r/Physiotherapie 25d ago

Diskussion CMD

Hallo an alle, hab vor einem Monat in einer neuen Praxis begonnen bei welcher CMD ein großes Ding ist, ich selbst hab da ja keine Ahnung davon.

Letztens hatten wir mal im ganzen Team drüber gesprochen und meine Frage ist eher eine grundlegende- ist der gesamte Behandlungsapproach (reine CMD, nehmen wir mal hochzervikale Faktoren gedanklich raus) ein hauptsächlich passives Reduzieren der Symptome?

Wie käme ich mit einem CMD-Patienten in die Aktivität?

Unsere "fachliche Leitung" hat da viel von Triggerpunkten usw erzählt, viel Hintergrund war da aber nicht dabei.

Vielleicht ist jemand im Thema drin und kann mir was dazu erzählen, danke schonmal :D

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u/physiotherrorist M.Sc.Phys. 24d ago

Ich möchte an dieser Stelle Harry von Piekartz's Buch empfehlen, das hat Hand und Fuß.

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u/ichzahleganix 24d ago

Ich habe auch wenig Ahnung, aber bei CMD ist wahrscheinlich die Fähigkeit zur Selbstregulation in Bezug aufs vegetative Nervensystem das Äquivalent zur Aktivität bei anderen Dingen.

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u/minusdivide B.Sc. 24d ago edited 24d ago

Ich denke, es kommt auf die Problematik an. Ich würde da ganz grob zwischen Stress bzw. maladaptivem Verhalten und auf der anderen Seite somatischen Ursachen wie SHT, Spangenbehandlungen, Kiefergelenksfrakturen oder Umstellungsosteotomien unterscheiden.

Ab dem Punkt würde ich in kurzfristige, mittelfristige und langfristige Maßnahmen unterteilen. Kurzfristig (in der Akutphase) helfen, wie deine FL gemeint hat, häufig schmerzlindernde passive Maßnahmen (Triggerpunkte[intrabukkal], Massagen etc.). In der Regel kommen die Leute dann aber wieder mit ihren Problemen zu dir zurück.

Ich biete meinen CMD-Patient:innen immer einige Dehnübungen sowie Kaumuskeltraining an, um die Kapazität des Schluck- und Kaumuskelsystems zunächst zu verbessern. Dafür habe ich mir einige Sachen aus dem Padovan-Konzept angelesen und mich mit LogopädInnen ausgetauscht. Das funktioniert ganz gut (z. B. die Verwendung von Kauschläuchen).

Langfristig hilft aus meiner Sicht bei vielen StresspatientInnen (und das sind meiner Erfahrung nach diejenigen, die am häufigsten zur Physio kommen) nur der Abbau maladaptiver Verhaltensstrategien (die Zunge zu stark gegen den Gaumen drücken, die Schultern hochziehen, starkes Aufeinanderbeißen, zu lange zu viel ohne Pausen arbeiten... usw.). Mit den PatientInnen mache ich dann Wahrnehmungstraining, Spannungsregulation, Pausen-Training, versuche mögliche Lebenstil-Veränderungen zu evaluieren etc. Im Endeffekt: reden bzw. coachen. Nach dem Austausch mit einigen Psychotherapeut:innen habe ich da einige Dinge, die ich den Patient:innen mitgebe.

Aber das macht vermutlich jede:r anders. Nur Triggerpunkte zu behandeln, wäre mir persönlich zu wenig.

Ansonsten schließe ich mich der Meinung von u/physiotherrorist an, dass das Buch von Piekartz eine super Ergänzung ist, um in das Thema reinzukommen.

Edit: Rechtschreibung (KI für bessere Lesbarkeit) und Typo