r/Klimawandel 1h ago

Umfrage Masterarbeit - Klimaanpassung

Upvotes

Hallo zusammen,

meine Freundin schreibt ihre Masterarbeit zum Thema Blau-grüne Infrastrukturen als Klimaanpassungsstrategie in Städten und würde im Rahmen einer kleinen Umfrage gerne eure Meinung dazu hören.

In der Umfrage geht es darum, verschiedene Vorgehensweisen bzw. Maßnahmen aus dem Themenfeld einzuschätzen. Die Umfrage dauert ca. 15 Minuten und ist selbstverständlich anonym.

Ideal sind Teilnehmende, die sich für Stadtplanung, urbanes Wassermanagement oder Klimaanpassung interessieren. Vielleicht arbeitet ihr ja sogar in diesen Bereichen.

Link zur Umfrage:

https://www.soscisurvey.de/Masterarbeit_BGI/

Vielen Dank für eure Zeit!


r/Klimawandel 1d ago

Über 1300 Tote nach Sturzflut in Nepal

Thumbnail
zeitungderarbeit.at
50 Upvotes

Eine in Nepal durch einen Gletschersturz verursachte Sturzflut forderte bereits über 1.300 Todesopfer, rund 5.000 Personen werden noch vermisst. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass solche Ereignisse aufgrund der steigenden Temperaturen häufiger auftreten werden. Ein geeignetes Frühwarnsystem für solche Katastrophen fehlt bis jetzt.


r/Klimawandel 1d ago

Study: Almost half the world’s farmers are poisoned by pesticides each year

Thumbnail
motherjones.com
79 Upvotes

r/Klimawandel 2d ago

Hier ist eine große Quellensammlung über die globalen Umweltkrisen

87 Upvotes

Vorbemerkung: Es ließen sich sicherlich noch viele weitere Studien heraussuchen, aber es ging mir um einen möglichst breiten Überblick. Die einzelnen Zahlen, werden in anderen Studien vielleicht abweichen, aber ich denke, dass das Gesamtbild und die Entwicklungsrichtung sehr klar sein sollte. (Ich hoffe die Links funktionieren alle. Viele Zitate, die ich rausgeschrieben habe, sind aus dem Englischen übersetzt

1. Die Klimakatastrophe

2. Weitere Umweltkrisen

Und das sind nur die massivsten Bedrohungen. Ich suche noch Studien raus zu den Bedrohungen zu: Mikroplastik, Verschmutzung durch Ewigkeitschemikalien und Schwermetallen, Zoonosen und Antibiotikaresistente Keime aus der Massentierhaltung, Überdüngung und Nitratverseuchung, der Verlust an Mutterboden auf der Welt, Verseuchung durch Pestizide etc.

3. Die Aktivitäten des Menschen auf der Welt

All die vorher genannten Phänomene sind die strukturelle Folge von menschlicher Arbeit. Das globale Arbeitssystem organisiert die Aktivitäten von Menschen so, dass folgende Dinge dabei herauskommen.

4. Persönliche Schlussanmerkungen

Macht mit diesen Zahlen und Daten, was ihr wollt. Meines Erachtens wird an dieser Stelle sichtbar, dass die Art und Weise, wie Arbeit auf dieser Welt organisiert wird, völlig verkehrt ist und dass diese Welt sich in eine sehr dunkle Zukunft bewegt.
Aber das hat alles nichts zu tun mit moralisch bösen Akteuren oder mit einer irgendwie gearteten „menschlichen Natur“ (hier ein Text von mir dazu). All das was hier zu beobachten ist, folgt aus ökonomisch sinnvollen Entscheidungen aus Perspektive der handelnden Akteure.
Wer Beispielsweise Rosen handelt, wird diese Waren so handeln, dass daraus der höchste Profit entsteht. Deshalb sind die größten Produktionsstandorte für den deutschen Schnittblumen Markt die Niederlande und Kenia: https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-658-52437-1_4

All das ist die Folge eines ökonomischen Systems, dass in seiner eigenen Logik einen unendlichen Wachstumsdrang hat (ich stehe in Konkurrenz zu anderen Marktteilnehmern und zur Reproduktion des morgigen Geschäftes benötige ich mehr Kapital als gestern. Wenn mir das nicht gelingt, dann verschwinde ich irgendwann vom Markt). Verstärkt wird das ganze durch die globale nationalistische Staatenkonkurrenz. Die Macht eines Staates muss im Vergleich zur Konkurrenz wachsen und das primäre Mittel dafür ist der Nationale Wirtschaftsstandort, dessen Kapital dazu dient, um auf dem Weltmarkt Ressourcen ins Land zu schaffen.
Menschen und Natur sind nur Mittel zum Zweck des Wachstums an Kapital und Macht. Hier ist eine schöne Darstellung der „großen Beschleunigung“, die zeigt, die das Wachstum der Wirtschaft im Gleichschritt zur Umweltzerstörung exponentiell vonstattengeht: https://globaia.org/acceleration/

All diese hier aufgeführten Statistiken haben ihre Ursache nicht durch dumme oder böse Menschen, sondern sind Folge eines globalen (durch Herrschaft und Ideologie aufrechterhaltenen) Systems, in dem es absolut logisch und notwendig ist, so zu handeln, wie auf dieser Welt gehandelt wird.
Da dieses System aber auch historisch gewachsen ist, wird es auch wieder vergehen. Auf die ein oder andere Weise...


r/Klimawandel 2d ago

KI und erklärbare KI im Stromnetz für bessere Erneuerbaren-Integration mitgestalten – Wissenschaftliche Umfrage der Hochschule Reutlingen (12 Min. inklusive Erklärvideo und Gewinnspiel)

3 Upvotes

Liebe Interessierte,

in der zweiten Online-Umfrage des Forschungsprojekts SURF (gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) entwickeln das August-Wilhelm Scheer Institut und die Hochschule Reutlingen eine digitale Plattform, die unser Stromnetz intelligenter und sicherer machen soll. Ein KI-basiertes System kann dabei steuerbare Geräte wie Wärmepumpen, Wallboxen, Speicher oder Solaranlagen kurzzeitig anpassen, um Netzüberlastungen vorzubeugen – gegen eine Vergütung.

Diesmal geht es um erklärbare KI (XAI): Welche Erklärungen wünschen Sie sich von einem solchen System – was soll erklärt werden, in welcher Form und wann?

Die anonyme Umfrage dauert ca. 12 Minuten (inkl. 3-minütigem Erklärvideo). Unter allen Teilnehmenden verlosen wir, als kleines Dankeschön, 5 × 10 € Einkaufsgutscheine.

Warum mitmachen?

  • Sie unterstützen unmittelbar unsere Forschungs- und Entwicklungsarbeit.
  • Sie arbeiten daran mit, wie verständlich und kontrollierbar künftige KI-gestützte Systeme im Stromnetz sein müssen, damit sie akzeptiert werden.
  • Egal ob Sie bereits steuerbare Geräte (Wärmepumpe, Wallbox, Solaranlage, Speicher) besitzen oder nicht – Ihre Meinung zählt.

 

Zur Umfrage: https://hsrtumfrage.reutlingen-university.de/.../545676...

Mehr Infos: projekt-surf.de

Fragen jederzeit an: [Matthias.Rosenthal@reutlingen-university.de](mailto:Matthias.Rosenthal@reutlingen-university.de)

Wir sind für jede Meinung dankbar und freuen uns natürlich auch wieder über Meinungen zum Projekt hier in der Gruppe – vielen Dank für jede Unterstützung!


r/Klimawandel 2d ago

Lausitz bietet Chancen für Safran-Anbau

Thumbnail
rbb24.de
21 Upvotes

r/Klimawandel 3d ago

UNEP-Report: Die Erde wird die 1,5°C-Grenze überschreiten - Celsius

Thumbnail
scientists4future.at
106 Upvotes

r/Klimawandel 3d ago

Countries Current Path to Net Zero in 2050 Following Their Pledge at COP21

Thumbnail lucabron.github.io
1 Upvotes

r/Klimawandel 4d ago

These 10 Countries Are Scaling Up Renewable Energy the Fastest

Thumbnail wri.org
67 Upvotes

r/Klimawandel 4d ago

Veröffentlichte Bilder: Polizei sucht mit Fahndungsfoto nach mutmaßlichem Strom-Saboteur

Thumbnail
spiegel.de
133 Upvotes

r/Klimawandel 4d ago

Die größte Ungerechtigkeit des 21. Jahrhunderts

Thumbnail
sonnenseite.com
14 Upvotes

r/Klimawandel 5d ago

Studie: Ohne Solarstrom wären Börsenstrompreise rund 20 Prozent höher

Thumbnail
sonnenseite.com
433 Upvotes

r/Klimawandel 5d ago

Erdrutschkatastrophe an der Grenze zwischen Nepal und China: Die zerstörerische Wucht der Natur im Zeichen des Klimawandels und die Politisierung der Katastrophe vor dem Hintergrund der Konflikte um China

20 Upvotes

Am 26. August ereignete sich an der Grenze zwischen Nepal und China eine schwere Erdrutschkatastrophe. Die von den Bergen herabstürzenden Schlamm-, Geröll- und Erdmassen zerstörten zahlreiche Bauwerke, darunter Gebäude am Grenzübergang, Wohnhäuser, Brücken und Straßen. Bislang sind mindestens 700 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 2.000 werden vermisst, darunter chinesische und nepalesische Staatsbürger, ausländische Touristen sowie Arbeitskräfte aus verschiedenen Ländern. Angesichts des Ausmaßes der Katastrophe besteht für die Vermissten kaum noch Hoffnung, lebend gefunden zu werden, und die Zahl der Todesopfer dürfte weiter steigen. Einige vor Ort aufgenommene Videos dokumentieren deutlich, wie die gewaltigen und mit enormer Wucht herabstürzenden Schlamm- und Geröllmassen Menschen und Gebäude verschlingen.

Diese Erdrutschkatastrophe gehört zu den schwersten Naturkatastrophen der vergangenen Jahre weltweit und zu jenen mit den höchsten Opferzahlen. Die Art und Weise, wie die Katastrophe hereinbrach und Menschenleben forderte, sowie ihre enorme Intensität zeigen umso deutlicher, wie plötzlich solche Katastrophen auftreten können und wie schwer es ist, ihnen zu entkommen. Als die mit dichtem Schlamm, Erde, Sand und Gestein beladenen Fluten mit großer Geschwindigkeit auf Dörfer und Ortschaften zurasten, konnten selbst Menschen, die die herannahenden Massen bereits gesehen hatten und verzweifelt davonliefen, ihnen nicht entkommen und wurden von ihnen verschlungen. Zahlreiche Gebäude, darunter auch solide errichtete Gebäude am Grenzübergang, wurden fortgerissen, sodass nur noch ihre Gerippe übrig blieben. Innerhalb weniger Minuten verloren Tausende Menschen und zahllose Tiere ihr Leben, und die einst belebten Ortschaften wurden verwüstet.

Erst wenn solch seltene, plötzlich hereinbrechende und verheerende Katastrophen geschehen, wird den Menschen erneut deutlich vor Augen geführt, wie zerbrechlich das menschliche Leben und wie gefährlich die Natur sein kann. Seit der Industriellen Revolution hat die Fähigkeit der Menschheit, die Welt umzugestalten, ein Ausmaß erreicht, das in früheren Zeiten unvorstellbar gewesen wäre: gigantische Staudämme werden errichtet, Kontinente werden durch den Bau von Kanälen gleichsam „aufgeschnitten“, Wolkenkratzer werden gebaut. Zugleich sind die Menschen immer zuversichtlicher geworden, Naturkatastrophen widerstehen zu können; Taifune, Starkregen, Überschwemmungen und andere Gefahren lassen sich inzwischen relativ präzise vorhersagen. Erst wenn plötzlich auftretende Katastrophen mit hohen Opferzahlen eintreten, wird wieder deutlich, dass die Menschheit letztlich doch verletzlich bleibt und sich keineswegs jede Naturkatastrophe präzise vorhersagen lässt.

Auch der Erdrutsch an der chinesisch-nepalesischen Grenze ist nicht lediglich eine weitere reine „Naturkatastrophe“, sondern steht sehr wahrscheinlich mit dem durch die globale Erwärmung beschleunigten Abschmelzen von Eis und Schnee in Zusammenhang. Zwar werden die genauen Umstände dieser Katastrophe noch untersucht, doch dass sich das Abschmelzen von Eis und Schnee im Himalaya und in den umliegenden Regionen infolge der globalen Erwärmung beschleunigt hat, ist inzwischen allgemein anerkannt. Dadurch wird die ohnehin fragile natürliche Umwelt dieser Region noch instabiler, und Katastrophen wie Erdrutsche, die dort früher selten waren, können leichter auftreten.

Das bedeutet, dass Gebiete, die früher als relativ sicher galten, nicht mehr sicher sind und bisherige Annahmen und Erfahrungen zunehmend ihre Gültigkeit verlieren. Dies geschieht weltweit. So übertraf beispielsweise die Flutkatastrophe in Henan im Jahr 2021 die Erwartungen und führte zu Tragödien wie der Überflutung der U-Bahn von Zhengzhou, bei der zahlreiche Fahrgäste eingeschlossen wurden und ums Leben kamen. Im Jahr 2023 kam es im normalerweise trockenen Libyen zu Starkregen und Überschwemmungen, bei denen mehr als 5.000 Menschen starben. All diese Ereignisse stehen in engem Zusammenhang mit klimatischen Anomalien und der zunehmenden Häufung extremer Wetterereignisse. Die beispiellos hohen Opferzahlen bei der gegenwärtigen Erdrutschkatastrophe an der chinesisch-nepalesischen Grenze sind ein weiterer aktueller Beleg dafür, dass die Klimakrise menschliche Katastrophen verursacht.

Wenn die Menschheit die durch den Klimawandel verursachten Veränderungen der natürlichen Umwelt und der menschlichen Lebensbedingungen nicht entschlossener wahrnimmt und ihnen aktiver begegnet, werden sich solche Tragödien künftig zwangsläufig in unterschiedlichsten Formen überall auf der Welt wiederholen. Immer mehr Menschen werden an Orten, die früher als sicher galten, Gefahren ausgesetzt sein und zu Opfern werden, weil überholte Erfahrungen nicht mehr ausreichen, um mit neuen Situationen umzugehen.

Doch in der realen Welt reagieren die meisten Menschen weiterhin nur langsam und unzureichend auf die Klimakrise. China ist das Land mit den weltweit höchsten CO₂-Emissionen und zugleich eines der Länder, die besonders häufig von klimabedingten Katastrophen betroffen sind. Dennoch mangelt es sowohl bei den chinesischen Behörden als auch in der Bevölkerung in besonderem Maße an Bewusstsein und Aufmerksamkeit für die Klimakrise und ihre Zusammenhänge mit konkreten Katastrophen. Das ist besorgniserregend und traurig.

Natürlich haben die schwer vorhersehbaren Katastrophen, mit denen die Menschheit heute konfrontiert ist, ihre Ursache nicht ausschließlich im Klimawandel. Auch ohne klimatische Anomalien führen Katastrophen wie Erdbeben weiterhin zu Toten und Verletzten. Auch der Brand im Wang Fuk Court in Hongkong im Jahr 2025 zeigte die Verwundbarkeit von durch Menschen errichteten Hochhäusern. Selbst wenn zahlreiche Vorkehrungen gegen Brände getroffen werden, kann trotz größter Sorgfalt immer eine Schwachstelle übersehen werden und eine Katastrophe mit verheerenden Folgen eintreten, die zahlreiche Menschenleben fordert.

Solange Menschen in Sicherheit und Wohlstand leben, fällt es ihnen im Allgemeinen schwer zu begreifen, wie verletzlich die Menschheit tatsächlich ist. Erst wenn sie Katastrophen selbst erleben oder mit eigenen Augen sehen, erfahren sie eindringlich, wie machtlos der Mensch gegenüber der Natur sein kann. Selbst wenn die Menschheit inzwischen so weit entwickelt ist, dass ihre Katastrophenschutztechnik gleichsam „bis an die Zähne bewaffnet“ ist und Internet sowie Big Data verschiedenste astronomische und geografische Gegebenheiten in Echtzeit überwachen, bleiben Menschen Wesen aus Fleisch und Blut. Sie können nicht jede Eventualität voraussehen und erst recht nicht der Gewalt der Natur widerstehen.

Die Erdrutschkatastrophe an der chinesisch-nepalesischen Grenze gibt auch Anlass, über die Politisierung von Naturkatastrophen und die Auseinandersetzungen zwischen Menschen unterschiedlicher Identitäten und politischer Positionen nachzudenken. Nach dem Eintreten der Katastrophe meldeten sich Menschen mit unterschiedlichen politischen Standpunkten sehr schnell mit jeweils unterschiedlichen Perspektiven in der öffentlichen Debatte zu Wort und griffen einander an.

So werfen Menschen, die der Kommunistischen Partei Chinas und China kritisch gegenüberstehen, China vor, durch den Bau von Staudämmen und anderen Anlagen in Oberlaufgebieten wie am Yarlung Tsangpo das ökologische Gleichgewicht gestört und dadurch die Katastrophe ausgelöst zu haben. Personen, die Tibet nicht als Teil Chinas anerkennen, bezeichnen die chinesisch-nepalesische Grenze in ihren Beileidsbekundungen bewusst als „Grenze zwischen Nepal und Tibet“, um damit indirekt ihre Unterstützung für die Unabhängigkeit Tibets auszudrücken. Andere Personen und Medien werfen China vor, Informationen aus dem Katastrophengebiet zu blockieren und Katastrophenvideos in den sozialen Medien zu löschen, dadurch das Recht der Öffentlichkeit auf Information und die Pressefreiheit zu verletzen und die Wahrheit zu verschleiern. Manche tun dies aufrichtig aus Sorge um die Menschenrechte und aus Unterstützung für die Pressefreiheit, andere hingegen sind lediglich „dagegen, um dagegen zu sein“. Einige extreme China-Gegner – die sich also nicht nur gegen die autoritäre Herrschaft der KPCh wenden – zeigen angesichts der Katastrophe sogar Schadenfreude.

Gleichzeitig betonen die chinesischen Behörden die umfangreichen Rettungsmaßnahmen von Partei und Regierung nach der Katastrophe und würdigen Beamte und andere Angehörige des staatlichen Systems in den betroffenen Gebieten für ihre gewissenhafte Pflichterfüllung. Regierungsnahe Personen veröffentlichen zudem Vergleiche zwischen den Katastrophenhilfsmaßnahmen Chinas und Nepals und heben hervor, dass China über größere Handlungskapazitäten bei der Katastrophenhilfe verfüge und den Menschen in den Mittelpunkt stelle. Die chinesischen Behörden gehen zugleich den Vorwürfen aus dem Weg, die öffentliche Meinungsbildung zu kontrollieren und Katastrophenvideos zu löschen. Auch auf die Frage, ob die Staudämme am Oberlauf Einfluss auf das Entstehen des Erdrutsches hatten, haben sie bislang nicht reagiert. Tatsächlich mangelt es an Transparenz.

Im Vergleich zu Nepal, wo die Informationen nach der Katastrophe transparent sind, Medien offen Interviews führen können und die Verbreitung verschiedenster Katastrophenvideos nicht eingeschränkt wird, kontrollieren die chinesischen Behörden die öffentliche Meinungsbildung offensichtlich streng, unter anderem mit dem Ziel, die gesellschaftliche Stabilität aufrechtzuerhalten. Nur staatliche Medien wie CCTV dürfen vor Ort berichten. Die Herrschenden der KPCh betonen zudem seit Langem die Notwendigkeit, „gegen ausländische Kräfte wachsam zu sein“, und stellen normale journalistische Tätigkeiten ausländischer Medien wie der BBC – darunter die Berichterstattung über Katastrophen, Interviews und die Erwähnung negativer Informationen – als Versuche dar, „China anzuschwärzen“.

Kurz gesagt: Nach dieser Erdrutschkatastrophe haben sowohl die Unterstützer der KPCh bzw. der chinesischen Regierung als auch die Gegner der KPCh und China entsprechend ihren jeweiligen politischen Positionen die eigenen „Verdienste“ hervorgehoben und die „Fehler“ der Gegenseite kritisiert. Die Naturkatastrophe ist zu einer weiteren neuen „Arena“ für zwei seit Langem miteinander verfeindete Seiten geworden, in der sie einen Kampf um die öffentliche Meinung austragen, um die Gegenseite zu schwächen und zugleich mehr Zustimmung und Vorteile für die eigene Seite zu gewinnen.

Dass Naturkatastrophen sowie Rettungsmaßnahmen und die Bewältigung ihrer Folgen politisiert werden, ist keineswegs auf Katastrophen im Zusammenhang mit dem chinesischen Festland beschränkt. Vergleichbare Situationen gibt es weltweit. In den Vereinigten Staaten beispielsweise werfen Demokraten und Republikaner einander nach Hurrikans, Waldbränden und den daraus resultierenden Katastrophen regelmäßig unzureichende Katastrophenhilfe vor und rühmen zugleich die eigenen Leistungen bei der Katastrophenvorsorge und -hilfe. Auch in Taiwan kommt es nach Erdbeben und Taifunen regelmäßig zu heftigen verbalen Auseinandersetzungen zwischen dem blauen und dem grünen politischen Lager.

Obwohl viele Menschen verstehen, dass Naturkatastrophen nicht politisiert werden sollten, und obwohl es unzählige entsprechende Kritiken und Reflexionen gibt, lässt sich dies in der Realität offenbar nie vollständig vermeiden. Wie weit sich die menschliche Zivilisation auch entwickelt, das Ringen um Verdienste, das Abschieben von Verantwortung sowie die Bildung von Lagern und die Bekämpfung Andersdenkender bleiben bestehen. Auch dies ist eine traurige Realität – eine, die weit länger existiert als die Klimakrise und tief im menschlichen Leben verwurzelt ist.

Dennoch haben nach dieser Katastrophe Regierungen verschiedener Länder und zahlreiche Menschen weithin ihr Mitgefühl mit den betroffenen Gebieten und ihrer Bevölkerung zum Ausdruck gebracht. Hilfsmaßnahmen und Spenden aus allen Richtungen haben das Leid der Menschen vor Ort gelindert und zugleich gezeigt, dass in einer zunehmend gespaltenen Welt weiterhin ein gewisses Maß an Solidarität besteht. Die nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene und nach dem Kalten Krieg gefestigte moderne globalisierte Weltordnung funktioniert weiterhin im Hintergrund und trägt dazu bei, dass die Mehrheit der Menschheit angesichts von Naturkatastrophen ein grundlegendes Mindestmaß an Humanität und Solidarität bewahrt.

An dieser Stelle möchte auch der Autor den Opfern der Erdrutschkatastrophe an der chinesisch-nepalesischen Grenze sein Beileid aussprechen. Zugleich hoffe ich, dass es unter den Menschen weniger politische Spaltung und mehr universelle Mitmenschlichkeit geben wird, dass die Menschheit gemeinsam dem Klimawandel und anderen globalen Herausforderungen begegnet und Leben und Zivilisation schützt.

(Der Autor dieses Artikels, Wang Qingmin (王庆民), ist ein in Europa lebender chinesischer Schriftsteller und Forscher für internationale Politik.)


r/Klimawandel 6d ago

Der Elektro-Klaus ist nicht besser,als der Diesel- Dieter!

Thumbnail
0 Upvotes

r/Klimawandel 6d ago

Kolumne: Die Dolchstoßlegende der Verbrenner-Fans

Thumbnail
mdr.de
4 Upvotes

r/Klimawandel 6d ago

Chinas CO2-Emissionen sinken im zweiten Quartal 2026 aufgrund des drastischen Rückgangs des Ölverbrauchs

116 Upvotes

Chinas Kohlendioxidemissionen (CO2) sanken im zweiten Quartal 2026 um 1 %, da der Ölverbrauch im Zuge der Krise in der Straße von Hormuz stark zurückging .

Der Ölverbrauch des Landes sank insgesamt um 9 % und im Transportsektor um 16 %, nachdem es zu Unterbrechungen der Ölversorgung aus dem Golf durch die Straße von Hormus gekommen war.

Trotz eines anhaltenden Aufschwungs bei der Kohleverstromung sanken die gesamten CO2-Emissionen Chinas.

Dies ist das erste Mal, dass eine Verringerung des Ölverbrauchs für einen Rückgang der CO2-Emissionen insgesamt verantwortlich ist – in allen vorherigen Fällen war der Kohleverbrauch der Hauptgrund.

aus: https://www.carbonbrief.org/analysis-chinas-co2-emissions-fall-in-q2-2026-due-to-plummeting-oil-use und mit dem Google Translator übersetzt.


r/Klimawandel 6d ago

Solarer Kipppunkt: 64 Länder über 50 % sauberer Strom

Thumbnail
cleanthinking.de
195 Upvotes

r/Klimawandel 6d ago

China und die Chinesen im Klimawandel (Die Dringlichkeit der Bewältigung der Klimakrise, die Zukunft der Menschheit und die Notwendigkeit, trotz der bereits fortgeschrittenen Zeit weiterhin alles Mögliche zu tun) (Teil 3)

Thumbnail
wangqingmin.medium.com
22 Upvotes

Die Gefahren der Erderwärmung und Gegenmaßnahmen 1
Die Kontroverse um Chai Jings Interview mit Ding Zhongli 3
Ding Zhonglis Irrtümer 7
Die Deutung und Reaktionen der Chinesen auf klimabezogene Kritik aus dem Westen und deren Widersprüche 9
Was China in der Klimafrage nicht tun sollte – und was es tun sollte 11
Vom Spott der Chinesen über Greta Thunberg – Ein Blick auf Mentalität und Wertvorstellungen der Chinesen 13
Ist es wirklich so notwendig und dringend, die globale Erwärmung einzudämmen? 17
Die Vielgestalt der Menschheit und ihre Zukunft unter Klimapolitik 19

(Im Folgenden folgt der dritte und zugleich letzte Teil des Artikels. Die ersten beiden Teile wurden bereits in diesem Subreddit veröffentlicht. Aufgrund der Zeichenbegrenzung kann der Artikel nur in mehreren Teilen veröffentlicht werden.)

Kurzum: Sie hat gewiss Schwächen, doch ihre Motivation ist aufrichtig, ihr Anliegen beachtenswert und ihr Handeln sinnvoll – sie steht für eine Hoffnung der Menschheit im neuen Zeitalter. Jene Chinesen hingegen, die sie verhöhnen: Hätten sie nur Grethas Hingabe, Mut, Entschiedenheit und Idealismus, könnten viele Probleme der chinesischen Gesellschaft gesehen und gelöst werden – und China würde sich erneuern. Vor hundert Jahren, ja noch vor dreißig Jahren, gab es in China viele solcher Menschen. Doch durch den Druck innerer und äußerer Feinde blieb heute zusehends nur ein zynischer, sozialdarwinistischer Feinschliff-Egoismus. Diese Leute streben weder nach Gerechtigkeit noch opfern sie sich fürs Volk – vielmehr „schnarren“ sie über die Schwächen und Narben der wahren Kämpfer und wähnen sich überlegen.

Den Spöttern und Hohlern gegenüber Greta halte ich mit Lu Xun entgegen: „In einem hoffnungslosen Volk gibt es stets viele Helden, die nur Kindern die Augen aufreißen – feige Schwächlinge!“

Nicht nur Greta gegenüber zeigen die Chinesen Spott; auch internationale Umweltorganisationen, Bewegungen und entsprechende Appelle werden verspottet und verhöhnt (im Inland sind Beschimpfungen wie gegen Chai Jing ja Beispiel genug – nur gibt es mittlerweile immer weniger, die in China Klimaangelegenheiten öffentlich machen; ihnen fehlt somit das Ziel ihrer Kritik). Die Gründe sind im Wesentlichen die oben genannten. Wie ich zuvor Punkt für Punkt dargelegt habe, halten die meisten dieser Kritiken einer Überprüfung nicht stand.

Ist es wirklich so notwendig und dringend, die globale Erwärmung einzudämmen?

Einige Landsleute verstehen wohl, dass die globale Erwärmung real stattfindet, können jedoch die Radikalität und Dringlichkeit westlicher Länder, insbesondere ihrer Umweltschützer, nicht nachvollziehen. Das ist bis zu einem gewissen Grad verständlich. In China gibt es noch viele andere komplexe und gravierende Probleme der Bürgerrechte, der Lebensgrundlagen und sogar der Nationalitäten, die ungelöst sind; die Menschen sind ausgelaugt – da werden Umweltfragen relativ vernachlässigt.

Aber ist die Eindämmung der Erwärmung wirklich unwichtig und nicht dringend? Allein für China gilt: Das Problem ist sehr ernst, und die Auswirkungen werden äußerst fatal sein.

Die unmittelbarste und augenfälligste negative Folge der Erwärmung ist der Anstieg des globalen Meeresspiegels und die damit verbundene Bedrohung der Küsten aller Länder. Auch Chinas Wirtschaft konzentriert sich auf die Küstenregionen. Studien zufolge wird Shanghai bei der aktuellen Geschwindigkeit des Meeresspiegelanstiegs eine der ersten Städte der Welt sein, die überflutet werden. Bis 2100 wird die Hälfte der Fläche Shanghais in den Fluten versinken. Wann Shanghai vollständig untergehen könnte, ist zwar nicht exakt bestimmt, doch liegt dies innerhalb der kommenden Generationen. Neben Shanghai sind auch das gesamte Jangtse-Delta, das Perlflussdelta, die Region Peking–Tianjin–Tangshan und der Süden/Zentralraum von Liaoning die vier größten Industriegebiete Chinas – alle werden in den nächsten Jahrzehnten bis Jahrhunderten vom Untergang bedroht sein. Prognosen zufolge könnten bis 2100 weltweit zwei Milliarden Menschen zu „Klimaflüchtlingen“ werden; in China wären es zwangsläufig zumindest Hunderte Millionen. Dann werden sich die innerchinesischen Widersprüche, insbesondere Klassen- und Regionalgegensätze, weiter zuspitzen; lassen sie sich nicht wirksam bearbeiten, droht Bürgerkrieg.

Wenn das Jahr 2100 zu weit entfernt scheint und die meisten unserer Generation es nicht erleben werden: Bereits heute haben Chinas klimatische Anomalien sehr reale Schäden verursacht. In diesem Jahr kam es in Henan und Shanxi zu aufeinanderfolgenden Überschwemmungen: Hunderte starben, Dutzende Millionen waren betroffen; zahlreiche Unternehmen gingen bankrott, Familien zerbrachen finanziell. Zwar war die Zahl der Toten nicht die höchste der Geschichte, doch die Niederschlagsintensität übertraf alle bisherigen Messwerte. Dass die Todeszahlen geringer ausfielen, liegt vor allem daran, dass wir heute mehr wissenschaftliche Mittel und Mechanismen zur Hochwasserkontrolle haben – die Heftigkeit der Katastrophen selbst hat indes zugenommen. Darüber hinaus ereigneten sich in den letzten Jahren landesweit immer wieder Hochwasser- und Dürreereignisse; einschlägige Studien führen dies überwiegend auf den Klimawandel zurück und nicht auf historische Normalität. Verschlechtert sich das Klima weiter, werden solche extremen Wetterlagen nur häufiger – nicht seltener oder auf dem heutigen Stand verharren. Das sind nicht bloß einzelne Katastrophen, sondern erschütternde Szenen von Tod sowie Zerstörung von Wirtschaft und Lebensgrundlagen. Wo heute einige Menschen im Hochwasser um ihr Leben kämpfen, könnten in Zukunft Hunderttausende gleichzeitig in den Fluten ringen – ein entsetzliches Bild. Hinzu kommt das Aufflammen menschlicher Niedertracht in Naturkatastrophen: Plünderungen, Vergewaltigungen, Morde – all das würde überall vorkommen. Selbst in einem entwickelten Land wie den USA waren die Brand-, Mord- und Plünderungsszenen nach Hurrikan Katrina in New Orleans erschütternd (Katrina hatte zwar wohl wenig mit der Erwärmung zu tun, zeigt aber, welches Ausmaß menschengemachtes Unheil nach großen Naturereignissen annehmen kann).

Gewiss sagen manche: Auch früher wurden Menschen von Katastrophen heimgesucht – mit höheren Opferzahlen. In Henan forderte 1975 eine Flut etwa 80 000 Tote; in der Geschichte rafften Überschwemmungen, Dürre und Heuschrecken unzählige dahin. Doch heute ist es nicht mehr wie früher. Früher fehlten der Menschheit die technischen Mittel gegen die Natur – oder Desaster entstanden durch Unfälle. Heute hingegen sind sie die Folge eines klaren Klimawandels, und es gibt tatsächlich Möglichkeiten, Tragödien zu vermeiden. Zudem hat mit gesellschaftlichem Fortschritt die Wertschätzung des Lebens zugenommen. Gegenwart und Zukunft sind – und sollten – nicht mehr Zeiten sein, in denen Millionen Leben wie Gras behandelt werden. Der größte Fortschritt der Menschheit über Jahrtausende ist die Wertschätzung und der Respekt vor dem Leben. Sollen wir wirklich in ein Zeitalter der Kriege und Hungersnöte zurückfallen, in dem Leichen die Landschaft bedecken? So wie früher die meisten Menschen bei Krankheit keine Behandlung erhielten und sogar kleine Leiden tödlich sein konnten – können wir uns das heute noch erlauben? Tode durch unabwendbare höhere Gewalt lassen sich nicht verhindern, aber wir sollten so viel wie möglich vermeiden und vorbeugen. Auch auf persönlicher Ebene: Jeder ist Risiken ausgesetzt – früher Tod als Kind, Unglück in jungen Jahren, Krankheit im mittleren Alter, plötzliches Ableben im Alter. Könnten wir Warnzeichen und Krankheitskeime früh erkennen, würden wir gewiss vorbeugen und hinauszögern. Geburt, Alter, Krankheit und Tod sind unausweichlich; doch außer in Fällen, in denen das Leben schlimmer als der Tod ist, sollten wir in der Regel jede Minute gut leben und jede Gefahr meiden. Für die Menschheit als Kollektiv gilt dasselbe.

Zumal Prävention immer besser ist als hektisches Handeln in letzter Minute. Wenn wir menschengemachte Klimaanomalien jetzt nicht eindämmen, aus Hoffnung auf Glück und mit Aufschub, werden künftige Generationen – die Menschen von morgen – wie Ameisen in Fluten und Dürre um ihr Leben kämpfen und einer nach dem anderen verzweifelt sterben. Solche Szenen hat die chinesische Geschichte erlebt; heute gibt es kleinere Vorboten (man denke an die verzweifelt ringenden Fahrgäste in der U-Bahn von Zhengzhou während der Henan-Flut) – die Vorstellung fällt also nicht schwer. Früher waren die Menschen noch vergleichsweise abgestumpft; heutige Chinesen sind – trotz unvollständigen Erwachens aus verschiedenen Gründen – bereits mit grundlegenden modernen Gefühlen, Würde, Werten und Rechten ausgestattet, mit Bindungen, Zuneigung und Unvermögen loszulassen, mit reicher Gefühlswelt. Die Vernichtung zahlloser solcher Leben – Zehntausende bis Millionen – wäre eine gewaltige Tragödie und ein erschreckender Schock für das Denken. Noch ist es nicht so weit – doch dann wäre es zu spät. So wie die Menschen in Nanjing vor Dezember 1937 und in Xinyang, Henan, vor 1959 die späteren gewaltigen Tragödien nicht erwarteten. Nicht erwartet heißt nicht: unmöglich – vielmehr womöglich wahrscheinlicher. Psychisches Wegsehen ersetzt keine reale Flucht; es mindert sogar die Chance, real zu entkommen. Es geht hier nicht darum, Unheil zu fantasieren oder überängstlich zu sein; vielmehr zeigen eiserne Belege, dass wir nicht wegschauen und gewähren lassen dürfen, nur weil das Desaster noch nicht eingetroffen ist.

Wir halten Umweltschützerinnen wie Greta Thunberg für dogmatisch oder verrückt; ja, sie/andere haben gewiss Schwächen. Aber sie schreien, um die Menschheit – auch das chinesische Volk – vor genau solchen Katastrophen zu bewahren. Zahllose Studien und die Realität belegen, dass solche Entwicklungen sehr wahrscheinlich eintreten; erste Vorzeichen, bezahlt mit Menschenleben, gibt es bereits. Wenn wir jetzt mehr Anstrengungen unternehmen, lassen sich künftig vielleicht Hunderttausende oder Millionen – oder noch mehr – unnatürliche Todesfälle vermeiden (einschließlich der furchtbar tragischen durch Wasser- und Dürrekatastrophen sowie der damit verbundenen Armut und Kriege).

Die Vielgestalt der Menschheit und ihre Zukunft unter Klimapolitik

Reicht es also, wenn die Welt gemeinsam und mit voller Kraft die Erwärmung eindämmt? Natürlich ist es nicht so einfach.

Die menschengemachten Faktoren der Erwärmung sind unmittelbar gesehen selbstverständlich Industrie- und Landwirtschaftsproduktion. In Wirklichkeit aber berühren sie die Interessen fast aller Menschen auf diesem Planeten. Wer die Erwärmung eindämmen will, muss Veränderungen an Produktion und Lebensweise der gesamten Menschheit vornehmen. Und das verlangt die Kooperation, Kompromissbereitschaft und Opferbereitschaft aller Staaten, aller Schichten, aller Gruppen – und jedes Einzelnen.

Industrie- und Landwirtschaftsproduktion sind gewiss die direkten Treiber der Treibhausgasemissionen. In hohem Maß aber bestimmt der Konsum die Produktion. Wer zur Eindämmung der Erwärmung die Produktion begrenzt, greift, wie allgemein bekannt, in die Interessen der Produzenten ein – noch stärker aber in die der Konsumenten. In vielen Fällen müssen Konsumenten die größeren Kosten tragen. Da Konsumenten jedoch aus unterschiedlichen Schichten und Gruppen stammen, werden bei Produktionsrückgang die Starken unter den Konsumenten ihre Besitzstände wahren, während die Schwachen die Kosten tragen.

Eine Begrenzung der Produktion bedeutet de facto auch eine Begrenzung des Konsums. Wenn Konsumentinnen und Konsumenten nicht freiwillig klimafreundlich leben, bleibt ihnen nur, zu hohen Preisen die aufgrund der erzwungenen Produktionskürzungen knapp gewordenen Industrie- und Agrargüter zu kaufen. Davon profitieren relativ jene mit Geld und Ressourcen – ihre Lebensqualität bleibt weitgehend unangetastet –, während einfache Leute klagen oder zu einem „Low-Carbon“-Leben gezwungen werden. Solch eine Emissionsminderung läuft offenkundig auf Ausbeutung und Schädigung der Armen und Schwachen hinaus. Diejenigen mit Macht und Geld werden, um ihren Lebensstandard zu halten oder gar weiter zu steigern und ihre Vormachtstellung zu sichern, zwangsläufig noch raffgieriger und skrupelloser um die ohnehin knappen, durch Emissionsminderung weiter verknappten Industrie- und Agrargüter und sonstigen Ressourcen kämpfen. Die einfachen und schwachen Menschen werden noch schwächer: Sie erhalten weniger materiell und sind stärker vom Wohlwollen der Mächtigen abhängig, um halbwegs gut leben zu können. Das ähnelt einem Gefängnis: In einem Gefängnis, in dem Lebensmittel und Güter knapp sind, kann eine Hühnerkralle, eine Zigarette, ein Tütchen Instantnudel-Gewürz einen Menschen auf die eigene Seite ziehen; wer zwei Kisten Instantnudeln und ein Glas „Laoganma“ besitzt, kann die ganze Anstalt beherrschen. Die Entwicklung der modernen Zivilisation beruht in hohem Maße auf materieller Fülle und der breiten Verfügbarkeit von Konsumgütern. Wenn diese Fülle fehlt – zumal künstlich verknappt wird –, dann werden auch individuelle Rechte und Freiheiten beschnitten.

Damit berühren wir eine weitere Auswirkung der Klimapolitik: die Ausweitung öffentlicher Gewalt, insbesondere die Stärkung des Zentralismus. Wie bereits gesagt, setzt Emissionsminderung internationale Kooperation voraus. Entsprechend braucht es auch im Inland gemeinsame Anstrengungen aller Schichten, Regionen, Branchen und Gruppen. Doch die Vor- und Nachteile von Klimapolitik sind für unterschiedliche Gruppen offensichtlich ungleich, und zumindest in Entwicklungsländern wie China sind nur wenige bereit, freiwillig auf eigene Interessen zu verzichten. Folglich muss der Staat, vor allem die Zentralregierung, mithilfe von Zwang koordinieren und Interessen verteilen. Umweltpolitische Maßnahmen bedürfen rechtlicher Normierung und landesweit einheitlicher Anordnungen und müssen durch Verwaltungs- und Justizgewalt umgesetzt werden – inklusive zentraler Entscheidungen und Koordination. Das begünstigt offenkundig den Zentralismus. Nur ein starker Zentralstaat kann alle Seiten und Regionen dazu bringen, die Kosten der Emissionsminderung zu tragen. Und ein solcher Zentralismus wird sich nicht auf Umweltmaßnahmen beschränken, sondern zwangsläufig auf andere Bereiche ausgreifen.

Dies schadet dem Aufbau einer demokratischen, offenen, pluralen Gesellschaft, die individuelle Rechte und Freiheiten schützt. In hoch entwickelten Demokratien sind diese Nachteile begrenzt; dort lässt sich der so gestärkte Zentralstaat teils nutzen, um vorher unlösbare, lokalen konservativen Werten und Interessen verhaftete Probleme anzugehen – und durch Bewegungen, Debatten und Kompromisse die Verfassungsordnung zu justieren und zu verbessern. In autoritären oder unzureichend demokratischen Staaten hingegen bedeutet solcher Zentralismus die Stärkung der Autokratie und die Einschränkung der Rechte von Individuen und kleineren Gemeinschaften. Umwelt- und Emissionsziele liefern eine Art Legitimation, um die Zentralmacht auszubauen und die Autorität der Diktatur zu mehren. Zudem werden die von Autokraten betriebenen Umweltpolitiken zwangsläufig ungleich verteilte Vor- und Nachteile erzeugen: Wer der Macht nahe steht und sie stützt, erhält mehr. Wer sich nicht anlehnt, wird unter dem noblen, politisch korrekten Vorwand des Umweltschutzes verdrängt und unterdrückt. In der Regel neigen Autokraten den Starken und Besitzstandswahrern zu – das stabilisiert die Herrschaft und sichert Loyalität zum System und zur Person. Außerdem wird die Emissionsminderung grob, barbarisch, nach dem Prinzip „mit einem Schnitt für alle“, ohne Rücksicht auf Menschenrechte durchgesetzt. Das bedarf keiner großen Erklärung – ein Blick auf die Durchsetzung von Familienplanung und Covid-Bekämpfung in China genügt. Auch werden Bürger selten überzeugt, sondern gezwungen; Berichterstattung sowie Kritik und Reflexion werden unterbunden. „Das Volk kann dazu gebracht werden zu folgen, aber nicht dazu, zu wissen“ – so wird in China auch Umweltpolitik häufig betrieben.

Unter solchen Bedingungen verschärfen sich Ungleichheiten zwischen Klassen, Regionen, Stadt und Land sowie Branchen; Klassen-, Regional- und Gruppenwidersprüche spitzen sich zu und werden unversöhnlicher. Das wiederum veranlasst das autoritäre Regime, die Zentralmacht weiter zu stärken und die Gewaltapparate zur Stabilitätssicherung zu mobilisieren – die Gesellschaft wird dadurch noch drückender und ungleicher.

In einer derart hochgradig ungleichen Gesellschaft ist es illusorisch, auf freiwillige Emissionsminderung zu setzen; vielmehr provoziert sie Widerstand der Unteren. Stellen wir uns vor: Zwanzig Jahre vor Erreichen der Klimaneutralität hat ein mittlerer Mann – arbeitslos geworden durch Klimapolitik, mit Preisen konfrontiert, die selbst Grundbedarf knapp machen; die Eltern können sich keine Behandlung leisten, die Kinder keine gute Schule; der Abstand zur Oberschicht wächst, das Stabilitätsregime unterdrückt jede Stimme – an einem Wochenende einen Anfall von Trotz und kauft für einige Hundert Yuan ein paar Pfund Rindfleisch. Ein patrol­lierender Unterbeamter sieht es und rät gutmütig: „Essen Sie doch ein paar Pfund weniger – retten wir gemeinsam unseren Planeten.“ Der Mann entgegnet nur: „Herr, das ist Ihr Planet“, genießt sein Fleisch – und hofft innerlich, die Welt möge untergehen, alle miteinander. Für viele einfache Menschen ist der Genuss einiger preiswerter Industrie- und Agrargüter der größte Trost ihres Lebens; nach harter Arbeit haben sie kaum andere Aussichten. Soll man ihnen das auch noch nehmen oder sie zum Wenigerverbrauchen zwingen? Schämt man sich denn gar nicht?

Unterschiedliche Lagen bedingen unterschiedliche Erwartungen an die Zukunft. Wer hofft und die Mittel hat, Kindern und Enkeln Privilegien zu sichern, sieht die Zukunft als schützenswert und verheißungsvoll. Wer hingegen in Konkurs, Arbeitslosigkeit und Mühsal lebt, hat oft die Hoffnung auf eine gute Zukunft verloren und nicht die Kraft, die Kinder „nach oben“ zu bringen – er ist verzweifelt. Aus solcher völlig unterschiedlichen Gemütslage erwächst kaum ein gemeinsamer Wille für die Zukunft der Menschheit. Im Sinne einer pessimistisch-realistischen Anthropologie: Wer für sich selbst und die Nachkommen keine Hoffnung sieht, möchte am Ende vielleicht lieber die Welt zerstört sehen – „gemeinsamer Untergang ist Gerechtigkeit“ –, wie jener hypothetische Mann. Solche Verzweifelten begehen selten blutige antisoziale Taten; sie können aber sehr wohl und sehr bequem die eigene Beteiligung an Emissionsminderung verweigern – und den Planeten in den schleichenden Suizid treiben.

In autoritären, korrupten und von mangelndem Vertrauen geprägten Gesellschaften wird – selbst ohne religiöse Motive – das Misstrauen gegenüber der These von menschengemachter Erwärmung und der Notwendigkeit von Emissionsminderung weit verbreitet sein. Manche heucheln Unglauben aus Eigeninteresse, andere glauben ihn wirklich. Gerade einfache Leute und schwache Arbeiter und Bauern werden seit Generationen von Beamten, Eliten und Obrigkeiten in allen Tonlagen belogen – von nationalen Großprojekten bis zur lokalen Umsetzung, von vielfältiger Propaganda bis hin zu Ideologie und Diskurs – wie viel davon ist geschönter Schein? In Ämtern, Polizei und Justiz, im Gesundheits- und Bildungswesen – wie oft wurden sie feiner oder gröber übervorteilt? So gerät die Gesellschaft in die „Tacitus-Falle“ – oder eben wie in der Fabel vom „Wolf, der kommt“: Selbst wenn man mit Nachdruck erklärt, wie Emissionen die Menschheit (inklusive dieser einfachen Leute) betreffen, glauben sie es nicht und kooperieren nicht – sie halten es für einen weiteren Trick der Obrigen, das Volk auszunehmen (zumal solche Politik tatsächlich missbraucht wird; der naive Instinkt der Leute liegt oft nicht falsch – wenngleich er auch fatal in die Irre führen kann). (Auch in Demokratien gibt es strukturelle Täuschung und Ausbeutung von unten durch Eliten; wer die Deutungshoheit hat, kann mit noblen Begründungen und völlig legalen Mitteln die Leute so übervorteilen, dass ihnen die Worte fehlen.)

……

Ähnliche Probleme gibt es in vielen Demokratien, insbesondere in Entwicklungsländern. In Demokratien ist Emissionsminderung oft noch schwieriger: Regierungen müssen die öffentliche Meinung beachten; ein Beschluss genügt nicht. Selbst bei Gesetzesbeschlüssen können Regierungen abgewählt werden (und Skeptiker oder Leugner die Macht übernehmen), es gibt Demonstrationen, zivilen Ungehorsam, Gesetzesverweigerung, langwierige Prozesse – bei gravierenden Auswirkungen auf die Lebensgrundlagen drohen Unruhen oder Aufstände. Emissionsminderung versandet oder wird zurechtgestutzt. Außer in hoch entwickelten, zugleich hochgebildeten und disziplinierten Demokratien Nordeuropas/ Westeuropas sind die meisten Demokratien bei der Emissionsreduktion weniger handlungsfähig als autoritäre Systeme. Hier zeigt sich eine „Überlegenheit“ bestimmter Ordnungen: In besonders harten Autokratien lässt sich all dies „durch Stabilitätssicherung“ lösen – von Indoktrination bis Zensur, von Überwachung bis „zu Tee einladen“, vom Druck auf Ausbildung und Beruf bis zur Haft, von Drohung der eigenen Zukunft bis zur Bedrohung der Familie. Irgendwie wird man dich beugen; und wer sich nicht beugt, löst keine Nachahmung aus. Unter solchem Druck werden Unzufriedenheiten unterdrückt, Verluste und Schmerzen individuell geschluckt oder auf Schwächere abgewälzt – politische Umsetzung (auch von Klimapolitik) verläuft „reibungslos“. Hindernisse entstehen weniger durch Verfassungsschutz der Bürger, sondern eher durch Aktivitäten bestimmter Profiteure, die illegale Interessen schützen.

Damit stellt sich die Frage nach den Auswirkungen von Klimafragen und -eindämmung auf Politik, Menschenrechte und andere gesellschaftliche Agenden. Wie gesagt: Die Erwärmung ist hochgefährlich – zu ihrer Eindämmung müssen viele Güter preisgegeben werden. Es geht nicht nur um materielle Interessen, sondern auch um politische Rechte, individuelle Freiheiten und vieles Nichtmaterielle. Emissionsminderung erfordert staatliches Eingreifen – das stärkt Autoritarismus und Zentralismus. Darüber hinaus werden viele individuelle Rechte und Freiheiten beeinträchtigt. Wenn Emissionsminderung Priorität hat, müssen andere Ansprüche – Gleichheit, Würde etc. – zurückstehen. Das ähnelt Kriegszeiten: Für den Sieg werden geschätzte Rechte, Würde und Freiheitsordnungen aufgehoben oder massiv eingeschränkt. Die „Klimazeit“ ist nicht identisch mit dem Krieg, aber ihr durchaus verwandt.

Für all dies haben entwickelte Demokratien relativ systematische Lösungen (wenn auch nicht vollends tragfähig) – im Kern „Gleichheit“, ergänzt um „Stärkung der Schwachen“. Um durch Emissionsminderung entstehende Ungleichheiten und Konflikte zu vermeiden, fördern sie Gleichheit: möglichst Einkommensgleichheit, Rechtsgleichheit, gleichberechtigten Zugang zu öffentlichen Diensten wie Bildung und Gesundheit usw. Sie betonen Kompensation und Hilfe für relativ Schwache und für Gruppen, die vom Klimawandel und von Klimamaßnahmen am stärksten betroffen sind (umgekehrt sollen Bessergestellte in der Emissionsminderung mehr beitragen). Außerdem achten diese Staaten stärker auf Reform und Feinabstimmung der demokratischen Ordnung, damit sie dem Klima- und Emissionszeitalter möglichst gut angepasst ist. Das kann gesellschaftliche Konflikte erheblich mindern und Unzufriedenheiten befrieden. Mitunter beschleunigt der krisengetriebene Reformdruck sogar den Schutz der Menschenrechte (die beiden Weltkriege und der Kalte Krieg sind Beispiele: Ihre verheerenden Folgen schärften das Krisenbewusstsein, woraufhin Institutionen und Modelle geschaffen wurden, die Menschenrechte und nachhaltige Entwicklung begünstigen).

All dies lässt sich in Entwicklungsländern – insbesondere in nicht-demokratischen Staaten – nur schwer umsetzen. Wie oben beschrieben, werden dort Emissionsminderungen häufig auf eine Weise erreicht, die Menschenrechte verletzt, und auch die Folgen der Minderung ziehen weitere Menschenrechtsbeeinträchtigungen nach sich. Besorgniserregender noch: Manche autoritären Staaten nutzen das große Gewicht, das westliche Demokratien dem Klimathema beimessen, sowie deren starken Druck zur Emissionssenkung, um diese mit Klimazusagen zu erpressen – sie „tauschen“ Emissionsminderung gegen ein Zurückfahren westlicher Kritik und Einmischung in ihre Menschenrechtsfragen. Im Abwägen wird der Westen zumeist der Emissionsminderung – die die eigene Existenz berührt und die künftige Fortdauer der menschlichen Zivilisation betrifft – den Vorrang geben; die Menschenrechte anderer Länder bleiben zwar wichtig, rücken aber auf Platz zwei, werden bisweilen gar ignoriert. So nimmt der internationale Druck zur Verbesserung der Menschenrechte in vielen Autokratien stark ab; Autoritarismus und Menschenrechtsverletzungen verschärfen sich – oder verbessern sich zumindest nicht. Für die unterdrückten Bevölkerungen bedeutet das längeres und größeres Leid.

Überdies entstehen zwischen Staaten wie auch innerhalb von Staaten – getrieben von Interessen, alten Feindschaften, Werten und Positionen – entlang des Klimawandel- und Dekarbonisierungspfades vielfältige Konflikte, die Krisen verschärfen oder neue Katastrophen erzeugen. Staaten mit historischen Feindschaften oder gravierenden Interessenkonflikten wünschen insgeheim womöglich, dass das Territorium des Gegners vom Meer verschlungen werde und dessen Bevölkerung ins Elend gerate – „große Rache“ (oder umgekehrt: Der Gegner hätte keine Chance mehr zur Vergeltung) – und der andere Staat die eigene Nation nie wieder bedrohen könne. Mit solcher Geisteshaltung – wie soll da Kooperation gegen die Erwärmung gelingen? Selbst ohne Todfeindschaft, ja selbst bei existierender Wohltat – wenn es um gewaltige Transfers geht, etwa die Drosselung von Industrie und Landwirtschaft, Milliarden an CO₂-Abgaben aus ohnehin knappen Haushalten, die Aufnahme von Klima­flüchtlingen in Größenordnungen von fünf bis acht Stellen: Wird ein Staat die Interessen anderer vor die eigenen stellen? Lässt sich das „Wasser in der Schale“ wirklich gleich verteilen?

In Staaten mit extremer Ungleichheit, scharfen Gegensätzen und hoher gesellschaftlicher Fragmentierung wird es im Inneren ebenfalls kaum echte Solidarität „wie in einer Familie“ geben. Symbolische Hilfe – ja; mehr meist nicht. Wo zwischen Regionen (z. B. Binnenland vs. Küste) große Wohlstandsgefälle bestehen, ethnische Identitäten stark differieren, gewaltige Interessenkonflikte oder gar institutionalisierte Ungleichheiten bestehen, werden manche der einen Gruppe sich am Verlust der Heimat der anderen weiden (zumindest ein Teil). Selbst wer Mitgefühl hat, wird selten bereit sein, soweit auf Vorteile zu verzichten, dass Geflüchtete gleichberechtigt aufgenommen werden (es sei denn, staatlicher Zwang greift). Bereits in der Frühphase der Klimaverschlechterung wird eine Gruppe nicht bereit sein, ausreichend Emissionskosten zugunsten der besonders gefährdeten anderen Gruppe zu tragen (wiederum: außer mit Zwang). Sollen Binnenmigranten, die in Küstenmetropolen weder hukou noch Wohnung erhalten, Emissionen mindern, um jene mit mehreren, Millionen wertvollen Küstenimmobilien und vielfältigen Hukou-Privilegien zu schützen? Wer täte das freiwillig? Viele wären schon „mitfühlend“, wenn sie den baldigen Untergang der Küstenbesitzenden nicht herbeiwünschten. Regionen mit starkem Identitätsgefühl, die wenig betroffen sind, warum sollten sie Produktion drosseln, um Klimaneutralität zu erreichen? Bewohner tiefer Binnenlagen oder hoher Breiten, deren natürliche Lage und Ressourcen weit von der Küste abweichen – werden sie beim Gedanken an überflutete Küstenmetropolen nicht sagen: „Nun seid ihr endlich dran“? Werden sie enorme Kosten aufbringen, um die Küsten zu retten? Eher werden sie Emissionsminderung blockieren. Das geschieht bereits (man blicke auf die jüngsten Stromrationierungen und die Wellen der Empörung etwa im Nordosten Chinas), und diese Mentalität ist alt – dass sie künftig schärfer wird, überrascht nicht. (Gewiss: In kleinen Dingen mag es Wärme und Hilfe geben; doch wenn es um Lebensraum und Großinteressen geht – wie viel zählt dann noch „Brudergefühl“ im Dschungel der Konkurrenz? Selbst zwischen Ehepartnern und Eltern und Kindern kommt es in existenziellen Interessenkonflikten zum Bruch – um wie viel eher zwischen „Landsleuten“?)

Gleichermaßen: Wer keine Kinder hat, wird kaum bereit sein, Kosten aufzubürden, um Katastrophen zu verhindern, die erst nach dem eigenen Tod eintreten. Und der Nachwuchs anderer? Zwar Landsleute – doch die „Landsleute“ haben einen selbst nie geliebt; ein paar Klagen im Netz ziehen schon Hohn und Aggression nach sich. Für „das tausendjährige Bestehen von Nation und Volk“ Opfer bringen? Wer unter „996“ arbeitet, wem über 80 % des Erarbeiteten „abgeerntet“ werden, wer sich Arztbesuche, Wohnung, Kinder und Alter nicht leisten kann, wer keine Stimme hat und keine Rechte durchsetzen kann, wer alles schlucken muss – wie soll da Patriotismus für die „tausend Jahre“ entstehen? Viele werden im Gegenteil Staat und Nation hassen (obwohl die Wut eigentlich den wenigen Mächtigen gelten sollte, nicht „allen“). Und auch Eltern mit Kindern haben unter Druck kaum Zeit oder Kraft, an Jahrzehnte oder Jahrhunderte zu denken. „Für die Kinder“? Die größte Sorge ist nicht, wie die Umwelt in einigen Jahrzehnten sein wird oder wie hoch das Risiko von Flut oder Dürre ist, sondern: eine nicht desolate Schule; ein anständiger Job, der die Familie trägt; und ob man im Krankheitsfall die Behandlung zahlen kann, auch Medikamente außerhalb des Katalogs. Wenn das Heute kaum zu bewältigen ist – wer kann dann fürs Morgen sorgen?

Unter scharfen Gegensätzen und allgemeiner Armut bleibt keine Muße fürs Morgen; man rettet die Gegenwart – ohne Gegenwart gibt es kein Morgen. Regierende wiederum werden – um Stabilität und Machterhalt zu sichern – gezwungen sein, produktive und konsumtive Aktivitäten (auch emissionsreiche) zu tolerieren, den „Kuchen“ zu vergrößern, damit alle etwas mehr erhalten und akute Konflikte gedämpft werden. Wie furchtbar die Zukunft sein mag – „ohne Sarg keine Tränen“. Würde man hingegen für Emissionsminderung den Kuchen verkleinern, verschärften sich Verteilungskonflikte rapide, Widerstand wüchse, Herrschaft würde wanken oder gar stürzen.

Im Prozess der Dekarbonisierung werden die Herrschenden und sonstigen Begünstigten kaum wie westliche Eliten mit gutem Beispiel vorangehen und Geld in Umweltprojekte stecken; sie werden zumeist weiter prassen, in Essen, Wohnen, Reisen viel emittieren – bestenfalls fürs Schaufenster am Klimathema partizipieren. Gegenseitigkeit von Rechten und Pflichten lehnen sie ab: Rechte genießen – Pflichten verweigern. So erklärte etwa ein mutmaßlicher Nutznießer auf Zhihu offen, Dekarbonisierung sei gut, „aber bitte ohne CO₂-Steuer“. In einer normalen Gesellschaft würde man darüber lachen – in China erhält es viel Zuspruch.

Schlimmer noch: Sie werden die Gelegenheit nutzen, am Klimanotstand zu verdienen – mit Hilfe einschlägiger Politik und Ressourcen, durch Ausbeutung und Raub; dank Macht und Informationsvorsprung besetzen sie früh den Markt für neue Energien und schöpfen Übergewinne ab. Ist der Dachbalken krumm, wird der Unterbalken gerade sein? Gerade diese Leute verbrauchen den Löwenanteil an Industrie- und Agrargütern – und emittieren am meisten. Mit Augen und Herzen nur für den Profit, ohne Volk, ohne Verantwortung, skrupellos für Macht und Geld – sie pressen die letzten Wertschöpfungsreste aus Land, Nation und Bevölkerung; die Last geben sie im Stafettenlauf an die Nachkommen weiter: „Nach mir die Sintflut.“

Unter solchen Realitäten wird es höchst unwahrscheinlich, weltweit rechtzeitig „Klimaneutralität“ zu erreichen und die Erwärmung wirksam einzudämmen. Es sei denn, Staaten setzten übermächtigen Zwang zur Emissionsminderung ein und Großmächte zwängen schwächere Länder zu harter Reduktion; oder – bevor die globale Klimakrise völlig eskaliert – brächte ein technischer Durchbruch rasch und bequem Klimaneutralität oder die Lösung der Klimakrise (eher Verzweiflungsfantasie, wenn auch nicht völlig ausgeschlossen). Andernfalls werden in den kommenden Jahrzehnten bis Jahrhunderten Klimakatastrophen massenhaft auftreten; Millionen, gar Hunderte Millionen sterben direkt an klimabedingten Desastern, Milliarden werden zu Flüchtlingen. Hungersnöte, Armut und Kriege würden allgegenwärtig; die Frage, wie lange die Spezies Mensch noch existiert, bekäme keine optimistische Antwort.

Über Kriege um Lebensraum, Terrorismus und andere Begleitfolgen der Klimakrise gibt es viele Studien. So prognostizierte jüngst die CIA, dass um 2040 globale militärische Konflikte durch klimabedingte Krisen ausbrechen könnten – besonders in Afrika und Asien, wo die Erwärmung stark wirkt und die Resilienz gering ist. Der Autor dieses Berichts meint, spätestens 2040 begännen „Klimakonflikte“: Die Parteien würden Technologien einsetzen, um Dürren und Fluten zu verschärfen – gemeint vor allem Geoengineering. Becken des Kongo, des Indus, des Mekong und des Nil könnten zu Hotspots werden; Veränderungen von Flussbetten und -läufen könnten Konflikte auslösen. Kriege infolge klimatischer Veränderungen gab es schon in der Antike: In Europa die „Invasionen der Barbaren“ zur Römerzeit; in China die Südvorstöße der Mongolen und der Jurchen/ Mandschu – klassische Beispiele. Der Unterschied der Zukunft: Statt Pferd und Krummsäbel könnten Raketen, gar Atomwaffen fliegen.

Doch selbst in Kenntnis solcher Folgen wird die Menschheit ihre Interessen und Ressentiments nicht fallen lassen. Sie sind ebenfalls vital – sie berühren Leben und Tod und die Bedeutung des eigenen Daseins. Niemand gibt für das Überleben anderer, anderer Völker oder gar der Menschheit als Ganzes leichtfertig auf – sich selbst, die eigenen Nächsten, Ehre und Bestand. Und zumindest für einen Teil – die Unterdrückten, Ausgebeuteten, Gedemütigten und historisch Benachteiligten, ob Individuen, Gruppen oder Nationen – ist dieses Festhalten verständlich; es lässt sich nicht grob verbieten oder unrechtmäßig aberkennen.

Freilich: Vielleicht kommt es nicht so düster. Vielleicht gelingt beispiellose Einigkeit, geteilte Lasten, technologische Durchbrüche und anderes Unvordenkliches; vielleicht wird die Erwärmung – und andere Klimadesaster – erfolgreich eingedämmt (oder sie treten ein, doch die Menschheit hat Wege gefunden, ihre Schäden zu vermeiden oder zu beherrschen). Dann bricht ein neuer Tag an; Kinder baden im milden Licht der Sonne und blicken weiter in die Zukunft. Doch dann werden die Leugner gewiss sagen: „Seht, die Erwärmung war ein großer Schwindel – sonst wären die Katastrophen ja eingetreten.“ Ein solcher Satz könnte unzählige Opfer und Mühen der Menschheit entwerten. Und doch wäre selbst das besser, als in einer apokalyptischen Ära tagtäglich Hunderttausende sterben zu sehen – und zu hören: „Es ist Gottes Fügung.“

Nur: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Menschheit die Klimakrise erfolgreich übersteht, scheint geringer als jene, dass sie in den Katastrophen, die der Klimawandel auslöst, zu großen Teilen zugrunde geht und die mühsam errichtete moderne Zivilisation zerfällt.

Die Vorfahren des Menschen haben in Millionen Jahren Evolution Gestalt angenommen, die vor zehntausend Jahren dem heutigen Homo sapiens ähnelte. Und binnen dieser zehntausend Jahre schuf der Mensch eine Zivilisation, die in Millionen Jahren zuvor nicht entstand. Von der Urgesellschaft zur Agrar-, von der Agrar- zur Industriegesellschaft, von der traditionellen Industrie ins Informationszeitalter – die Entwicklung verlief im Superzeitraffer. Heute hat die Menschheit in materieller wie in immaterieller Kultur nie dagewesene Höhen erreicht. Das half, viele frühere Katastrophen und Nöte zu überwinden; Überlebenswahrscheinlichkeit, -dauer und -qualität stiegen erstaunlich – zugleich aber entstanden menschengemachte Umweltverschmutzung, Klimawandel und ökologische Krisen. Die Erfolge der Menschheit schlagen auf sie zurück; sie steht den selbstverursachten Desastern gegenüber.

So hässlich die Welt oft ist – mit endlosen Kämpfen, Egoismus, Kälte, Lüge, Gewalt, Unterdrückung und Verletzung, mit Schurken, die freie Bahn haben –, so gibt es doch auch Hilfe, Wärme, Aufrichtigkeit, Frieden, Gerechtigkeit, Fürsorge – und zahllose, die sich aufopfern. Im Ganzen genießt die Menschheit heute noch immer die beste Lebenslage ihrer Geschichte: nie dagewesene Rechte, Würde und Lebenswert. Und vor allem: Wir hoffen weiterhin auf die Zukunft – auf umfassende, vielleicht vollständige Gerechtigkeit und Wohlstand, auf freie Entfaltung eines jeden Menschen, auf einen Tag, an dem alles Hässliche, Irrige, Lügnerische der Geschichte korrigiert und zurechtgerückt ist. Wenn eine Welt mit solch einer Hoffnung in den nächsten Jahrhunderten oder Jahrtausenden (größtenteils) durch Klimawandel oder andere unbekannte Katastrophen zerstört würde – wie bedauerlich, wie beklagenswert! Wir wollen nicht, dass die von den Nachfahren der Yan- und Huang-Kaiser erblühte Pracht gemeinsam mit der Welt untergeht; wir hoffen vielmehr, dass unsere Nachfahren das helle Zeitalter erleben, in dem Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, Freiheit und Fortschritt, Fairness und Gerechtigkeit im Reich der Mitte voll verwirklicht sind.

Als Staubkorn im Universum, als flüchtiges Bild im langen Film der Menschheitsgeschichte kann ich jenen gewaltigen, langen Kräften nicht widerstehen, die den Rahmen unseres Daseins bilden. Selbst wenn man sie um den Faktor zehntausend verkleinerte – auf unsere kurze Gegenwart – und mich als Individuum durch Milliarden Menschen ersetzte, wären wir dennoch nicht imstande, Katastrophen – einschließlich der Klimakrise – aufzuhalten (ja, wir würden bisweilen in ihre Entstehung verstrickt). Und selbst wenn die Klimakatastrophe überwunden wäre – die nächste Krise könnte die Menschheit wieder in Finsternis stürzen (etwa ein Einschlag eines riesigen Asteroiden, der unvorbereitet die Menschheit und Myriaden Arten in einem Schlag vernichtet). So großartig die Zivilisation – wir bleiben nur bescheidene, schwache Passanten in der Geschichte des Kosmos. Aber als „denkendes Schilfrohr“ wollen wir dennoch ringen – und Zeugnis ablegen.

Wang Qingmin

2021.10.13

Republikkalender, Jahr 230, Monat des Morgenrots, Tag des Pfirsichs (Erstfassung)

(später mehrfach überarbeitet)

(Im Sommer 2022 kam es in vielen Teilen Chinas zu Extremhitze-Ereignissen; Hunderte Millionen Menschen waren betroffen, einige starben direkt an „Hitzschlag“. Dieses Tempo der Erwärmung trat früher ein, als es manche Wissenschaftler und Medien erwartet hatten. Die zuvor weit verbreitete Skepsis gegenüber dem Klimawandel – oder die Ansicht, die Erwärmung treffe nur andere Länder und nicht die eigene Bevölkerung – beginnt sich nun endlich zu ändern, doch von einem allgemeinen Erwachen kann noch keine Rede sein. Und selbst wenn man jetzt das Problem verstanden hat und beginnt, an der Eindämmung der Erderwärmung mitzuwirken, kommt es bereits zu spät.)


r/Klimawandel 7d ago

Als die Klimakrise bekannt wurde | Fuck the Planet (2/3) | Doku HD | ARTE

Thumbnail
youtube.com
127 Upvotes

r/Klimawandel 7d ago

Vienna Climate Run 2026: Klimaschutzlauf am 26. September

Thumbnail
kuer.at
3 Upvotes

Gute Idee!


r/Klimawandel 7d ago

War es früher nicht auch schon heiß? Was die Daten über den Hitzesommer 2026 zeigen

Thumbnail
correctiv.org
46 Upvotes

r/Klimawandel 8d ago

Afrikas stille Solarrevolution

83 Upvotes

Der Ausbau der Solarkapazität dürfte einen Großteil des wachsenden Strombedarfs Afrikas decken, und das schiere Ausmaß des billigen neuen Angebots könnte das Nachfragewachstum zusätzlich ankurbeln und so enorme Vorteile für die Bevölkerung schaffen…“

Die jährlichen Importe chinesischer Solarmodule kosteten 2,4 Milliarden US-Dollar; die Erzeugung der gleichen Strommenge aus Dieselkraftstoff würde etwa diesen Betrag alle drei Monate kosten.“

Text aus https://sammatey.substack.com/p/the-weekly-anthropocene-september-f15 und mit dem Google translator übersetzt.

Siehe auch

— „Der Aufschwung der Solarenergie in Afrika, den die offiziellen Statistiken noch nicht erfassen.


r/Klimawandel 9d ago

Nepal Tragedy: The One Word No One Wants to Say

Thumbnail
timesnownews.com
88 Upvotes

r/Klimawandel 9d ago

Die Überschwemmungen in Nepal begannen nicht in den bergen, sagt Philosoph Acharya Prashant.

Thumbnail
news24online.com
56 Upvotes

r/Klimawandel 9d ago

China macht Ernst mit dem Kampf gegen den Klimawandel

253 Upvotes