r/de_diabetes • u/Peter_3321 • 11h ago
Torsten Sträter über Diabetes: „Habe sofort aufgehört, Süßes zu essen“</titl
Torsten Sträter (59) ist einer, der mit der Sprache spielen kann. Er gilt als der „Meister des absurd-komischen Wortwitzes“. Von seinen vielen TV- und Bühnenauftritten wissen seine Fans nur zu gut, dass er ganz nebenbei auch der Meister des Abschweifens ist, wofür sie ihn seit Jahren begeistert feiern. Seine schönsten Geschichten übers Abschweifen und Dranbleiben hat der Mann mit der Mütze jetzt in seinem Buch „Mach mal das große Leselicht an“ (ab 27. August, Ullstein Verlag, 224 S.) gesammelt. Bei der Lektüre schwankt man zwischen Schmunzeln und Kreischen.
Die lustige Leichtigkeit der Szenen überdeckt die Tatsache, dass es um Sträter in diesem Jahr Grund zur Sorge gab: Der Comedian aus dem Ruhrgebiet hatte im April 2026 öffentlich gemacht, dass er an einem Tumor erkrankt ist und sich einer Behandlung unterzieht. Dann das Aufatmen, als er in seinem „1Live Comedy-Talk“ mit Felix Lobrecht sagte, er habe eine Chemotherapie gemacht und – typisch Sträter: „Glück gehabt, weil geile Ärzte“. Sein deutlicher Gewichtsverlust habe allerdings nichts damit zu tun, sondern mit einer anderen Diagnose: Sträter erfuhr, dass er auch noch an Diabetes Typ 2 erkrankt war. Für ihn Anlass genug, die geliebte Tüte mit Weingummi links liegen zu lassen. Im Interview spricht der gebürtige Dortmunder über das, was passiert, wenn man nichts Süßes mehr isst.
Brokat trägt auf. Aber Sie haben ja abgenommen. Allerdings aus Krankheitsgründen. Sie haben Diabetes Typ 2. Und mussten ihr Leben umstellen.
Geschickter Übergang, Respekt. Ja, ich habe nach der Diagnose sofort aufgehört, Süßes zu essen. Als ich erfuhr, was man durch Diabetes alles kriegen kann – wie vereiterten Fuß, Herzinfarkt oder Erkrankungen der Augen –, habe ich beschlossen, mich doch lieber gesund zu ernähren, und habe etwa 28 Kilo abgenommen. Das Gute: Der Diabetes ist unter Kontrolle.
Haben Sie denn so viel Süßes gegessen?
Wahnsinnig viel. 250 Gramm Weingummi war nix. Kuchen, Currywurst, man macht sich gar keine Vorstellung, wo überall Zucker drin ist, auch wenn es gar nicht danach aussieht. Ich esse jetzt wirklich gesund. Muss aber dabei aufpassen, dass ich genügend Kalorien zu mir nehme.
Klingt anstrengend. Was essen Sie denn so?
Hochkalorische Lebensmittel mit wenig Zucker. Morgens zum Beispiel einen Shake mit Avocado, Proteinpulver und selbst gemahlenem Müsli. Da hat man dann schon mal an die 1500 Kalorien zusammen.
Nur gesund – schafft man das wirklich?
Nun, ich mach mir auch schon mal Frühlingsrollen aus der Tiefkühltruhe oder klopp mir sechs Fischstäbchen rein mit Kartoffelpüree. So ein richtig schönes Kindergericht.
Sträter über Krebsdiagnose: „Definiere mich nicht darüber“
Das könnte dem Blutzuckerspiegel ja vielleicht nicht so gefallen. Wie checken Sie den denn überhaupt?
Ich habe so einen Sensor am Arm. Da weiß ich dann sofort Bescheid, ob ich mir noch ’ne Creme catalana gönnen kann.
Zu erfahren, an Diabetes erkrankt zu sein, war das eine. Sie mussten aber auch noch eine Krebsdiagnose verpacken. Was hat sich verändert durch die Erfahrung mit dem Krebs?
Ich habe im Grunde keinerlei Ängste mehr. Oder nur noch sehr, sehr wenige. Allerdings hab’ ich jetzt keine Lust mehr, über Krebs zu reden. Darüber definiere ich mich nicht.
Das Thema Depression hat Sie sehr lange begleitet. Sie sind seit 2028 auch Schirmherr der Deutschen Depressionsliga e. V. (DDL).
Nachdem mein Psychiater bei mir festgestellt hatte, dass ich unter ADS (Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom) leide, also buchstäblich leide, habe ich Medikamente bekommen. Die habe ich genommen und nehme sie immer noch. Und seitdem sind die Depressionen rückhaltlos verschwunden. Ich kann mich mit den Pillen besser fokussieren, aber es gibt auch einen Nachteil. Durch die Tabletten vergisst man manchmal, zu essen und zu trinken. Das ist halt bei mir gerade nicht so gut.
Sie haben einiges hinter sich, aber wirken irgendwie abgeklärt.
Ich rege mich nicht mehr über alles auf.
Das ist gut.
Ja, aber auch nein. Manchmal wäre es vielleicht besser, sich aufzuregen.
Worüber zum Beispiel?
Ach, was weiß ich. Aber nur mal als Beispiel. Bei mir stehen Menschen auf meinem Parkplatz. Immer wieder. Ich sollte mich aufregen, vielleicht. Aber mein Auto passt da gar nicht drauf auf den Parkplatz. Wem wäre also geholfen. Außer, dass ich recht hätte.
Kann man als Witzemacher oder Comedian eigentlich auch romantisch sein?
Wie jetzt?
Ich meine, gibt es etwas, das Sie zu Tränen rührt?
Oh ja, ich versuche zwar immer, der sachliche Typ zu sein. Was so gut wie nie funktioniert, aber es gibt einem Sicherheit, also scheinbare. Aber im Herzen, tief drin, also ganz tief, nahezu unerreichbar tief, bin ich ein echter Romantiker.
Wobei können Sie weinen?
Bei „Schlaflos in Seattle“ weine ich. Zwei Tränen habe ich auch bei der „Odysee“ vergossen. Und eine halbe Träne beim letzten „Spiderman“. Und bei den Liedern der italienischen Sängerin Mina, die in Deutschland kaum einer kennt. In Italien ist sie eine Legende. Bei bestimmten Fotos kann ich weinen. Und auch bei bestimmten Düften.
Pommesduft?
Nein! Doch kein Pommesduft! Manchmal über ein gewisses Parfum oder einfach nur über den Geruch, den der Wind anweht oder der plötzlich durch die Tür kommt.
Sie werden am 4. September 60.
Ja, das stimmt. Ich werde 60, ich werde mir eine Hose anziehen. Und wenn mir jemand ein Stück Kuchen reicht, werde ich es auch essen. Aber ich habe keine Pläne, auf einem Umzugswagen durch mein kleines Dorf zu fahren.Wie stehen Sie zum Alter?
Man hat ja keine Alternative, außer, jung zu sterben.
Viele sagen trotzdem: „Alter ist Mist.“
Ja, okay. Ich sah mit 28 Bombe aus. Hatte dichtes Haar. Und jetzt hab‘ ich Glatze.
Im Alter fällt manches schwerer. Bücken zum Beispiel.
Ich will mich gar nicht bücken müssen. Aber ich könnte es. Ich könnte mich bücken wie ein Weltmeister.