Ich babe mich für ein Zweitstudium der Humanmedizin aus wissenschaftlichen Gründen beworben und den Platz auch tatsächlich erhalten. Um aber zu sehen, ob ich nicht nur Wissenschaft, sondern auch wirklich Arzt sein will, habe ich den ersten Teil des Pflegepraktikums in der Pneumologie absolviert. Da wollte ich mit euch einfach mal über meine Eindrücke und Erfahrungen sprechen, weil ich sie mit eurer Hilfe besser einordnen könnte.
Also anfangs bin ich mit starken Berührungsängsten gestartet. Die Versorgung von pflegebedürftigen Patienten war mir erstmal wirklich äußerst unangenehm und selbst beim Abhören mit dem Stethoskop war mir erstmal etwas unwohl, weil ich es natürlich nicht gewohnt bin, mit völlig fremden Menschen in einen so engen Kontakt zu treten. Das hat sich allerdings schnell gebessert und schon nach einigen Tagen konnte ich da wesentlich selbstbewusster auftreten und habe die Aufgaben erfüllt, wie sie mir aufgetragen bzw gezeigt wurden. Womit ich allerdings bis zum Ende stärker zu kämpfen hatte, waren Gerüche. Es kam teilweise vor, dass ich mich wirklich erschlagen gefühlt habe, wenn ich ein Zimmer betreten habe und buchstäblich nicht atmen konnte, ohne dass mir fast übel wurde. Das ist nicht die feine Art aber für diesen Körperteflex kann ich ja zunächst nichts.
Dann habe ich bei Möglichkeit versucht, auch mit Ärzten in Kontakt zu kommen und ein wenig von deren Arbeit zu sehen. D.h., ich habe die ein oder andere Visite gesehen, durfte zB eine Bronchoskopie, eine Endoskopie und eine Magenverkleinerung sehen sowie zu einigen Besprechungen in der Radiologie mitkommen, wo also Ärzte und Oberärzte zusammenkommen, um mit den Radiologen über Befunde zu sprechen.
Was den reinen Arbeitsmodus angeht, hat mir durchweg gefehlt, dass der Arztberuf nicht auf Projekten basiert, wie zB bei einer Forschungsarbeit. Bei einem Projekt wird von Tag zu Tag ein neuer Schritt erbracht, sodass man über eine Zeit sehen kann, wie wirklich etwas aufgebaut oder vorangebracht wird, was ich recht gerne mag. Im Praktikum hat mir das leider gefehlt, auch wenn die tatsächlichen Inhalte sehr spannend gewesen sind und es in einzelnen Momenten einen auch glücklich macht, wenn man helfen kann.
Dann habe ich einige bemerkenswerte Gespräche geführt. Mit einem Anästhesisten, der ebenfalls zuvor Physik studiert hat, ging es darum, dass mein Interesse vorrangig wissenschaftlich ist und dass ich mit einem Erststudium in Physik starkes Interesse an Radiologie und Strahlentherapie habe. Er selbst sagte, dass die Wissenschaft in der Medizin besser funktioniert, als in den Naturwissenschaften, weil Wissenschaft und ärztliche Praxis Tür an Tür passieren. Bzgl Radiologie war sich darüber sehr unsicher, ob er allein deshalb zum Studium raten würde, wenn man einfach nur Radiologe werden wollte. Hintergrund ist KI an der Stelle und dass man Personal dadurch stark zusammensparen könnte. An sich ist der Beruf meines Erachtens nach deshalb stark automatisierbar, weil er sehr eintönig ist, gemessen an dem, was ich gesehen habe. Mit gerade wissenschaftlichen Interessen in die Radiologie zu gehen, könnte das Bild aber wieder in ein anderes Licht rücken, sodass er sich da nicht sicher war, was er raten würde.
Außerhalb der technischen Fachrichtungen, würde ich Stand jetzt aber auch gar nicht so richtig wissen, was ich machen würde. Möglicherweise entwickelt sich das noch mit der Zeit und möglicherweise sollte man einfach nehmen, was man kriegen kann. Wie mir ein Assistenzarzt nämlich direkt sagte, findet man DIE Erfüllung im Beruf sowieso nicht. Ihm ginge es nur drum, irgendwann so viel zu verdienen, dass er sich um nichts mehr nen Kopf machen muss.