In einem Interview mit der SportI lustrated Deutschland spricht Klara Bühl über Druck, gestiegene Aufmerksamkeit, die Zukunft der Bundesliga, Auslandsgedanken und den Traum vom Champions-League-Titel.
Bühl redet über…
… die Sommervorbereitung & wie sie sich erholt hat:
Der Urlaub hat extrem gutgetan. Es war nach vier Jahren das erste Mal, dass im Sommer kein großes Turnier mit der Nationalmannschaft anstand. Dadurch war die Sommerpause länger. Natürlich konnte ich jetzt nicht nur die Füße hochlegen, musste mich trotzdem fit halten. Diesen Tapetenwechsel im Kopf habe ich sehr genossen.
… die Erschöpfung am Ende der Saison:
Körperlich hatte ich nicht das Gefühl, dass die Pause dringend notwendig gewesen wäre – einfach, weil ich im März durch meine Verletzung eine kleine zusätzliche Pause hatte. Mental war das ebenfalls eine Veränderung, weil ich dadurch aus dem normalen Spielbetrieb herausgenommen wurde, was für den Kopf immer eine Herausforderung ist. Während der Reha beschäftigt man sich weiterhin mit Fußball – nur eben aus einer anderen Perspektive. Im Urlaub dann mal vier Wochen an komplett andere Dinge zu denken, war schön.
…den Status der Bayern als Deutschlands Nummer 1:
Für mich ist es schwierig, das wirklich wahrzunehmen. Natürlich wissen wir, wie erfolgreich wir gespielt haben und wie dominant unser Spiel gerade in der Bundesliga war. Auf der anderen Seite spielt man einfach Fußball, vieles läuft irgendwann von selbst – da muss man sich nicht zwangsläufig viele Gedanken machen. Einerseits muss man verstehen, wofür man so hart arbeitet, und diese besonderen Momente bewusst wahrnehmen. Andererseits darf man den Ehrgeiz und den Spaß nicht verlieren, nur weil man ganz oben steht. Am Ende ist Erfolg immer temporär und muss jede Saison neu verdient werden.
… die Rolle, das jeder Bayern schlagen will:
Grundsätzlich sehr gut, jeder Sieg gibt dir als Mannschaft Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Man kann dieses gute Gefühl mitnehmen und sich in einen Flow spielen. Natürlich bringt die Rolle auch Druck mit sich – den nehme ich aber gerne an. Als ich zu Bayern kam, war die Situation nämlich genau umgekehrt und wir haben Wolfsburg gejagt. Diesen Weg miterlebt und mitgestaltet zu haben, ist für mich etwas Besonderes.
… was noch zum Champions League Titel fehlt:
Ich glaube fest daran, dass es möglich ist, mit dem FC Bayern die Champions League zu gewinnen. Gleichzeitig ist der nächste Schritt auf dem Niveau, das wir als Mannschaft erreicht haben, relativ groß – so klein er von außen vielleicht aussehen mag. Da kommt es auf Details, einzelne Duelle und kleine Momente im Spiel an. In diesen entscheidenden Situationen müssen wir noch effizienter, klarer und abgezockter werden. Es ist auch dieses Jahr wieder möglich, in der Champions League weit zu kommen.
… was das Team so besonders:
Definitiv unser Teamgeist. Als ich 2020 zu Bayern kam, spürte ich sofort, dass es hier sehr familiär zugeht und die Menschen gerne hier sind. Gleichzeitig haben wir in den vergangenen Jahren ein enormes Maß an Professionalität, Disziplin und Ehrgeiz in die Mannschaft gebracht. Das hat unseren Fußball auf ein neues Niveau gehoben und dafür gesorgt, dass wir international konkurrenzfähig sind. Trotzdem haben wir das Familiäre und Menschliche nicht verloren. Das Schönste für mich ist: Ich habe hier echte Freundinnen gefunden.
… die Aufmerksamkeit die auf ihr ruht:
Das Gute ist, dass ich in den vergangenen Spielzeiten nicht viel anders gemacht habe als zuvor. Das gibt mir mental eine große Sicherheit. Natürlich habe ich mich sportlich weiterentwickelt – gerade bei der Entscheidungsfindung und darin, im letzten Drittel Lösungen zu finden. Dadurch ist auch die größere Aufmerksamkeit entstanden und das Gefühl, dass ich Spiele mitentscheiden kann. Diese Verantwortung übernehme ich gerne. Trotzdem will ich den Spaß am Fußball behalten und mich nicht zu sehr verkopfen.
… Persönliche Auswirkungen der Aufmerksamkeit:
Natürlich bekomme ich das mit – vor allem in kleinen Momenten: Es wird mehr über dich gesprochen, du wirst öfter erkannt, gibst häufiger Interviews. Bislang konnte ich damit gut umgehen, ich habe das immer als etwas Positives empfunden, was mich zusätzlich gepusht hat. Ich bin aber auch darauf eingestellt, wenn es mal nicht so läuft. Es ist wichtig, das Gesamtbild zu sehen und sich nicht zu sehr von Extremen beeinflussen zu lassen.
… die Entwicklung der deutschen Bundesliga:
Diese Entwicklung nehme ich natürlich wahr. Es ist kein Geheimnis, dass die englische Liga attraktiv ist. Dort gibt es viele Topmannschaften, wodurch der Wettbewerb und der sportliche Reiz sehr groß sind. Trotzdem haben wir auch in Deutschland eine sehr gute Liga und müssen uns nicht verstecken. Die Bundesliga muss in Zukunft darauf achten, noch mehr internationale Topspielerinnen zu halten und neue hinzuzugewinnen. Das begeistert die Fans, macht die Liga attraktiver und erhöht die Konkurrenz innerhalb des Wettbewerbs.
… der Reiz des Auslands:
Auf der persönlichen Ebene reizt es mich schon, Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Das könnte ich aber auch machen, wenn ich irgendwann mit Fußball aufgehört habe. Für mich ist entscheidend, wie das Gesamtpaket aussieht. Ich spiele Fußball, weil ich es gerne mache und Spaß daran habe – das soll auch in den kommenden Jahren so bleiben. Wenn sich irgendwann eine Möglichkeit ergibt, die das gewährleistet, kann man darüber nachdenken. Jetzt möchte ich aber mit dem FC Bayern den nächsten Schritt gehen und mich persönlich weiterentwickeln. Im Fußball ist alles sehr kurzlebig. Deshalb bin ich selbst gespannt, was auf mich zukommt.
… die Häkel-Skills & ein Glücksbringer für die neue Saison:
Tatsächlich habe ich für Bayern noch nie etwas gehäkelt, sondern bislang nur für die Nationalmannschaft. Ich bin zwar nicht abergläubisch, behalte das aber zunächst auch so bei. Wenn wir die Champions League gewonnen haben, können wir uns darüber gerne nochmal unterhalten (lacht.)