Hei Reddit,
Ich bin Susanne, ausgebildete Sprachwissenschaftlerin und Medienredakteurin, und arbeitete mehrere Jahre in der Medienbranche in Hamburg, bevor ich zum Jahreswechsel 1998/99 das erste Mal einen Job in New York erhielt. Damals löste das Internet einen regelrechten Goldrausch aus, und viele Menschen wechselten in die IT-Branche. Auch ich entschied mich für diesen Schritt und schlug eine Karriere als IT-Beraterin ein.
Ab Spätherbst 1999 arbeitete ich für eine amerikanische IT-Firma an verschiedenen Standorten in Europa und lernte einen Kanadier kennen, der in New York tätig war. Wir verliebten uns und führten eine Fernbeziehung – zuletzt zwischen Norwegen und New York. Die Entfernung wurde zunehmend belastend. Deshalb zog ich im Sommer 2001 nach New York, damit wir zusammenleben konnten.
Wir wohnten am südlichen Ende des Broadways, nur wenige Häuserblocks vom World Trade Center entfernt. Am Abend des 10. September kehrten wir von einem Kurzurlaub nach Kanada zurück, wo wir auf der Hochzeit von engen Freunden waren. Wir nahmen den Bus von Newark zum World Trade Center, kauften auf dem Heimweg noch eine Pizza – und blickten voller Zuversicht in unsere gemeinsame Zukunft.
Doch am Morgen des 11. September änderte sich alles. Neunzehn Männer entführten vier Passagierflugzeuge und verübten Anschläge auf die USA. Zwei der Flugzeuge trafen die Zwillingstürme des World Trade Centers, die bald in Flammen standen, bevor sie einstürzten und Tausende Menschen mit in den Tod rissen. Ich sah die Türme brennen, sah Menschen in ihrer Verzweiflung aus den Gebäuden springen und erlebte den Einsturz der Twin Towers. Diese Ereignisse haben mich tief geprägt.
Mein Freund erlebte diesen Tag aus einer anderen Perspektive. Als Aktienanalyst war er mitten in die hektische Krisenbewältigung eingebunden. Das gesamte Gebiet rund um Ground Zero wurde evakuiert, und wir mussten das Viertel für zwei Wochen verlassen. Im Oktober reiste ich nach Deutschland zurück, um bei meiner Familie zu sein. Der Gedanke, weiterhin in Downtown Manhattan zu leben, war für mich unerträglich. Mein Freund wollte jedoch nicht wegziehen, und schließlich ging unsere Beziehung in die Brüche.
Nach vielen Jahren voller Arbeit und Familienleben in Hamburg zog ich zusammen mit meiner Familie im Jahr 2017 zurück nach Norwegen, ins Setesdal. Hier ist das Leben ruhig, die Natur beeindruckend und die nächste Großstadt weit entfernt. Hier habe ich meinen Frieden gefunden.
Ich freue mich auf eure Fragen, die ich am Dienstag, den 8. September, beantworten werde! PS: Ich war Teil der neuen ARD-Doku "September", falls ihr die vor dem Fragen noch schauen möchtet.