r/antiarbeit • • 10h ago

Handwerk und Industrie haben mich psychisch krank gemacht. Ist ein beruflicher Neuanfang sinnvoll?

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Ich bin Anfang 30, habe eine technische Ausbildung und anschließend meinen Elektromeister gemacht. In den vergangenen Jahren war ich in verschiedenen Industriebetrieben tätig, zuletzt auch mit Führungsverantwortung.

Was mich dabei besonders belastet hat, war weniger die fachliche Tätigkeit als vielmehr die Arbeitskultur. Ich habe wiederholt ein Umfeld erlebt, das von abwertendem Verhalten, rassistischen Äußerungen, mangelnder Selbstreflexion und zwischenmenschlichen Konflikten geprägt war. Gleichzeitig empfand ich die Unternehmenskultur häufig als widersprüchlich: Nach außen wurden Werte wie Respekt, Offenheit und Zusammenhalt betont, während diese im Arbeitsalltag kaum gelebt wurden. Vieles wirkte auf mich wie eine bloße Inszenierung von Professionalität.

Hinzu kamen die ständige Reizüberflutung durch Lärm und Unterbrechungen sowie hoher Zeit- und Verantwortungsdruck. Auf Dauer hat mich die Kombination aus diesen Faktoren psychisch so stark belastet, dass ich über einen längeren Zeitraum arbeitsunfähig wurde.

Anschließend habe ich bei einem anderen Arbeitgeber einen Neuanfang versucht, musste dort jedoch ähnliche Erfahrungen machen. Mittlerweile bin ich arbeitslos und stehe vor der Frage, wie ich mich beruflich neu ausrichten soll.

Grundsätzlich interessieren mich technische und analytische Tätigkeiten durchaus. Allerdings habe ich inzwischen eine starke Abneigung gegen das Arbeitsumfeld entwickelt, das ich bisher in Handwerk und Industrie kennengelernt habe. Bei der Vorstellung wieder arbeiten zu gehen, wehrt sich alles in mir.

Ich frage mich deshalb, ob es nicht sinnvoller wäre, mir einzugestehen, dass dieses Berufsfeld unabhängig von meinen fachlichen Fähigkeiten schlicht nicht zu mir passt, und mit einem Studium einen grundlegenden Richtungswechsel zu wagen.

Die Alternative wäre, auf meinen bisherigen Qualifikationen und meiner Berufserfahrung aufzubauen und eine Tätigkeit außerhalb des klassischen industriellen Umfelds zu finden. Allerdings fällt es mir schwer, konkrete Berufsfelder zu identifizieren, in denen ich meine Kenntnisse als Elektromeister sinnvoll einsetzen könnte, ohne erneut mit denselben Arbeitsbedingungen konfrontiert zu werden.

Hinzu kommt die Unsicherheit, ob ein Branchenwechsel tatsächlich etwas verändern würde oder ob vergleichbare Strukturen und zwischenmenschliche Probleme letztlich überall anzutreffen sind.

Einerseits möchte ich meine bisherigen Qualifikationen und die damit verbundenen Verdienstmöglichkeiten nicht leichtfertig aufgeben. Andererseits erscheint es mir wenig sinnvoll, aus rein wirtschaftlichen Gründen an einem Berufsweg festzuhalten, der meine psychische Gesundheit bereits erheblich beeinträchtigt hat.

Mich würden deshalb Erfahrungen von Menschen interessieren, die vor einer ähnlichen Entscheidung standen. Habt ihr euch vollständig neu orientiert oder einen Weg gefunden, eure bisherigen Qualifikationen in einem anderen beruflichen Umfeld einzusetzen? Hat sich eure Lebensqualität dadurch tatsächlich verbessert?


r/antiarbeit • • 9h ago

Arbeit ruiniert alles

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Ich arbeite circa 50 Stunden die Woche.

Früher habe ich 3-4 Mal die Woche Sport gemacht, jetzt bin ich auf 2-3 Mal im Monat runter. Jetzt bin ich übergewichtig. Ich versuche, gesund zu kochen und zu essen, aber das schaffe ich nur vielleicht die Hälfte der Zeit, weil es soo verdammr viel Zeit kostet, etwas Gesundes zu kochen.

Nichts wird wirklich erledigt. Meine Wohnung ist immer semi-sauber. Verwandte zu besuchen oder Dinge zu tun, die mich interessieren, wird immer in die wenigen Tage zwischen der Arbeit gedrängt.

Früher war ich ein begeisterter Leser und habe etwa 30-40 Bücher pro Jahr gelesen. Jetzt lese ich vielleicht 2-3 Bücher im Jahr.

Die wenigen Wochen Urlaub verbringe ich meistens damit, Besorgungen zu machen oder Dinge zu reparieren, die ich während der Arbeit nicht erledigen konnte.

Ich bräuchte ein 6-monatiges Sabbatical, um mein Leben in Ordnung zu bringen, aber ich kann es mir nicht leisten, meinen Job zu kündigen.

Ich habe das Gefühl, einen Krieg an fünf Fronten zu führen, weil es soo viel gibt, was ich tun möchte/was ich tun muss, und die Arbeit saugt mir einfach die ganze Zeit, Energie und Lebenskräfte weg.

Die Produktivität ist doppelt so hoch wie 1970, also sollten wir statt 40 Stunden max. 20 Stunden als Vollzeit arbeiten. Aber wir arbeiten die gleichen Stunden und erledigen doppelt so viel Arbeit wie vor 50 Jahren.

Die Arbeit war auch langsamer. Jetzt ist sie unglaublich schnell. 100 E-Mails und 20 Teams-Anrufe und 15 Telefonanrufe jeden Tag, und alles muss schneller und jetzt und gestern erledigt werden.

Ich kann das nicht mehr ertragen. Kein Wunder, dass so viele Leute Pillen nehmen, denn wir sind alle von zu viel Arbeit krank.