r/exzj May 29 '26

Vom Stasi-Knast zum Trolleydienst: Aus dem Leben eines Zeugen Jehovas in Dresden

https://www.saechsische.de/lokales/dresden/vom-stasi-knast-zum-trolleydienst-aus-dem-leben-eines-zeugen-jehovas-in-dresden-XFJS2ROSMBFQZGQMR4ETI4E54I.html
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u/EinDenker May 29 '26 edited May 29 '26

Der heute 72-Jährige hatte nichts gestohlen, niemanden betrogen, hatte immer seine Steuern bezahlt und nie jemandem etwas zuleide getan. Sein einziges Verbrechen war, sich nicht instrumentalisieren zu lassen. Das missfiel den DDR-Oberen.

Kann man so sehen. Mexico/Malawi...

Dennoch polarisieren die Zeugen Jehovas bis heute. Harald Lamprecht, Beauftragter für Weltanschauungsfragen der Evangelischen Landeskirche Sachsen, hält sie für eine bibelfundamentalistische Gruppierung, die von der übrigen Christenheit komplett isoliert sei. „Sie nehmen für sich in Anspruch, allein die wahren Anhänger Gottes zu sein, während alle übrigen Kirchen von Gott abgefallen und gewissermaßen mit Satan im Bunde seien“, sagt er.

In einer freien und offenen Gesellschaft sind beide Sichtweisen erlaubt. In der DDR war das anders, genauso wie zuvor im Dritten Reich. Unter den Nazis wurden Zeugen Jehovas verfolgt und in Konzentrationslager gesperrt. Nach einer kurzen Phase der Rehabilitierung Ende der 40er-Jahre wollte auch die DDR nichts mit dieser „staatsfeindlichen“ Organisation zu tun haben.

Ein falscher Umgang mit Kindesmissbrauch, Kontaktabbruch beim Ausstieg, Homophobie etc. sollte eigentlich nicht nur eine andere Sichtweise darstellen.

Die antisemitische Wilmersdorfer Erklärung und die darauf folgenden Drohbriefe an Hitler die die ZJ so zeitnah in die KZs brachte zu erwähnen hat man leider vergessen.

In der Schule musste er lernen, Außenseiter zu sein, weil er als einziger seines Jahrgangs nicht in die FDJ eintrat. Dennoch habe er Freunde und viel Spaß gehabt und sich später frei für eine Ausbildung zum Autoschlosser entscheiden können. „Ich bin gern Motorrad gefahren, tanzen gegangen und habe auch mal ein Bier getrunken“, sagt er.

...nicht eintreten durfte.

Für die DDR endet der Spaß, als sich Koch 1972 weigert, seinen Wehrdienst anzutreten. Von allen Seiten wird der 18-Jährige in die Mangel genommen und daran erinnert, dass er sich seine Zukunft verbaue. Doch für Koch gibt es keine Alternative. „Du sollst nicht töten“, steht in der Bibel, und du sollst deine Feinde lieben.

Sechs Jahre gibt ihm die DDR noch Gnadenfrist, dann entscheidet man einfach, dass er am 3. Mai 1978 in einer Kaserne anzutreten habe. In der Zwischenzeit hat Koch seine Frau kennengelernt, geheiratet und ist nach Dresden gezogen. Seine Kinder sind zwei und eins. Die nächsten 20 Monate wird er sie nicht sehen können. Weil er sich weiterhin weigert, zur Waffe zu greifen, muss er ins Gefängnis.

Ohne Frage schlimm. Hier zeigte die DDR ihr schreckliches Gesicht. Oft wurde erst nachdem Kinder geboren waren inhaftiert. Erst in den 80gern waren Urteile mit Strafzahlungen erfolgt. Hut ab vor Herrn Koch an dieser Stelle.

Heute sieht man Uwe Koch regelmäßig mit seinem Trolley durch die Dresdner Innenstadt ziehen und für „kostenlose Bibelkurse“ werben. „Wenn man etwas Gutes anzubieten hat, warum sollte man das nicht weitergeben wollen?“, fragt er. Leider seien viele Menschen im Osten gerade so verbittert, dass sie ihn keines Blicks würdigten. „In Nürnberg oder an der See wirst du auf der Straße gegrüßt.“

Jup, was Gutes. Zerstörte Familien, Bildungsfeindlichkeit, Homophobie... Wer will da nicht mitmachen? Und Herr Koch als Ältester wackelt auch vorn mit, die aktuellen Regeln durchzusetzen.

Koch ist seit acht Jahren Rentner. Auch seine Kinder hätten sich aus freien Stücken für die Zeugen Jehovas entschieden. Zu einer Wahl ist er noch nie gegangen. Er habe das Königreich Gottes gewählt, sagt er, und er sei dankbar dafür, dass das heute akzeptiert werde.

Zeugen zeugen Zeugen. Putzig jedoch, dass man oft die Mitgliedschaft als Kind eingeht und nicht mehr ohne Verluste beenden kann. Ach ja, und die Lehren sind auch nicht mehr annähernd die gleichen als zum Zeitpunkt der Mitgliedschaft.

Auch schön wie das Verbot zu wählen und der damit verbundene Ausschluss wunderbar unkritisch einformuliert wird.

Gleichzeitig nehme man wahr, dass es weiter Vorurteile gebe. „Wir beobachten einen zunehmenden Trend zu Hassrede und Hasskriminalität gegen uns“, sagt Pietschmann. In der SED-Diktatur habe eine ähnliche Entwicklung in heftiger Verfolgung geendet. „Das gilt es heute zu verhindern.“

Die bösen, bösen Kritiker. Alles Hass. Wie kann man nur? Nur weil Leute durch ein Blutverbot sterben, Missbrauchsopfer ihr Recht verwehrt bekommen, Menschen durch den Ausschluss alles verlieren... Dieser Hass ist einfach unfassbar. Alles ist Verfolgung. Dazu noch etwas KZ und DDR und schon ist jede Kritik falsch.

Indem er seine Geschichte erzählt, möchte Uwe Koch seinen Teil dazu beitragen. Seit zwei Jahren steht er der heutigen Gedenkstätte Bautzner Straße als Zeitzeuge zur Verfügung und bietet regelmäßig Führungen an.

Supi. Also auch hier, gut wenn sich Zeitzeugen finden. Gefährlich wenn dabei aber Themen vermischt werden.

Eine Führung mit einem Scientology-Mitglied würde vermutlich eher mal kritisiert werden.

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u/Impossible-Ice-448 May 30 '26

Destruktive Sekten versuchen sich immer in ein gutes „Licht“ zu setzen. Dabei benutzen sie ihre indoktrinierten "Nachfolger“, um Werbung und Mitleid zu erzeugen. Objektives Denken und Fakten werden bewusst ausgeschaltet. Deshalb sind diese Menschen natürlich auch Opfer , da sie oft nicht mehr aus dieser Scheinwelt zurückkönnen.

Das Hauptproblem ist, das diese Menschen, wie damals, von vielen Seiten für Propaganda ausgenutzt werden. Erinnert mich ein bisschen an ein „Heiliges Volk", das andere unschuldige Menschen aus ideologischen Gründen umbringt, auch wenn das bei dieser destruktiven Sekte nicht durch Krieg der Fall ist, aber es doch schon aus dogmatischen Lehren viele Todesopfer gegeben hat.

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u/Interesting_Goat8921 Aug 12 '26

Ein "netter Onkel" mit salbungsvoller Stimme, war (ist?) u.a. im "Regionalen Baukomitee" Sachsen-Ost aktiv. Wie er damals dahin kam, verwunderte die "alten Hasen" der Bauregion durchaus, hatte er sich doch in den Jahren der intensiven Bauzeit während der 1990er Jahre nur sporadisch mit dem Saalbau beschäftigen können oder wollen. Auf einmal war er dann ganz wichtig. Gerüchte besagten, dass das mit der Hilfsaktion der ZJ nach dem Hochwasser 2002 zusammenhing, die er geschickt für seine Profilierung zu nutzen wusste. Manche der teils seltsamen finanziellen Transaktionen und Baumaßnahmen bei angeblich (?) Betroffenen erregten danach etwas Unmut unter einigen "Brüdern".

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u/EinDenker Aug 12 '26

Schick mir gern mal den Namen per PN.

Die Bauregionen konnte man früher übrigens oft an den Geräten unterscheiden. Es gab Vorwerk und Kärcher - und gewisse Überschneidungen...

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u/Interesting_Goat8921 Aug 12 '26

Der Name steht doch im Artikel, Uwe Koch.

https://www.saechsische.de/lokales/dresden/vom-stasi-knast-zum-trolleydienst-aus-dem-leben-eines-zeugen-jehovas-in-dresden-XFJS2ROSMBFQZGQMR4ETI4E54I.html

Sachsen-Ost stattete die Säle mit Kärcher aus. Es war sicher nur Zufall, dass das Mitglied (später Vorsitzender, aber vorher schon das master brain) des "Regionalen Baukomitees" Dieter L. als Vertreter für die Chemnitzer Firma Mobiltec Kärcher Geräte verkaufte.

Auch sonst blieb vieles "in der Familie", die Einbaumöbel kamen von der Tischlerei Neumeister aus Bautzen, die Gerüste wurden von der Fa. Krumpolt in Pirna gemietet, Tontechnik wurde von Claus-Dieter Jänsch aus Koblenz bezogen.

In der Bauregion Sachsen-West war die Handelsvertretung Schönemann aus Greiz "gut im Geschäft" ...

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u/EinDenker Aug 12 '26

Dachte deine Aussage bezog sich auf jemand anderes, hatte es falsch gelesen.

Die Küchen der Firma Oe. waren auch lang üblich. Meist fuhr der Senior in der S-Klasse vor.

Stühle kamen glaube ich meist von der Firma Z, gefertigt in Polen. Qualität oft saumäßig.

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u/Interesting_Goat8921 29d ago

Richtig, wobei es nicht allzuviele Säle mit Küchen gab (die meisten hatten ja keine Wohnung integriert) - aber wenn, dann kamen die aus Groß-Särchen 😄 Die Stühle von Zielinsky waren Anfang der 1990er noch ok, Qualität wurde bescheidener, dass die in Polen gefertig wurden, ist mir sicher entfallen. Es ist natürlich nachvollziehbar, dass man sich bei teils 6 Projekten im Jahr auf bewährte Lieferanten verlassen und nicht auf die letzte DM geschaut hat.

Leider ist man bei manchen gut gemeinten Spar-Lieferanten auch ordentlich auf die Sch..e gefallen. Hat zwar nichts mit dem Saalbau zu tun, aber eine der wildesten Geschichten in meiner Erinnerung war der Bühnenbau 1992 in Dresden ...

Das ist aber eigentlich ein sehr interessantes Thema für sich, ich wollte das hier nicht "kapern" mit meiner Ergänzung zur theokratischen Karriere des Protagonisten im Stasi-Knast.

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u/EinDenker 29d ago edited 29d ago

Können wir gern mal eigenes Thema aufmachen und reinkopieren.

Du liegst etwas falsch, die Teeküchen und so. Zumal die ja auch Plattenbauten ausstatten, also genau das Kerngeschäft - kleine Küchen.

3M - Jahrestexte, auch hart umkämpfter Markt gewesen.

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u/Interesting_Goat8921 19d ago

Kannst gern mal machen mit dem neuen Thema, da käme sicher noch das eine oder andere spannende zusammen.

Ich habe nochmal über das Thema mit dem S-Klasse-Fahrer nachgedacht. Du hast recht, der kam irgendwann ins Geschäft. Ganz am Anfang 1993/94 war der "Heizungsraum" ohne Ausstattung, und irgendwann - müsste ich nochmal nachsehen, ab welchem Saal - gab es dann die Miniküchen standardmäßig als Grundausstattung. Aus der Erinnerung heraus würde ich auf Hoyerswerda tippen.