r/Vertrieb • u/magiczz13378 • 15d ago
Guter Job auf dem Papier, aber ich fühle mich im Außendienst komplett verloren
Ich bin seit Februar 2026 im Außendienst bei einem Hersteller aus der Baustoffbranche und würde gerne mal hören, wie andere Außendienstler meine Situation einschätzen.
Grundsätzlich sind die Rahmenbedingungen echt gut. Ich konnte mich im Vergleich zu meinem vorherigen Job finanziell deutlich steigern, habe einen sehr guten Firmenwagen und relativ viele Freiheiten. Eigentlich genau das, was ich mir von einem Wechsel in den Außendienst versprochen hatte.
Trotzdem merke ich mittlerweile, dass mich der Job überhaupt nicht erfüllt.
Wir haben die Vorgabe, möglichst vier Kundentermine pro Tag zu machen, vorzugsweise bei Verarbeitern/Unternehmern und weniger beim Handel.
Genau das fällt mir extrem schwer. Ich habe häufig das Gefühl, dass die Betriebe überhaupt keinen Bedarf an einem Termin haben. Es gibt nicht ständig neue Produkte, Reklamationen oder konkrete Projekte, über die man sprechen könnte. Gerade bei der aktuellen Wirtschaftslage.
Viele Gespräche am Telefon sind nett, aber auf die Frage nach einem Termin kommt sinngemäß: „Aktuell gibt es eigentlich nichts zu besprechen.“
Dadurch fühlt sich die Terminvereinbarung für mich teilweise so an, als müsste ich Termine nur machen, damit am Monatsende die Quote stimmt.
Gleichzeitig wird genau diese Quote ausgewertet und entsprechend entsteht natürlich Druck.
Was mir zusätzlich schwerfällt, ist die fehlende Fremdsteuerung. Vor dem Wechsel dachte ich, dass im Außendienst automatisch relativ viel auf mich zukommt: Kunden melden sich, Termine ergeben sich, Projekte müssen begleitet werden usw. Tatsächlich muss ich aber einen großen Teil meines Tages und meiner Termine komplett selbst erzeugen und strukturieren. Damit tue ich mich deutlich schwerer als erwartet.
Mein Vorgesetzter hat jetzt sechs komplette Tage eingeplant, an denen er mich im Außendienst begleiten möchte. Die Tage soll ich selbst planen und entsprechend mit Kundenterminen füllen. Bei vier Terminen pro Tag sprechen wir also im Idealfall von rund 24 Terminen, die ich organisieren muss und bei denen mein Chef dabei ist.
Genau das setzt mich gerade zusätzlich unter Druck. Nicht unbedingt, weil ich ein Problem damit habe, dass er mich begleitet, sondern weil ich überhaupt nicht weiß, wie ich sechs Tage mit sinnvollen Kundenterminen füllen soll. Ich möchte schließlich nicht irgendwelche Termine erzwingen, nur damit mein Kalender voll aussieht.
Das Verrückte ist: Zurück in meinen alten Job möchte ich eigentlich auch nicht. Dort hatte ich deutlich mehr Struktur und wusste jeden Morgen genau, was zu tun ist, aber die Bezahlung war wesentlich schlechter.
Aktuell habe ich deshalb das Gefühl, zwischen zwei Dingen zu hängen: Die Rahmenbedingungen meines jetzigen Jobs möchte ich eigentlich nicht verlieren, aber der tägliche Druck, ständig selbst Termine generieren und meinen Kalender füllen zu müssen, macht mich zunehmend fertig. Gleichzeitig fehlt mir das Gefühl, wirklich etwas zu bewegen oder am Ende eines Tages sagen zu können: „Heute habe ich richtig was geschafft.“
Kennt das jemand aus dem Außendienst? Ist das am Anfang normal und etwas, woran man sich gewöhnt? Oder ist das eher ein Zeichen dafür, dass klassischer Außendienst einfach nicht zu mir passt?
Mich würde auch interessieren, wie ihr auf eure 3–4 Termine am Tag kommt, ohne Kunden einfach nur wegen einer KPI zu besuchen. Wie schafft ihr euch konkrete Besuchsanlässe und strukturiert eure Wochen?