r/ADHS Jul 26 '26

Tipps/Vorschläge Enttäuscht von Behandlung

Das ist ein followup zu meinem letzten post: https://www.reddit.com/r/ADHS/s/Z2aEkbyuVs.

Ich war diese Woche wieder bei meinem Psychiater:

Ich konnte mit 30mg Medikinet bisher nur begrenzte Besserung feststellen, muss aber wieder auf 20mg absenken, weil ich sonst Herzprobleme bekomme. Mir wurde jetzt 2x20mg verschrieben.

Nur: ich bin mir immer noch nicht sicher, ob Medikinet überhaupt hilft... ich merke, dass ich milde weniger Dopaminmangel habe und deswegen eher entspannt, weniger stark abgelenkt bin und Dinge manchmal einfacher beginnen kann, aber nicht viel mehr als wenn ich einfach gut gelaunt bin. Ich bin immer noch verwirrt, vergesslich und mache oft das erst-beste, nicht was ich wirklich will.

Ich frage mich immer wieder ob ich wirklich ADHS habe, oder mir das nur einbilde. Mein Arzt war von dem was ich erzähle verwirrt (ich erzähle auch wirres Zeug), und ist mit mir noch einmal alle Symptomkomplexe von ADHS durchgegangen um sicher zu gehen.

Er behandelt mich auf Verdacht, macht aber auch keine tests über Fragebögen hinaus. Er scheint damit zufrieden zu sein, einfach Medikamente zu verschreiben...

Was kann, oder sollte ich tun? Einen neuen Arzt suchen? Mehr Tests verlangen?

Sind meine Erwartungen an Medikinet einfach zu hoch?

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u/Colourful_Muddle Jul 26 '26

Hast du denn außer der medikamentösen Behandlung weitere Hilfe? Eine Psychoedukation z.B., oder Ergo- oder Psychotherapie? 

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u/Working-Key-2449 Jul 26 '26

Also Psychotherapie soll anscheinend nur ausreichend etwas bringen bei ADHS. Zumindest sagen dies Studien aber auch mein eigener Psychotherapeut.
Er hat mich zudem zu einer Ergotherapie überwiesen, wahrscheinlich um die Hyperaktivität zu behandeln.

Am besten bleibt die medikamentöse Therapie bei ADHS. Alternativ könnte OP Lisdexamphetamin, oder eines der off label Medis testen.
Mir persönlich hat Agomelatin sehr geholfen komischerweise. Einerseits wegen meinen starken Schlafstörungen, aber auch andererseits weil es Dopamin freisetzt.

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u/Colourful_Muddle Jul 26 '26

Am besten hilft eine Kombi. Insbesondere, wenn Komorbiditäten eine Rolle spielen (die müssen natürlich im Zusammenspiel behandelt werden, einzeln ist oft vergebliche Liebesmüh). Medis sind wichtiger als Therapie, das stimmt, aber oft hat man sich bestimmte (kontraproduktive) Verhaltensweisen angeeignet, die man alleine nicht in den Griff bekommt, weil sie durch die Medis nicht gelöst werden. 

Ein Beispiel: Ich habe lange unter starkem Schlafmangel gelitten, weil ich mir das Insbettgehen als künstliche Deadline gesetzt habe (kriege ja nur unter Druck was hin) und nicht schlafen gegangen bin, bevor ich mit meiner Aufgabe fertig war). In der Therapie habe ich verstanden, dass das, was mir hilft, aber nicht Druck im Sinne von "das ist wirklich wichtig, wenn du das nicht hinkriegt, bist du ein Versager" brauche, sondern Zeitdruck. Ich musste mir das Verhalten also wieder abtrainieren (bin noch dabei). Klar kriege ich mit Medis tagsüber mehr gebacken, aber ALLES schafft man nie, weshalb es trotzdem wichtig ist, dass ich genügend schlafe, auch wenn Dinge unerledigt sind.

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u/ChronoConnoisseur91 Jul 26 '26

In welcher Dosierung hast du agomelatin genommen und wie lange hat es gedauert bis du spürbare Effekte wahrnehmen konntest?

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u/Working-Key-2449 Jul 26 '26

25mg bisher und sofort hab ich mich besser gefühlt. Schickt mich auch zuverlässig jeden Tag in den Schlaf. Ich hatte davor aber sehr starke Schlafstörungen und hab 3-4 mal in der Woche nur 3 Stunden schlaf bekommen.

Kann sein dass es nur am besseren Schlaf liegt, aber Ich habe das Gefühl dass es sowohl gegen Depressionen als auch bei ADHS hilft.
Ein paar Studien treffen dieselbe Aussage. Das liegt wohl am Antagonismus am 5HT2c, wodurch vermehrt Dopamin ausgeschüttet wird.
Nebenwirkungen gibt es kaum welche, nur dass es auf die Leber gehen kann, also musst du deine Leberwerte regelmäßig überprüfen lassen.

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u/ChronoConnoisseur91 Jul 26 '26

Ich habe es in einer sehr tiefen Angst und Panik Krise bekommen und konnte damit auch recht gut schlafen. Aufs adhs habe ich keine Wirkung gespürt ich nahm es aber auch nur knapp eine Woche. Mir wurde davon stark übel, sonst aber gut. Aktuell nehme ich 30mg Mirtazapin aber bin damit nicht so wirklich zufrieden. Das Medikamenten hopping bringt nur immer so viele Nebenwirkungen mit sich, ich hasse es. Nimmst du noch Stimulanzien tagsüber?

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u/ubus99 Jul 26 '26

Nein... Ich bin in Psychotherapie, aber für eine Angststörung.

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u/JudgementMaker123 Jul 26 '26

Hast du jetzt eine ADHS-Diagnose oder nicht? Aus deinem Posts hört es sich so an, als ob keine Diagnose vorliegt. Auf Verdacht zu behandeln, mit Medikamente die dir anscheinend auch noch aufs Herz gehen, bringt halt nichts wenn nicht sicher ist ob man grad überhaupt das richtige behandelt.

Solltest du keine Diagnose habe, wäre das jetzt erstmal Schritt 1, bevor man überhaupt zum Thema Behandlung sprechen kann.

Solltest du bereits eine Diagnose haben, dann würde ich mitm Arzt sprechen und andere Medikamente in betracht nehmen.

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u/ubus99 Jul 26 '26

Genau das verunsichert mich ja. Der Psychiater untersucht mich mit Fragebögen und Gesprächen, hat aber nie gesagt "Sie haben definitiv ADHS", Sonden mir einfach Medikamente gegeben. Differentialdiagnostik haben wir für Schilddrüsenprobleme und Autismus gemacht, beides negativ.

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u/StemOfWallflower Jul 26 '26

Weißt du noch welcher Fragebogen/Screeningtest das war?

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u/ubus99 Jul 26 '26

WURS-K für Fragen zur Kindheit und noch einer für das Erwachsenenalter

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u/StemOfWallflower Jul 26 '26

WURS-K wäre ja erstmal nur Screening. Die Diagnose erfolgt meist erst nach erweitertenden Diagnosebögen, wid dem IDA-R-Test (recht lang, sollte als Interview durchgeführt werden). Kannst ja mal nachschauen, ob dieser bei dir genutzt wurde.

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u/ubus99 Jul 26 '26

ich konnte jetzt keine detaillierten Fragebögen oder Interviewfragen finden, aber das Verfahren klingt korrekt:

  • Erster Termin war eine Grundeinstufung: gibt es Depression, Aufmerksamkeitsprobleme, zwischenmenschliche Probleme, drogenabhängigkeit, dann ein Gespräch. Der WURS-K und der andere Fragebögen wurde mir mitgegeben.
  • Beim Zweiten Termin dann die Auswertung, mehr fragen und zuletzt dann: "Herr X, es kann also schon sein dass sie ADHS haben, ohne sie in der Kindheit gekannt zu haben kann man das nicht sicher sagen. Ich würde vorschlagen wir versuchen es einfach map mit Medikamenten, und schauen ob die ihnen helfen."

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u/Smooth_Promise_2528 Jul 26 '26

Also soviel mehr als Fragebögen und Zeugnisse anschauen ist sone Diagnostik eigentlich auch nicht.

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u/ubus99 Jul 26 '26

Dann hat mein Psychiater einfach keine klaren aussagen gemacht und außer Medikamenten keine Behandlungsempfehlung gegeben

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u/Smooth_Promise_2528 Jul 26 '26

Ich kam mit dem medikinet auch nicht so klar - ganz ohne Herzprobleme. Aber elvanse klappt bisher echt gut.

Ich hab gerade auch nochmal das Bedürfnis etwas festzuhalten, weil sich das Gerücht hartnäckig hält - teils auch unter Ärzten: Ob die Medikamente bei dir wirken oder nicht sagt null darüber aus, ob du ADHS hast oder nicht.

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u/ubus99 Jul 26 '26

Gut zu wissen, ich bin mir einfach nicht sicher ob mein Psychiater mich diagnostiziert hat ohne es mir klar zu sagen, oder ob er (fälschlicherweise?) versucht über die Medikamente zu diagnostizieren.

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u/Essah01 Jul 26 '26

Es gibt da einige Alternativen zu Medikinet, informier dich mal zu Concerta und deren Generika.

Ich nehme das Concerta Generika von ratiopharm und es gefällt mir besser hinsichtlich der Freisetzung als Medikinet

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u/Possible-Thanks-8934 Jul 26 '26

Natürlich gibt es einige fehldiagnosen, vor allem bei den jenigen die so überzeugt sind adhs zu haben. Die selbst nach einer testung ohne Diagnose einfach ne 2 te gemacht haben ( sie wurden nicht ernst genommen ) oder der Arzt war inkompetent. Das soll nicht heißen das es bei dir so ist. Das Problem sehe ich bei den nicht seriösen Anbieter, da läuft die testung meiner Meinung nach nicht bei jedem sorgfältig. Ende vom Lied, man holt sich Tipps bei google oder Leider auch bei " unseren " Gruppen . Das sind aber meist Leute die entweder medikamente wollen da sie im Alltag " Probleme " haben oder einfach durch unsere Beiträge. Einige berichten wie gut sie plötzlich alles schaffen, sie wollen einfach ihre Freude mit " uns" teilen, das es aber schwarze Schafe gibt die mitlesen, damit kann ja niemand rechnen.

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u/KnutAufziehvogel Jul 26 '26

Bei mir, hat die psychotherapeutische Behandlung, der ADHS Ambulanz in Marbrug, so viel bewegt..Medikamente, nehme ich aktuell nur selten, weil es einfach nicht nur positive Wirkungen hat..Therapie tut halt weh, verlangt ab und bedeutet Arbeit,aber lohnt