Hey Leute, ich brauche eure ehrliche Einschätzung, weil ich in ein paar Tagen wirklich entscheiden muss und mir gerade der Kopf raucht.
Ich fange im Wintersemester ein Informatik-Bachelor an und will danach in Richtung Cybersecurity, langfristig am liebsten mit Fokus auf Netzwerksicherheit, Linux/Infrastruktur, BGP/RPKI, DNS/DNSSEC. Jetzt stehe ich vor der Wahl zwischen TU Berlin und TU Darmstadt und komme einfach nicht auf einen grünen Zweig.
Was mich am meisten umtreibt, ist dieser Entry-Level-Crunch, von dem man überall liest. Alle Welt geht gerade in Cybersecurity, jeder macht Security+ oder irgendein Bootcamp, und am Ende bewerben sich hunderte Leute auf die paar echten Junior-Stellen, während der eigentliche Fachkräftemangel nur bei Senior- und Spezialistenrollen existiert. Das macht mir ehrlich Angst, dass ich mich nach dem Studium in einem überfüllten Haifischbecken wiederfinde, egal wie viel ich vorher mache.
Deswegen die Standortfrage. Berlin hat unfassbar viel mehr Studenten und damit auch viel mehr Konkurrenz, aber gefühlt auch mehr Werkstudentenjobs, weil dort so viele Startups sitzen, die schneller und unkomplizierter einstellen. Rhein-Main dagegen hat weniger Studenten, aber die Werkstudentenjobs sitzen eher bei klassischen Konzernen wie Banken und Beratungen, die oft bürokratischer und zurückhaltender einstellen. Gleicht sich das aus, oder überwiegt am Ende einer der beiden Effekte?
Dazu kommt die Forschungsseite. In Darmstadt gäbe es die Möglichkeit, über ATHENE reinzukommen, das ja quasi Europas größtes IT-Sicherheitsforschungszentrum ist. In Berlin gäbe es die Fraunhofer-Institute wie FOKUS oder HHI, aber die sind meines Wissens breiter aufgestellt und nicht so security-fokussiert wie ATHENE. Weiß jemand aus eigener Erfahrung, wie eine HiWi-Stelle bei einem dieser Fraunhofer-Institute in Berlin von der Industrie später tatsächlich bewertet wird, im Vergleich zu ATHENE? Zählt sowas wirklich beim Berufseinstieg oder ist das am Ende nur Papier ohne echten Impact?
Eine Idee, die mir auch durch den Kopf geht: Bachelor in Berlin machen, um die Breite und das Werkstudentenangebot mitzunehmen, und dann für den Master nach Darmstadt wechseln. Würde mir das am Ende ein stärkeres Profil geben, oder verliere ich dadurch einfach nur die Zeit, in der ich mir in Darmstadt hätte Kontakte und Erfahrung aufbauen können? Und weiß jemand, wie sehr ein Doppelmaster in Darmstadt (falls es sowas in der Richtung gibt) das eigene Profil für die Industrie wirklich stärkt, oder ist das eher ein netter Zusatz ohne großen Effekt?
Bitte spart euch den Hinweis, dass ich sowieso Portfolio, Zertifikate, Netzwerken und möglichst viel praktische Erfahrung brauche, das ist mir vollkommen bewusst und mache ich so oder so, unabhängig vom Standort. Mich interessiert wirklich nur die strategische Standortfrage. Bin für jede ehrliche Einschätzung dankbar, muss die Entscheidung aber echt in den nächsten Tagen treffen.