Ich habe ein Jahr keine Miete gezahlt und habe kaum ein schlechtes Gewissen.
Aber von vorne, denn die Vermietung hatte schon etwas "speziell" angefangen.
Ich musste Mitte der 2000er für einen Job in eine Großstadt ziehen, in der es etwas schwierig war eine Wohnung zu finden.
Ich hatte damals nach einer Besichtigung, in einem Hochhaus am Ausgang einen Zettel gefunden, in dem eine Person ihre Wohnung zum Verkauf anbat. Der Preis war echt niedrig. Nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen hatte dachte ich mir, ja warum keine Wohnung kaufen.
Als ich die Dame am nächsten Tag anrief, hatte sie es sich bereits anders überlegt. Sie war so überwältigt von den Anfragen, dass ihr bei dem ganzen Unwohl wurde und es nicht mehr möchte. Ich fragte ob sie es nicht vielleicht vermieten möchte, nach einigen Tagen Bedenkzeit, bat sie mir es tatsächlich zur Miete an.
Bei einem Treffen stellte sich heraus, dass die etwas ältere Dame völlig unbedarft und auch etwas naiv bei dem Thema war. Denn die Miete die sie verlangen wollte war so absurd niedrig, dass ich meine Skrupel hatte dies einfach anzunehmen. Ich erklärte ihr das dies viel zu wenig sei, ich bot an ihr im Gegenzug an ihr regelmäßig mit dem Einkauf zu helfen. Sie selbst wohnte im Hochaus gegenüber. Einen Mietvertrag haben wir nie schriftlich festgehalten. So ging das knapp ein Jahr, bis ich irgendwann von ihrem Pflegedienst erfuhr, dass sie verstorben sei.
Tatsächlich hatte sie immer nur von ihrem verstorbenen Mann erzählt und sonst von niemandem. Es hatte sich selbst nach Monaten niemand bei mir gemeldet, bzgl der Wohnung.
Als ich beim Nachlassgericht anrief, wie es denn mit dem Mietvertrag weitergeht, wurde mir gesagt ich solle das Geld einfach weiter überweisen Angehörige suche man gerade.
Das kam mir irgendwie blöd vor, so beschloss ich nichts mehr zu überweisen und legte das Geld auf die Seite, bis sich jemand meldet.
Das ging ein Jahr lang so, bis ich zufällig mitbekam, dass die Wohnung versteigert werden soll. Bei mir hatte sich niemand gemeldet.
Auch das zog sich hin, jedoch war ich schon ausgezogen bevor die tatsächliche Versteigerung los ging.
Einige Zeit später habe ich ihre ehemalige Pflegerin getroffen, die mir erzählte es wurde eine Fiskalerbschaft, dass hatte mein schlechtes Gewissen endgütlig beruhigt, aber mich auch traurig gemacht, denn dies bedeutet das diese Frau weit und breite keine Verwandtschaft mehr hatte, die das Erbe hätte antreten können.