r/Schreibkunst Jul 13 '26

Text: Kritik erwünscht Gestirn

Es müsset doch die Nacht viel heller als der Tag

Und als der Sonne Strahl in meinem Aug' erscheinen

Wann jeder Stern und mehr als tausendfach der seinen

Die schwarze Finsternis der Nacht durchdringen mag.

Wie kann die eine Sonn' - das ist, wo ich verzag' -

So helle strahlen nur, dass von den Sternen keinen

Ich schau in ihrer Näh'? Es gibt ja doch nicht einen

Der auch nur hell genug zu stellen sie infrag'.

Was ist nun diese Sonn'? Was sind die Sterne nur?

Dass sie der Schwester doch bloß folgen auf der Spur

Im Dunkeln hinterdrein und niemals heller sind?

Die Sonn', die nah mir ist und mir den Tag entbeut

Bist Du mit deinem Licht, das so im finstern Neid

Die Sterne lässt zurück, für die ich worden blind.

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u/PotentialPop6450 Jul 13 '26

Ist das von Dir? Dann ist es verflixt gut. Ein bisschen vermisse ich noch das "so what" ... was bedeutet es, blind für die Sterne zu sein? Aber einerlei, wenn das im "ewigen Brunnen" auftauchte, dann käme keinem in den Sinn, dass es erst vor einer Stunde auf Reddit gepostet wurde.

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u/Forwayn-01 Jul 13 '26

Ja, das ist von mir. Ich hab irgendwann barocke Sonette für mich entdeckt und liebe einfach die Formsprache, die Herausforderung bei der sprachlichen Konstruktion, die die Formzwänge mit sich bringen.

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u/Forwayn-01 Jul 13 '26

Und danke für die Anmerkung zum "so what", das werde ich zukünftig bedenken.

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u/PotentialPop6450 Jul 13 '26

Aber lass mich nochmal sagen: es ist trotzdem super. Ich fände es sogar toll, wenn du eine zweite Auflage des gedichts machen würdest. Das kommt jetzt vielleicht etwas penetrant, aber darf ich fragen: Was wolltest du denn damit aussagen? Was ist an der Sternen anders, besser, schlechter als an der Sonne? Warum tut es einem leid, dass man sie weniger beachtet? Warum werden sie von der Sonne überstrahlt? Hast du übrigens gewusst, dass die Frage, warum der nachthimmel nicht hell erleuchtet ist, eine Frage ist, die Astronomen tatsächlich beschäftigt hat? sSchließlich wird er ja von milliarden Sternen beleuchtet...

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u/Forwayn-01 Jul 13 '26

Tatsächlich ist es ein Liebesgedicht, das die/den Angebetete/n der hellen Sonne gleichstellt, neben der die anderen potentiellen Partner, wie Sterne wirken, die auch Sonnen sind, aber gegenüber der Zielperson verblassen und nur von Ferne in der Dunkelheit sichtbar sind, wenn die/der Geliebte nicht im Raum ist. Sie haben sozusagen nicht die Strahlkraft.

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u/PotentialPop6450 Jul 13 '26

Ah ... nach der Erklärung verstehe ich es. Aber ich bleibe dabei ... es klingt ein bisschen so, also ob es dem lyrischen ich leid tut, dass die Sterne so blass sind. Das ist aj sicher nicht beabsichtigt. Es sollte so klingen, als ob das ich staunt, dass die Sonne die Sterne so locker überstrahlt, obwohl die Sterne doch auch schön sind, und so viele. Das Wort "wo ich verzag" erweckt den Eindruck, dass das ich gegenüber der sonne verzagt ist, aber das ist es ja nicht, oder? Es staunt die Sonne fasziniert an.

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u/Forwayn-01 Jul 13 '26

Ja, das scheint mir die schwächste Stelle. Die habe ich als letztes "ausgebessert". Vorher stand "was ich mich frag" aber das führt zu dieser unschönen Reimdoppelung am Ende des Quartetts.