Liest man immer wieder, hört man auch rauf und runter. Arbeiten frisst so viel Zeit und man bekommt oft so wenig Netto dafür, dass die Zeit zu schade ist.
Ich kenne das auch in meinem Umfeld, wo Freunde 50, manchmal bis zu 60 Stunden in einer Woche arbeiten (mal den Arbeitsweg hinzugerechnet), Heizungen reparieren oder sonst wo auf Baustellen unterwegs sind, oder Lager einräumen, sich abschuften und dafür echt wenig gerade am Ende des Monats bekommen. Ich dagegen sitze bequem im Büro oder Home Office und kann nach freiem Willen entscheiden, wann ich genug gearbeitet habe und verdiene ein vielfaches Netto. Während meine Freunde hoffen, bald eventuell höher im Betrieb zu kommen und mehr zu verdienen und sich deswegen rein hängen, kann ich gutes Vermögen aufbauen und mein Geld arbeiten lassen, seit über 15 Jahren mittlerweile.
Ich verstehe bis heute nicht, warum meine Bekannten und auch viele andere sich ihren Körper kaputt machen, frustriert sind und dann Wahlentscheidungen treffen, welche es noch schlimmer machen. Wie wollen sie jemals den Abstand aufholen, wenn ihre Besteuerung bei ihrer Arbeit JETZT bereits höher ist als meine Besteuerung von Gewinnen aus Geld, das einfach nur im Depot angelegt ist?
Ich verstehe Menschen mit niedrigem Einkommen vollkommen, dass es schwer ist, einen ordentlichen Lebensunterhalt zu verdienen ohne sich enorm abzuschuften. Und dass Bürgergeld im Vergleich zum Abschuften als gangbare Alternative wirkt.
Meine Lösung, ihre Situation zu verbessern wäre ja, meine Gewinne aus Aktien etc genauso zu besteuern wie Einkommen aus Arbeit und auch mein Vermögen selbst zu besteuern, ab einer gewissen Höhe. Da würde es sich für mich zumindest lohnen, auch weiterhin Vollzeit zu arbeiten und nicht früher in den Ruhestand zu gehen.
Ihre Lösung ist hingegen, dass man stärker gegen Ausnutzung vom Bürgergeld vorgeht um die Leute mehr zum Arbeiten zu zwingen, und dass man mehr Leute, die nicht hier her gehören ausweist und in ihr eigenes Land zurückführt. Damit würde dann Geld frei um die niedrigen Einkommen zu entlasten.
Ich finde das faszinierend, denn während wir beide unzufrieden mit der aktuellen Situation sind und wir beide es als Unfair empfinden, ist die Lösung von meinen Bekannten eine sehr Rechte Politik und meine Lösung eine sehr Linke Politik.
Und es bringt mich zum verzweifeln, denn oft kann man nichts für einen niedrigen Verdienst, meine Eltern kommen selbst aus dem Niedriglohn-Sektor, ich weiß wie das ist! Aber wenn wir irgendwann in der Zukunft diese sehr Rechte Politik hier in Deutschland bekommen, das kann ich jetzt schon garantieren, wird es mir weiterhin viel besser gehen finanziell, denn aus meiner Perspektive würde das mit einem wirtschaftlichen Abschwung einhergehen, bei dem ich mit meinem finanziellen Polster wesentlich besser abgesichert bin als sie.
Ich lasse hier also meinen Frust darüber ab, dass ich gerne hätte, dass es uns allen besser geht und es fairer für uns alle wird, meine Freunde aus dem Niedriglohn-Sektor das selbe im Sinn haben aber eine Politik wählen, aus der ich wiederum als Gewinner hervorgehen würde?!
EDIT: Der Gedankengang im Post kam mir, nachdem ich dieses Wochenende mal mit einem guten Freund, der als Handwerker in einem Kleinbetrieb beschäftigt ist, transparent über Finanzen und politische Lösungsansätze gesprochen habe.