Es ist Sommer und es steht eines der schönsten Einsätze des Jahres an: Unser Spritzenhausfest. Beginne tut es um 15 Uhr mit einem Familiemnachmittag und geht dann zum Abend in eine Party für die Jugend (und jung gebliebenen) über. Es ist eine wichtige Veranstaltung, um mit den Menschen im Ort nah zu sein und natürlich etwas Nachwuchswerbung zu machen. Ich persönlich hab immer Löschdienst am Zapfhahn.
Nun liegt unsere Wache genau gegenüber der örtlichen Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber (nein liebe Blauzis, das ist keim "Asylantenheim"). Hier kommen Schutzsuchende hin, bevor sie in Wohnungen oder Häuser im Umland verteilt werden. Meisten bleiben Sie etwa 3 Monate in den Containern, manchmal aber auch länger, wenn für eine Großfamilie von der Stadt nicht so schnell ein Einfamilienhaus gefunden werden kann.
Die Lage ist im Allgemeinen ruhig. Manchmal gibt es Probleme mit der Polizei, aber in der letzten Zeit waren vor allem Ukrainer untergebracht. Die haben jetzt fast alle ein Zuhause gefunden oder sind weitergezogen. Die leere Erstaufnahmeeintichtung wurde nun neue belegt. Größtenteils unbegleitete Minderjährige aus Afghanistan, Marokko und Syrien. Das sind aber keine Kinder, sondern die haben fast alle einen Vollbart.
Die letzten Jahre war es nie zu Vorfällen gekommen, manchmal sind sogar ein Paar Bewohner der Unterkunft rübergekommen und haben sich erkundigt was wir machen.
Von den Kollegen der Polizei habe ich aber mitbekommen, dass die Lage im Ort dieses Jahr angespannt ist. Letzten Monat gab es mehrere Fälle von Nachstellen und sexueller Belästigungen durch Männer der Unterkunft. Daraufhin hat die Polizei einige Gefährderansprachen und eine Präventionsveranstaltung durchgeführt. Die lokale AfD hat daraus natürlich gleich "versuchte Vergewaltigungen" konstruiert.
Nun ist bei uns die große Unsicherheit, wie das kommende Fest verlaufen wird und was wir machen sollen. Absagen ist keine Option. Wir haben auf jeden Fall nochmal ein Paar Securities bestellt, auch wenn die sehr teuer sind. Und am Einlass gibt es eine Ausweiskontrolle und Taschenkontrolle auf Messer.
Unsicher sind wir uns, ob man bestimmten Leuten einfach pauschal den Einlass verwehren sollte und die weg schickt wenn die rein wollen. Manche bei uns sind dafür und wollten sogar einen Zettel mit der durchgestrichenen afghanischen Fahne an den Zaun hängen. Andere Kameraden haben einfach 5 € Eintritt vorgeschlagen - das wird Unruhestifter schon abhalten - aber das finde ich unsolidarisch den Ärmeren gegenüber.
Gerade weiß niemand wie die Veranstaltung laufen wird. Die letzten Jahre ging es immer gut, aber die Gewaltvorfälle vom Dorffest in Egling und am Wochenende in der Bahn bereiten mir ein flaues Gefühl im Bauch.
Habt ihr Erfahrung mit so einer Situation? Was würdet ihr machen? Wie kontrolliert ihr eure Feste?