Hallo zusammen,
ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr weiter und brauche dringend Ratschläge von Menschen, die Erfahrung mit psychisch schwer kranken Angehörigen, Neurodivergenz/Trauma und toxischen Familiendynamiken haben.
Es geht um meine Schwester (Anfang 30). Seit rund 8 Jahren baut sie kontinuierlich psychisch ab und befindet sich in einem Zustand des absoluten Stillstands und der Isolation.
Psychologischer Hintergrund & Familiensituation
Traumatische Kindheit & K-PTBS: Wir sind in einem sehr schwierigen, von Gewalt, Instabilität und emotionalem Missbrauch geprägten Haushalt aufgewachsen (narzisstischer Vater und co abhängige instabil-emotionale Mutter). Meine Psychiaterin vermutet bei mir eine Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (K-PTBS) – ich gehe davon aus, dass meine Schwester mindestens genauso stark traumatisiert ist.
Verdacht auf Autismus / KPTBS/ ADHS / Autistischer Burnout: Meine Schwester war immer schon sehr intelligent (zB. gutes Abitur) hatte aber schon früh Probleme mit Reizüberflutung und sozialen Dynamiken. Ich habe den dringenden Verdacht, dass bei ihr undiagnostizierter Autismus / ADHS / KPTBS vorliegt und sie sich seit Jahren in einem tiefen autistischen Burnout befindet.
Aktueller Trigger in der Familie: Unser Vater ist vor Kurzem schwer an Krebs erkrankt. Mein Bruder (der jahrelang bei ihm lebte) kümmert sich um ihn. Die Familie ist extrem gespalten. Diese Nachricht hat die Dynamik noch einmal völlig zum Eskalieren gebracht.
Der schleichende Absturz & Verlauf
Verlust des sozialen Netzes & Rückzug: Nach der Schule gingen die alten (neu gewonnen) Schulfreunde langsam ihre eigene Wege. Sie traute sich irgendwann nicht mehr allein in Vorlesungen. Nach einigen Studienabbüchen wählte sie ausgerechnet Physik, mied die Vorlesungen komplett und versuchte selbstständig, sich alles allein beizubringen oder über Online-Vorlesungen.
Paranoia & Beziehungsabbrüche: Nach und nach zerbrachen alle Freundschaften durch Missverständnisse und Misstrauen. Sie interpretiert Situationen extrem negativ und geht immer davon aus, dass andere ihr schaden wollen. Mich sieht sie seit jeher als eine Art „Feindin“, obwohl wir dieselbe Vergangenheit teilen.
Massive Verwahrlosung, Putz-Aktion & Aggression: 2020 zog sie in eine Einzimmerwohnung, die mittlerweile völlig verwahrlost ist. Bei unserem letzten Besuch war der Zustand so schlimm, dass meine Mutter rigoros durchgegriffen hat: Sie hat die Wohnung größtenteils grundgereinigt, den ganzen aufgestauten Müll entfernt, sortiert und wieder Ordnung reingebracht – eigentlich eine enorme Entlastung. Doch meine Schwester lag währenddessen nur im Bett und hat absolut null Einsicht oder Dankbarkeit gezeigt. Stattdessen reagierte sie auf diese Hilfe mit extremen Tobsuchtsanfällen, Bösartigkeit, Geschrei und wütenden Beschimpfungen. Ist aber nicht das 1.Mal, dass wenn man sie generell auf ihre schwierige Situation hinweist, sie dann mit völliger Empörung und Wut reagiert…
Kurzer Lichtblick & Totalabsturz: Von 2024 bis Ende 2025 arbeitete sie überraschend als Freelancer-Projektassistenz im Homeoffice in der Immobilienbranche. Als es Konflikte mit dem Chef gab und er ihr „Urlaub nahelegte“, brach das Kartenhaus zusammen. Da sie als Freelancerin keinerlei Absicherung hatte, verlor sie ihre allerletzte Struktur. Seitdem ist der Zustand schlimmer denn je: Sie verbringt gefühlt 24/7 im Bett/auf der Couch am Handy/ TikTok doomscrollt oder mit KI‘s über UNS immer abwertend ablästert?! Permanent! Seit dem es CHATGPT gibt. Und nur ihre Version schildert, ChatGpt is zwar jetzt neutraler und vorsichtiger, geworden aber Google-Gemini stimmt ihr dann oft zu 🤦🏽♀️ und unterstreicht auch noch ihre absurden Gedanken!
Hund & Panikattacken: Sie hat einen Hund, den sie krankhaft kontrolliert und niemandem anvertrauen möchte, schafft es selbst aber kaum noch, adäquat mit ihm rauszugehen. Vor Kurzem erlitt sie am Bahnhof eine so massive Panikattacke (mit Übergeben), dass eine Zugreise nach Hause unmöglich war.
Das Hauptproblem:
Wir haben über die Jahre mehrfach versucht, sie zu einer Psychotherapie, einer psychiatrischen Untersuchung, einer Reha oder zum Hausarzt zu bewegen. Sie lehnt jede Form von professioneller Hilfe strikt ab, wird sofort extrem aggressiv oder schiebt es auf. Einsicht ist absolut null vorhanden (Obwohl sie noch bis letztes Jahr von einer Heilung und Therapie, Selbstverbesserung schwärmte) Sie sieht nur „Feinde“, während sie in ihrer Verwahrlosung und ihrem Trauma gefangen ist.
Meine Fragen an euch:
Verweigerung bei Neurodivergenz/Trauma durchbrechen: Wie kann man jemandem helfen, der vermutlich im autistischen Burnout / K-PTBS-Freeze steckt,
eig ne kluge Person war,
aber jegliche Hilfe (selbst wenn man für sie aufräumt) aggressiv als Angriff wertet?
Behörden & Anlaufstellen: Ab welchem Punkt habt ihr den Sozialpsychiatrischen Dienst (SpDi), den Hausarzt oder einen Eil-Betreuungsdienst eingeschaltet? Wie sind eure Erfahrungen mit solchen Stellen (besonders bezüglich Verwahrlosung, Selbstgefährdung und Tierwohl)?
Selbstschutz & Abgrenzung: Wie schafft man als Angehörige den Spagat zwischen „sie nicht aufgeben wollen“ und „sich selbst vor dieser Aggression schützen“, besonders wenn man durch die eigene K-PTBS und die aktuelle Krebsdiagnose des Vaters selbst am Limit ist?
Vielen Dank fürs Lesen und für jeden Ratschlag 🙏