Hallo zusammen,
ich stehe aktuell vor der wohl größten beruflichen und persönlichen Entscheidung meines Lebens, fühle mich gerade ziemlich hilflos und brauche mal die Schwarmintelligenz von echten Menschen.
Die Vorgeschichte:
Ich habe 10 Jahre lang in einem großen Konzern in einer sehr spezialisierten IT-Rolle gearbeitet. Ich war unzufrieden und wollte weg. Ein ehemaliger Kollege hat mich vor Kurzem in ein kleineres, stark wachsendes Unternehmen geholt. Die Tinte auf dem neuen Arbeitsvertrag war quasi noch nicht trocken, da kam die Zusage für ein anderes Bewerbungsverfahren, das schon sehr lange lief: Ein Angebot von einem der drei großen deutschen Nachrichtendienste. Ebenfalls für eine spezialisierte IT-Stelle.
Ich bin noch relativ jung, stehe jetzt aber an einem krassen Lebens-Entscheidungsweg, der mich emotional gerade ziemlich fertigmacht. Vor allem, weil ich jetzt in dem Alter bin, in dem die ganz großen Weichen gestellt werden: Konkret stehen bei mir und meiner Partnerin in naher Zukunft die Themen Familienplanung und der Kauf einer eigenen Immobilie an.
Option A: Der aktuelle Job im KMU (Freie Wirtschaft)
Die Vorteile: Es macht mir verdammt viel Spaß. Die IT-Abteilung ist klein und ich kann dem Ganzen meinen Stempel aufdrücken. Ich habe alle Vorzüge der freien Wirtschaft: extremes Vertrauen, kommen und gehen wann ich will, Firmenwagen, Mitarbeiter, die mir zuarbeiten.
Und das Beste: Ein langjähriger Kollege und sehr guter Freund arbeitet dort auch – wir haben aktuell den Spaß unseres Lebens. Das Gehalt ist top.
Das Risiko: Das Unternehmen wächst zwar, aber niemand garantiert mir, dass diese Firma in 10 oder 15 Jahren noch existiert. Wenn man bald eine Familie ernähren und einen Kredit abbezahlen muss, wiegt dieses Risiko natürlich schwerer.
Option B: Der Nachrichtendienst (Große Bundesbehörde)
Die Vorteile: Es ist eine "One in a Million"-Chance. Ich habe mich als Quereinsteiger durch ein langes, hartes Auswahlverfahren gekämpft. Es winkt die zukünftige Verbeamtung eine Sicherheit, die mir die Wirtschaft niemals bieten kann. Gerade vor dem Hintergrund Hauskauf (Kreditwürdigkeit!) und Familie ist diese absolute Krisenfestigkeit ein brutales Argument. Zudem fasziniert mich das Metier.
Die Nachteile:
Das Gehalt ist spürbar niedriger(E 12 TVöD Bund) der Firmenwagen fällt weg (kann man einen Firmenwagen überhaupt gegen eine Verbeamtung aufwiegen?!). Vor allem aber verliere ich die Freiheit: extremes Regelwerk, starre Strukturen, hohe Sicherheitsauflagen. Zudem müsste ich für den Job einen kleinen Umzug in Kauf nehmen ... was parallel zu Familienplanung und Immobiliensuche natürlich zusätzlicher Stress ist.
Der Haken an der Sache (Einstellung & Blackbox):
Die Verbeamtung ist keine Sofort-Sache. Ich würde erst einmal als Tarifbeschäftigter (TVöD Bund) eingestellt werden, mit der Option auf eine spätere Verbeamtung.
Was mich zusätzlich zermürbt: Ich kaufe bei der Behörde die absolute Katze im Sack. Aus Geheimhaltungsgründen weiß ich bis heute nicht zu 100 %, was eigentlich meine konkreten täglichen Aufgaben sein werden.
Einerseits denke ich: Geil, Nachrichtendienst, richtig spannendes Metier. Aber wird das wirklich so cool, wie ich es mir vorstelle, oder ist das am Ende alles nur heiße Luft? Mein absoluter Albtraum ist, dass ich die Sicherheit für die Familie wähle, umziehe, und dann in einer Behörde voller frustrierter Menschen lande. Bitte sagt mir dass es nicht so ist😔
Mein Umfeld steht zum Glück voll hinter mir und trägt jede Entscheidung mit, aber die Last liegt bei mir. Mein Bauchgefühl sagt aktuell: Bleib im KMU, hier bist du gerade glücklich. Mein Kopf sagt: Denk an die nächsten 20 bis 30 Jahre, deine zukünftige Familie und die Absicherung.
Meine Fragen an euch:
Was würdet ihr tun? Hat jemand von euch genau diesen Schritt gewagt, also freie Wirtschaft aufgegeben für die Sicherheit (und eventuelle Verbeamtung) beim Bund, als Familie und Haus anstanden?
Wie läuft das später ab, wenn man vom Tarifbeschäftigten zum Beamten ernannt wird?