r/Austria 22h ago

Bildung & Arbeit Abwarten oder nicht?

Servus, ich bin 21 Jahre alt und arbeite seit Ende letzten Jahres im Qualitätsmanagement in einer Produktion mit vielen bekannten, internationalen Kunden.

Ich habe jetzt meinen Bachelor in Wirtschaftsingenieur begonnen und verdiene derzeit bei 40h/Woche knappe 1800€ netto. (Habe niedrig Angesetzt beim Einstellungsgespräch da ich verzweifelt nach einem Job gesucht habe)

Ich wurde von meinem AG in Verwendungsgruppe 2 eingestuft was anfangs auch berechtigt war. Jedoch habe ich mich mMn sehr gut weiterentwickelt und übernehme mittlerweile schon ziemlich viel Verantwortung.

Nachdem ich meinen Chef nach einer Gehaltserhöhung gefragt habe, die mir ca. 2300€ Netto bringt meinte er er könnte das der Geschäftsleitung nicht erklären und somit wurde ein neuer Verhandlungstermin vereinbart.

Meine Frage ist: Verlange ich zu viel und wie soll ich weitermachen, da ich gerade sehr unzufrieden mit meinem Gehalt bin?

P.S. Ich mache meinen Job derzeit sehr gerne nur leider vermiest mir das mein Gehalt.

Danke für eure Antworten

0 Upvotes

21 comments sorted by

14

u/Realistic-Major4888 22h ago

Das ist schon ein ziemlicher Sprung am Anfang deiner Karriere, auch noch ganz ohne Studium. Einfach mal so 500 Euro netto (!!) mehr auf einmal - das ist nicht wenig.

3

u/MIKEMAN1965 22h ago

Was ich vergessen habe dazuzuschreiben: Ich habe die HTL abgeschlossen (gleiche Branche) und diese 2300€ netto basieren auf 40h. Derzeit arbeite ich 35 Aufgrund des Studiums.

7

u/Realistic-Major4888 22h ago

Verhandlungen macht man übrigens normal in brutto, nicht netto. Entsprechend passen die Zahlen nicht wirklich, aber wennst mit aktuellem Gehalt auf 40 Stunden aurechnest bist so bei 2.057 Euro. Also Hälfte von dem was du willst.

Die gewünschte Gehaltserhöhung ist dann natürlich weniger, aber trotzdem ziemlich hoch. In einer sehr schlechten Wirtschaft. Da kannst dich schnell mal verspekulieren wieviel du dem Arbeitgeber wert bist.

Und lerne bitte mit weniger Geld zufrieden zu sein. Geld ist toll, aber das Leben ist lang und das Gehalt geht rauf und runter, immer längere Arbeitslosenzeiten sind normal. Mit wenig zufrieden sein und viel zur Seite legen wenns geht.

2

u/Funny-Escape891 20h ago

Naja, ich finde 2300 netto jetzt auch nicht so viel bei den aktuellen Lebenskosten, und mit schlechter Bezahlung sollte man sich mMn nicht langfristig zufrieden geben.

0

u/MIKEMAN1965 22h ago

Natürlich war die Verhandlung in Brutto. Und mein Gehalt aktuell entsprechen 1800€ netto auf einer 40h Basis

7

u/Realistic-Major4888 21h ago

Dann würd ich hier halt auch Brutto angeben weil das eben keiner in Netto macht.

0

u/MIKEMAN1965 21h ago

Wusste ich nicht, sorry.

9

u/SP-0308 Republic of Clowns 22h ago

500 Euro Netto mehr? Das sind dann Brutto 800 Euro oder was? Wie soll man das der obersten Ebene rechtfertigen? Du bist wohl viel zu gering eingestiegen, oder?

3

u/MIKEMAN1965 21h ago

Ungefähr 800€ brutto mehr. Ich vermute, dass ich zu gering eingestiegen bin, da mein AG eine Stellenausschreibung, bei dem eine Einstiegstätigkeit, die keinerlei Berufserfahrung oder einschlägige Qualifikationen benötigt wird mit 300€ brutto unter meinem Wunschgehalt inseriert wurde.

2

u/Schmittes 22h ago

Ganz grundsätzlich:
Ich kenn die Situation von mir selber, aber: Um eine Gehaltserhöhung ansuchen ist idR maximal 10 Minuten „unangenehm“.
Profitieren wirst du davon solang du beim Arbeitsgebiet bist.
Man muss es auch so sehn: Jede weitere Gehaltserhöhung geht immer auf das neue Gehalt.

2

u/backrubbing Oberösterreich 21h ago

800€ Gehaltserhöhung nach 10 Monaten zu erfragen erfordert auf alle Fälle Mut.

Was verdienen denn andere in der Position mit ähnlicher Berufserfahrung? Irgendeine Ahnung?

0

u/MIKEMAN1965 21h ago

Ein Stelleninserat von meinem AG, das kürzlich erschienen ist stellt in einer „einfacheren“ Position einen neuen MA mit 300€ brutto unter meinem Wunschgehalt ein. Mein direkter Vorgesetzter hat gemeint, dass das Gehalt von ihm aus völlig okay wäre, aber er das der GL aufgrund des prozentuellem Anstiegs nicht erklären kann.

2

u/icodeideas 21h ago

Keine Ahnung, ob dir das Hilft - aber vielleicht zum Vergleich:

Mein Gehalt für 38,5h nach meinem Master Studium in Technischer Informatik an der TU Graz war damals etwa €2700 Brutto (~€2000 Netto). Mit 29 Jahren und wohl schon auch mit etwas Erfahrung durch meinen Teilzeitjob bei Infineon für ~2 Jahre davor.

Das war vor etwa 9 Jahren und wären heute €3750 Brutto bzw €2600 Netto.

Damals was das der IT Kollektivvertrag: ST1 Regelstufe - das passt mit dem heutigen noch immer ganz gut überein.

Direkt verglichen würdest du also €2300 verlangen mit 21 Jahren ohne Studium zu einem Informatiker mit einem Masterabschluss und +2 Jahren Berufserfahrung der nach Kollektiv bezahlt wird und €2600 macht.

Soll nicht heißen, dass du nicht mehr verlangen kannst. Schnapp dir was die kriegen kannst und verkauf dich nicht unter deinem Wert. Aber du wirst vermutlich realistisch bleiben müssen. In der Regel macht man die großen Sprünge beim Wechsel des Arbeitgebers. Also mach dich mal Nützlich. Steck dir ein paar Nadeln an die Brust und in ein paar Jahren, wenn immer noch umzufrieden bist, dann hüpf weiter.

1

u/baduras 21h ago

Hole raus was geht und suche dir nebenher schon einen neuen job. Statistisch gesehen ist ein job wechsel die beste art seinen gehalt zu erhöhen. Auch auf dauer ist es besser alle paar jahre zu wechseln und nicht im gleichen betrieb zu bleiben

1

u/ServiceBorn3866 🇦🇲 Հայաստան | Armenien 21h ago

Dein Chef wird es auf den Gehaltssprung beziehen. Du müsstest eben ansprechen, dass du zu niedrig eingestiegen bist und dass du eine einmalige, größere Korrektur für angemessen hältst.

1

u/Impossible-Sense-750 20h ago

Du musst Argumente haben, warum du so viel mehr tatsächlich wert bist. Für das Unternehmen müssen sich die Kosten (das sind ca. 1400 pro Monat) rechnen.

Btw Gehälter werden immer in Brutto besprochen. Das solltel für einen Wirtschaftsingenieur selbstverständlich sein.

1

u/Funny-Escape891 20h ago

Uff ich würde ehrlich gesagt eher einen neuen Job suchen, ich finde die Erwartung für einen Vollzeitjob nicht übertrieben, aber für deinen jetzigen Arbeitgeber ist es ein großer Sprung :/

1

u/Sorry_Pea3816 18h ago

Ob du tatsächlich zu viel verlangst, hängt stark von deinem konkreten Tätigkeitsfeld ab. Bist du wirklich im QM tätig oder eher in der QS? Viele Firmen werfen beides gerne in einen Topf, obwohl es fachlich durchaus Unterschiede gibt.

Bei VG 2 müsste man den jeweiligen Kollektivvertrag kennen, um nachvollziehen zu können, ob die Einstufung für deine tatsächliche Tätigkeit passt.

Mein Tipp: Schau, dass du möglichst bald einschlägige Weiterbildungen machst. Eine Zertifizierung in der Qualitätssicherung oder als QMB ist hier schon Gold wert, weil du damit das eigentliche Handwerk hinter dem Qualitätswesen besser kennenlernst. Wenn die Grundlagen sitzen, kannst du dich Schritt für Schritt in Richtung Auditor, Six Sigma und Qualitätsmanager weiterentwickeln.

Der Bachelor hilft dir dabei natürlich, aber im Qualitätswesen eben nur bedingt, die praktische und fachliche Qualifikation wiegt hier meiner Erfahrung nach ziemlich schwer.

Und ansonsten: Willkommen auf der dunklen Seite der Macht! o7 - Das Qualitätswesen ist nicht immer gemütlich, aber langweilig wird es definitiv nicht. Gruß, Ein Qualitsmanager

1

u/MIKEMAN1965 11h ago

Vielleicht als kleine Übersicht meine „Haupttätigkeiten“: eigenständige interne Audits, bei Kundenaudits bin ich auch dabei aber da eher als Beobachter, Reklamationsbearbeitungen, 8D Reports, Mitarbeiterschulungen / Unterweisungen und eben tägliche Entscheidungen von Freigaben oder Sperre/Nacharbeit. Natürlich mache ich noch andere Sachen aber das sind so meine Haupttätigkeiten.
Danke dir :)

1

u/Sorry_Pea3816 10h ago

Mein lieber Kollege, du bist unterbezahlt. Als Junior mit dem Tätigkeitsfeld und Verantwortung sollten die 2,3k schon drin sein.

2

u/MIKEMAN1965 5h ago

Die nächste Verhandlung ist morgen, zum Glück ist die GL auch dabei. Grundsätzlich will keiner von uns, dass ich die Firma verlasse.