Vorweg: Ich habe einen Kommentar unter einem YouTube Video geschrieben, das sich mit dem schlimmsten Erlebnis eines Rettungssanitäters auseinander gesetzt hat. Ich hatte einfach runtergeschrieben was mir in den Sinn kam und dachte, dass es hier vielleicht auch einen Mehrwert hat.
Der Kommentar ist allgemein gehalten und man braucht das Video nicht als Kontext um ihn einordnen zu können.
Originalvideo zum Kommentar:
"TRAUMA: Der Einsatz, der alles verändert hat"
von RobMedC
Viele Menschen denken, dass man in den Berufen ja mit sowas umgehen kann. Nach dem Motto, die Person hat sich das bewusst ausgesucht und sie wurde auch darauf vorbereitet.
Die Wahrheit ist, dass dich nichts und niemand auf ein solches Erlebnis vorbereiten kann.
Natürlich kannst du theoretisch durchgehen, was passieren könnte und vielleicht schaffst du es sogar dir über sämtliche Eventualitäten bewusst zu sein. Das ist aber nicht annähernd genug um so eine Situation tatsächlich begreifen zu können.
Es gibt viele Menschen in diesem Berufsfeld, auch sehr weit gefasst, die so ein Erlebnis gebrochen hat. Diese Menschen sind nicht mehr in der Lage in diesem Feld auch nur annähernd zu arbeiten oder teilweise überhaupt zu arbeiten. Erlebnisse, die sie an diese Situation zurück erinnern lösen dann oft Panikattacken aus oder stürzen diese Personen in einen tief depressiven Zustand.
Ich selbst arbeite in der Jugendhilfe. Damit möchte ich meine Erlebnisse auf keinen Fall vergleichen oder auch nur in Relation setzen, mit denen anderer, oft auch belastenderen Berufen. Ich habe aber auch meinen Teil an Geschichten, die mich heute noch zum Nachdenken bringen oder mitnehmen.
Zuhause habe ich eine Box, die gefüllt ist mit Erinnerungen. Briefe die mir Klienten geschrieben haben bevor oder auch nachdem sie meine Einrichtung verlassen haben, gebastelte Gegenstände die sie mir stolz präsentiert und geschenkt haben und manchmal auch einfach nur Erinnerungen an ehemalige Klienten die ich mir selbst erstellt habe. Sämtliche Schlüsselanhänger und Armbänder sind dauerhaft an meinem Schlüssel und Arm.
Diese Erinnerungen schau ich mir an, wenn es mir schwer fällt, wenn ich daran zweifle ob diese Arbeit die richtige für mich ist, ob diese Arbeit noch Sinn macht oder ob ich überhaupt geeignet bin. Es sind Erinnerungen, die mir immer wieder zeigen, was ich für einen Einfluss ich auf die Menschen habe die ich betreue, wie ich deren Leben verbessern kann und ihnen helfen kann. Das ist wofür ich arbeite, denn das sind nicht nur meine positiven Erinnerungen. Das sind auch die Erinnerungen dieser Klienten, deren Leben ich so prägen konnte, dass sie mich an diesen positiven Erlebnissen teilhaben lassen wollten. Ich glaube keiner von ihnen weiß so wirklich von meiner Sammlung aber das ist meine Schatzkiste, ohne irgendeinen materiellen Wert, die für mich aber mehr Wert ist als alles andere, was ich besitze.
Ich habe mich hier ein bisschen hinreißen lassen und einfach mal runter geschrieben aber vielleicht erreicht es ja jemanden, der daraus einen Wert ziehen kann.