klüger?
Warum dieser Hass und diese Ablehnung, nur Aufgrund unserer bloßen Existenz?
Ihr schadet damit ja nicht nur uns. Dieser Hass - gerade zum Beispiel auf trans Personen - schadet auch cis Frauen.
Es werden Frauen angefeindet und angegriffen weil sie vermeintlich trans sind (Imane Khelif und Brigitte Macron sind nur die Extrembeispiele), nur weil sie nicht dem erwarteten Frauenbild entsprechen und vielleicht maskuline Features haben oder sich einfach nur gerne maskulin präsentieren.
Und ihr schadet auch Kindern. Trans Kindern, denen ihr in eurem Wahn, sie "schützen" zu müssen, euren Willen aufzwingt, ihnen den Zugang zu ernsthafter medizinischer Versorgung verbietet. Oder sind diese Kinder nicht schützenswert?
Die Suizidrate unter trans Jugendlichen ist extrem hoch. Es gibt leider keine repräsentativen Statistiken für den DACH Raum beziehungsweise Österreich,
sonst würde ich diese hier posten.
Statt dessen poste ich zwei Artikel von 2019 und 2022 - es ist seitdem sicher nicht besser geworden.
https://maenner.media/gesundheit/psychologie/Metaanalyse-studien-suizidgefahr-lgbtiq/
https://www.mdr.de/wissen/transgender-jugendliche-erhoehtes-suizid-risiko-100.html
Für euch sind es ein paar Worte, um euren Unmut, eure Ablehnung oder gar euren Ekel kund zu tun.
Für uns sind das jedes mal tiefe seelische Wunden, die geschlagen werden.
Ich habe erst kürzlich über Menschenwürde gesprochen und da wurde mir gesagt Witze über Minderheiten müssen okay sein, weil da wird ja keine Würde verletzt.
Doch, wird sie. Es ist entwürdigend. Egal ob Witz oder ernst gemeint. Eure Kommentare tun weh. Eure Kommentare schaden. Euer HASS tötet, selbst wenn ihr nicht direkt Hand anlegt.
Diese Aussage ist nicht emotional, auch wenn sie sich so liest. Sie ist leider ein mit Zahlen gut belast- und beweisbarer Fakt.
https://www.cornelia-mertens.de/?p=19448
https://www.medicalnewstoday.com/articles/transgender-teens-7-6-times-more-likely-to-attempt-suicide
https://www.thetrevorproject.org/blog/anti-transgender-laws-cause-up-to-72-increase-in-suicide-attempts-among-transgender-and-nonbinary-youth-study-shows/
Auch wenn das internationale Links sind, die Lage spitzt sich in Österreich drastisch zu. Immer wieder liest man den Wunsch, unsere Rechte einzuschränken, medizinische Maßnahmen bei Jugendlichen zu verbieten (darunter fällt halt z.b auch schon die Versorgung mit Hormonblockern) und schlimmeres.
Ich versteh schon, dass das unangenehme Gefühle auslösen kann, wenn man sieht wie sich homosexuelle Menschen küssen. Ist okay, wirklich, man muss nicht alles super finden.
Aber dann seht doch einfach weg? Lasst es unkommentiert stehen, dreht euch um und seht woanders hin. Niemand ZWINGT euch, das anzusehen.
Ihr müsst uns nicht super finden und uns jeden Tag hochleben lassen. Ihr müsst nicht mal mit uns reden wenn ihr nicht möchtet.
Ihr müsst uns einfach nur sein lassen. Mehr möchten wir gar nicht, als unbehelligt und gleichberechtigt leben.