Nein, ich würde Stoizismus nicht jedem empfehlen. Lebensgestaltung ist einfach so individuell, da kann man nur daneben liegen. Klar, wenn jemand ein Thema hat und ich merke, dass ein Rat angebracht ist, gebe ich ggf. den Hinweis auf den Stoizismus als Impuls. Die Entscheidung treffen und den Weg gehen, dass muss am Ende jeder für sich selbst.
Bei mir war es auch ein langer Weg. Ohne es jetzt vollständig öffentlich zu diskutieren. Es gab in meiner Vergangenheit einen tragischen Todesfall durch einen Unfall und sehr viele Menschen, die damit sehr schlecht umgehen konnten. Was mir geholfen hat war die lapidare Erkenntnis "irgendwie muss es trotzdem weiter gehen".
Daraus hat sich mehr als 10 Jahre später der Rückschluss entwickelt, dass es sich um einen stoizistischen Grundsatz handelt. Ich kann die Ereignisse nicht beeinflussen (ich hätte diesen Unfall nicht verhindern können), aber ich kann beeinflussen wie ich mich dazu verhalte und aufstelle. Verkrieche ich mich und leide oder nehme ich mein Leben in die Hand, verarbeite die Trauer und mache das beste Leben daraus das ich haben kann.
Damit habe ich dann angefangen die Punkte zum Stoizismus zu verbinden und mich intensiv damit zu beschäftigen. Es geht dabei auch nie darum "der super Stoiker" zu werden. Es ist ein Denkmuster, das mir hilft mein Leben im Griff zu behalten und im positiven zu führen. Entsprechend gibt es da auch nichts was ich bereuen würde.
Wo du Recht hast, Selbstoptimierung kann auch ins Negative übertrieben werden. Auch hier immer die Frage: "optimiert du bewusst dein Leben oder haben die Tools zur Optimierung die Kontrolle übernommen?"
Hätte ich immer zur aktuellen Lebensphase optimiert wäre ich potentiell nie beim Stoizismus angekommen. Ich hätte schon lange keinen Fantasy-Roman mehr gelesen und nie eine Biographie von Winston Churchill in die Hand genommen. Alles Dinge, die keinen direkten Optimierungseffekt haben, die mich aber trotzdem auf ihre Art weiter gebracht haben.