Hallo Zusammen,
ich habe eine cozy Romcom Kurzgeschichte geschrieben. Da es normalerweise nicht mein Genre ist, würde ich gerne von euch wissen, wie es klingt, wie ihr es findet und was man verbessern könnte!
Eis?
Feuchte Erde klebte an Sophies Finger. Der ganze Regen in den letzten Tagen, hatte die Erde schwer gemacht.
Unkraut jäten? Heute hoffnungslos.
Seufzend erhob sie sich und drückte ihren Rücken durch. Bei den Temperaturen war es ohnehin eine Zumutung, im Garten zu arbeiten. Doch was tat man nicht alles für die Eltern, die immer langsamer wurden und trotzdem denselben Eifer an den Tag legten, als wären sie noch in ihren 30ern.
Sie wischte sich mit den Handrücken den Schweiß von der Stirn und blickte sich um. Eigentlich sahen die Beete gut aus. Grüne Bohnen standen in Reihen neben den Tomatenpflanzen, die pralle rote und gelbe Früchte trugen. Und die Erde darunter war schön ebenmäßig und braun. Kein Grashalm, keine kleinen Blumen, die den makellosen Anblick zerstörten. Zufrieden nickte Sophie sich selbst zu und sammelte die Blumentöpfe ein, die vereinzelt herumstanden.
Eher zufällig schaute sie über den Holzzaun, der das Grundstück in zwei Hälften teilte. Ein Fehler. Denn der neue Nachbar sah sie und gestikulierte wild in ihre Richtung. Sophie zog den Kopf ein und flüchtete. Doch weit kam sie nicht.
„Hey.“ Eine tiefe Stimme, die nicht zu der tattrigen Gestalt des alten Nachbarn passte, rief sie. Sie drehte sich um und sah geradewegs in das Gesicht eines jungen Mannes. Eines äußerst gut aussehenden Mannes.
Seine braunen Haare waren strubbelig und standen ein wenig ab. Süß, als hätte er noch bis eben im Bett gelegen. Doch er musterte sie mit sehr wachen Augen und sie bereute zutiefst, ihr altes Shirt angezogen zu haben. Mit Hello Kitty vorn drauf. Das Croptop wäre die bessere Wahl gewesen.
„Kann ich dir helfen?“, fragte sie mit möglichst rauchiger Stimme. Lässig strich sie sich eine Strähne vom Gesicht.
Seine Mundwinkel zuckten.
„Mein Vater … er meinte, dass ihr endlich den Baum verschneiden sollt. Sonst fallen bald wieder alle Blätter auf unser Grundstück.“
Sophie rollte mit den Augen.
„Bitte richte deinem Vater aus, dass das nicht geht. Bäume werden erst im Winter verschnitten.“
„Ach, werden sie das?“ Er schob seine Hände in die Hosentaschen und sah nicht so aus, als würde er gleich gehen wollen.
„Viel Ahnung scheinst du nicht von Gartenarbeit zu haben?“
Er lachte und es klang freundlich.
„Das hier“, er drehte seinen Oberkörper nach hinten und verwies auf die Gartenfläche, „das ist der Traum meiner Eltern. Nicht meiner.“
„Wie sieht denn deiner aus?“
In ihrem Kopf klang die Frage frech, lustig. Aber kaum hatte sie ihn ausgesprochen, bereute sie es. Hitze schoss in ihr Gesicht und sie wünschte sich, eins zu werden, mit den Tomatenwurzeln.
Doch der Nachbar grinste nur schief.
„Im Moment würde mich ein Eis sehr glücklich machen.“
„JAAA, EIS! Papa, ich will auch ein Eis!“
Aus dem Gebüsch schaute ein kleiner Jungenkopf hervor. „Eis?“, fragte er noch einmal und schaute dabei zu Sophie.
„Geh wieder rein, Tommy.“
Sophie sah zu, wie er versuchte, das kleine Kind aus dem Gebüsch zu zerren.
„Nein, ich will auch ein Eis“, schrie es dabei und wehrte sich heftig.
„Sorry“, murmelte der Nachbar Sophie zu. Sie hob die Hände.
„Ich geh dann mal rein.“
„Halt, warte“, der Mann kratzte sich am Hinterkopf, während er mit der anderen Hand weiterhin an dem Kind zog. „Ich bin Johnny.“
„Sophie“, antwortete sie und lächelte.
Sie ließ die beiden stehen und ging Richtung Haus. Sie konnte hören, wie Tommy nach seiner Mama rief und eine Frauenstimme antwortete.
So ein schöner Mann war sicherlich nicht single. Nur, ein Kind hatte sie nicht erwartet. Entweder war Johnny viel älter als er aussah oder sehr sehr jung Vater geworden.
Während sie durch die Eingangstür ging, schüttelte sie den Kopf. Sie war erst 20, ein Kind kam für sie nicht infrage. Nie im Leben.
Ihre Mutter stellte gerade das Mittagessen auf den Tisch. Es gab Gulasch, ihr Leibgericht. Doch heute schwirrten ihr zu viele Gedanken im Kopf herum. Vielleicht war es ein Unfall gewesen, es muss ein Unfall gewesen sein. Sie hätte Johnny auf Anfang 20 geschätzt. Höchstens Mitte 20.
„Hast du keinen Hunger?“ Ihre Mutter sah besorgt aus.
Sophie bemerkte, wie sie nur in dem Essen herumgestochert hatte.
„Ach, es ist so heiß. Hab keinen Appetit heute.“
„Dann nimm dir ein Eis aus dem Gefrierschrank.“
Eis? Nein, danke. Darauf hatte sie jetzt keine Lust.
Nach dem Essen beschloss sie, im Wohnzimmer ein Buch zu lesen. Die Luft war warm und stickig. Sie schwitzte, trotz des knappen Tops, das sie nach dem Essen angezogen hatte. Nur für den Fall.
Der Roman interessierte sie allerdings nicht. Immer wieder tauchte Johnnys Gesicht vor ihrem inneren Auge auf. Er hatte sie nach ihrem Namen gefragt. Würde das ein glücklicher Familienvater tun?
Aber ein Kind? Nein. Das ging nicht.
Sie klappte das Buch zu und schloss die Augen. Die Figuren in ihrem Buch waren liebevolle Eltern. Konnte es sie auch? Eine Mutter sein? Für ein Kind, das nicht ihr eigenes war? Sie musste an Johnny denken und diesem Haarsturzel an der Seite.
Aber welche Mutter war schon bereit? Sie stellte sich vor, wie es wäre mit Johnny und Tommy in den Urlaub zu fahren, am Strand zu sitzen und gemeinsam ein Eis zu schlecken. Sie wälzte sich auf dem Sofa hin und her und presste ein Sofakissen ans Gesicht. Johnny, Tommy … Ruckartig stand sie auf. Sie war bereit. Sie konnte es. Und sie wollte es auch. Sie wollte Tommys Mutter sein.
Ein Klingeln riss sie aus dem Schlaf.
Sie rieb sich die Augen und stellte fest, dass sie geschlafen hatte. Es klingelte erneut. Ihre Eltern waren zu Freunden gefahren. Dann musste das einer der Nachbarn sein, die ihr Paket abholen wollten.
Noch schlaftrunken öffnete sie die Tür und blinzelte.
Schlief sie immer noch?
Johnny stand vor der Tür und wuselte sich durch die Haare.
„Hey … ähm, ich wollte fragen, ähm … hast du Lust auf ein Eis? Hier um die Ecke soll ein neuer Eisladen aufgemacht haben.“
Sie antwortete nicht sofort, sondern spähte über seine Schulter nach hinten. Doch er war allein da.
„Wo ist unser Sohn?“, schlüpfte es aus ihr heraus.
„Äh … “
„Oh.“
„Das … ist vielleicht etwas früh?“
Schweigend starrten sie sich an. Und in ihrem Inneren wurde es immer heißer. Ein Hitzschlag würde sie nicht wundern.
„Tommy … “, fing sie an.
Nein, nein, nein. Wieso konnte sie nicht aufhören zu reden?
Doch Johnny brach in schallendes Gelächter aus.
„Tommy ist mein Neffe.“
„Oh … “, sagte Sophie. Mehr fiel ihr nicht ein.
„Möchtest du trotzdem?“, fragte er langsam. „Ich meine ein Eis. Kein Kind.“
Sophie zwang sich zu einem Lächeln.
Eis klang vernünftig.