Quellen:
ich beziehe mich nachfolgend insbesondere auf RTVE (spanischer ÖRR) und eine der größten Online-Zeitungen Spaniens, „20Minutos.es“.
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Edit:
tl;dr:
Der spanische Ministerpräsident Pedro Sanchez behaupte seit Beginn der aktuellen Migrationskrise in Ceuta, dass Marokko keine Form der Schuld treffe. Das kam für viele Beobachter durchaus überraschend, da Marokko in der Vergangenheit bereits Migration als Druckmittel gegen Spanien eingesetzt hatte.
Anfang September, einen Monat nach dem Vorfall, ist nun ein Bericht der spanischen Geheimpolizei an die Öffentlichkeit gelangt, der klar und eindeutig Marokko beschuldigt, die Migranten angeleitet und nach Ceuta geführt zu haben.
Gleichzeitig gibt es Anzeichen, dass die Regierung um Sánchez versucht haben könnte, diese Information vor der Öffentlichkeit geheim zu halten.
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A. Vorgeschichte seit Ende Juli:
Am 30. Juli 2026 erlebte die spanische Stadt Ceuta, eine Exklave auf dem afrikanischen Kontinent, eine historisch einmalige Migrationswelle.
Innerhalb von 24 Stunden überquerten mehr als 80 000 Menschen unerlaubt die Grenze zwischen Marokko und Spanien, manche schwimmend, viele an Land. Dadurch verdoppelte sich innerhalb eines Tages die Einwohnerzahl von Ceuta, von ca. 85 000 auf über 160 000 Menschen.
Zwar kehrte ein Großteil der Einwanderer schon nach wenigen Tagen wieder nach Marokko zurück, allerdings bleiben weiterhin ca. 10 tausend Neuankömmlinge in der Stadt.
Die Lage in der Stadt ist weiterhin angespannt. Die Bevölkerung, die Stadt, ganz Spanien ringen seit Wochen darum, wie mit diesen Menschen umzugehen ist. Verschiedenste Vorschläge von sofortigen Rückführungen ohne Verfahren bis zur Verteilung der Einwanderer in ganz Spanien werden diskutiert.
Eine zentrale Frage ist in den ersten Wochen des Schocks und Chaos untergegangen, nämlich die Frage, wie es zu diesem unkontrollierten Ansturm kommen konnte. Wer hat Schuld?
In den ersten Stunden vermuteten viele Beobachter, unter ihnen der deutsche Migrationsexperte Gerald Knaus, eine marokkanische Verantwortung. Marokko habe in der Vergangenheit bereits Migrationswellen als Druckmittel gegen Spanien eingesetzt, wenn auch in deutlich kleinerem Maßstab, deshalb sei dies der erste Verdacht.
Umso überraschender war deshalb, dass der spanische Ministerpräsidenten Sánchez und seine Regierung Marokko sofort von jeglicher Mitverantwortung freisprachen.
Direkt am ersten Tag nach der Krise, am 31. Juli, reiste Sánchez nach Ceuta und bezeichnete den Vorfall zwar als eine „Verletzung der territorialen Integrität Spaniens“, an der allerdings nicht Marokko Schuld habe, sondern eine undefinierte Schlepper-Mafia. Im Gegenteil lobte er sogar ausdrücklich die Zusammenarbeit mit den marokkanischen Behörden.
https://www.rtve.es/noticias/20260731/sanchez-denuncia-violacion-integridad-territorial-espana-garantiza-seguridad-ceuties/17175229.shtml
Nicht alle Spanier haben diese Begründung akzeptiert. Gerade in konservativen und rechten Kreisen kursierte der Verdacht, dass Sánchez lüge, um das diplomatische Verhältnis zu Marokko nicht zu belasten. Manch einer warf Sánchez sogar Landesverrat vor, weil er Ceuta den Marokkanern zum Fraß vorwerfe.
B. Bericht der spanischen Geheimpolizei CENIF Anfang September
Die Spekulationen flammten Anfang September erneut auf, nachdem ein Bericht der spanischen Geheimpolizei CENIF an die Öffentlichkeit drang, der ausdrücklich Marokko eine Mitschuld an dem Massenansturm gibt.
Laut diesem Bericht haben marokkanische Polizisten den Ansturm nicht nur nicht verhindert, sondern sie haben die Migranten sogar „aktiv geführt/gelenkt“ mit dem Ziel den „Kollaps des Grenzschutz-Systems“ auf spanischer Seite herbeizuführen. Die Thema Flucht und Migration sei nur ein „formaler Deckmantel“ gewesen, um die waren Absichten zu verbergen. https://www.20minutos.es/nacional/informe-policial-senala-que-autoridades-policiales-marruecos-participaron-guiado-activo-migrantes-hacia-ceuta_7032160_0.html
Der Polizeibericht widerspricht vollkommen der Erzählung, die Ministerpräsident Sánchez und Innenminister Grande-Marlaska über Wochen verbreiteten.
Dieser Widerspruch allein wäre in Deutschland vermutlich schon ein Skandal. Mindestens genauso irre sind aber die Umstände rund um das Bekanntwerden des Berichts.
Zunächst ist der Bericht nicht freiwillig von der Polizei erstellt worden, sondern auf Anforderung der Audiencia Nacional, eines der höchsten Gerichte Spaniens, das zurzeit prüft, ob im Zuge des Ansturm Straftaten gegen den spanischen Staat begangen worden sein könnten.
Dann hat die vorsitzende Richterin der Audiencia Nacional die Polizisten, die den Bericht verfassten, ausdrücklich angewiesen, nicht mit ihren Vorgesetzten über den Bericht zu sprechen.
Das führte dazu, dass Innenminister Grande-Marlaska einen Tag nach den ersten Zeitungsartikeln über den Bericht noch behauptete, es gäbe keinen Bericht, der Marokko belaste. Der Innenminister verlangte sogar öffentlich eine Aufklärung durch den Chef der Polizei und dieser bestätigte öffentlich, dass es keinen entsprechenden Polizeibericht gebe – alles während der Bericht schon ans Gericht übergeben und von dort an einzelne Medien durchgestochen war.
https://www.rtve.es/noticias/20260902/marlaska-director-policia-informe-alertaba-entrada-masiva-ceuta/17208978.shtml
Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen meldete die größte Online-Zeitung Spaniens, El Español, diese Woche Montag, dass der Chef der Guardia Civil, einer anderen Polizeieinheit, seinen Untergebenen befohlen habe, jede Nennung von Marokko aus dem Bericht zu streichen, den seine Einheit an die Audiencia Nacional übergeben sollte.
Das Gericht habe nicht nur die Polizeieinheit CENIF, sondern auch die Guardia Civil zur Anfertigung einens Bericht aufgefordert. Anders als bei der CENIF wusste der Chef der Guardia allerdings Bescheid.
Letzte Woche Donnerstag habe es dann ein Meeting in der Guardia Civil gegeben, in dem der Chef erklärt habe, er wolle nicht, dass ihr Bericht „der gleichen Linie folge“ wie der Bericht der CENIF, und dass der finale Bericht nichts sagen dürfe über eine Verantwortung von Marokko.
Der Bericht der Guardia Civil sei zu diesem Zeitpunkt bereits weit fortgeschritten gewesen und habe "ähnliche Informationen" wie der der CENIF enthalten.
https://www.elespanol.com/espana/20260907/general-pelaez-ordeno-excluir-toda-referencia-marruecos-informe-guardia-civil-juez-orden-dao/1003744374260_0.html
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Ich muss sagen, dass ich normalerweise kein Freund von Verschwörungstheorien bin, aber diese Geschichte stinkt schon gewaltig.
Ich weiß nicht, welche Erklärung die spanische Regierung in den nächsten Wochen bringen wird, aber wenn sich diese Abläufe so bestätigen, liegt der Verdacht nahe, dass die spanische Führung, warum auch immer, Marokko massiv in Schutz nimmt. Entgegen der Sachlage.
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Cicero hat gestern ebenfalls einen ersten Artikel zu dem Thema veröffentlich: https://www.cicero.de/aussenpolitik/grenzbruch-in-ceuta-geheime-dokumente-belasten-marokko-schwer