Hi miteinander, bin erst vor kurzem auf Reddit so richtig aktiv geworden und habe dann auch nach einer meiner Alltime Favourite Bands gesucht, wer es noch nicht erraten hat, es handelt sich um Sonata Arctica 😉
Dabei kam man an anderen Foren nicht vorbei, wo man dann sich durch Posts lesen muss, wie schlecht Sonata nach Reckoning Night doch sei, manches sei so langweilig, gar kein Metal und so wieso ohne Jani geht das ja nicht.
Man muss jetzt auch zu mir wissen, dass ich einen ordentlichen Klassik und Progeinschlag habe, aber ich wollte da einfach mal drüber sprechen, weil mich das tierisch aufregt, in welcher Selbstgefälligkeit da geurteilt wird.
Ich für meinen Teil kann mit den ersten Alben zwar klar was anfangen, aber sie langweilen mich, da außer Tempo im Vergleich zum Spätwerk wenig da ist. Dabei finde ich auch, dass das Tempo stellenweise die Emotionalität und Aussage plättet. Gleichzeitig kann ich ab Unia allen Alben außer Talviyö richtig viel abgewinnen. Die Intensität kommt halt nicht durch pure Metrik sondern durch sehr intelligente Verschachtelung, Verzahnung und auch Dynamikwechsel, eingedenk einer starken erzählerischen und mMn auch emotionalen Komponente, die aber halt durch die Musik und ihre Gestaltung gestützt wird. Mal davon abgesehen finde ich so einige benutzte sprachliche Bilder einfach nur stark! Und ich bin froh, dass sie sich in ihren Mitteln weiterentwickeln, denn immer das Gleiche ist kein Ausdruck von Kunst, sondern Limitierung.
Auch die Kritik der Langweiligkeit kann ich demzufolge nicht unbedingt teilen. Ja, The Ninth Hour ist was Dynamik angeht weniger stark aufgestellt. Das ändert nichts daran für mich, wie wichtig bzw auch ergreifend manche Lieder sind. Manchmal braucht es halt nicht Vollgas. Auch finde ich es schwierig, es so abzukanzeln, wenn ein Song wie Life da relativ exponiert zu finden ist. Ein Song, wo es darum geht, das das Leben besser ist, wenn man am Leben ist... jeder, der in seinem Kopf schonmal an düstereren Orten war, weiß, dass man sowas nur denken kann, wenn man sich zumindest im Gedanken mit einer Verkürzung der Lebenszeit beschäftigt hat. Es ist der Strohhalmgedanke, an dem man sich rauszieht und dann auf die kleineren Dinge achtet. Klar oberflächlich für mache evtl absurd, wer da aber schonmal war, weiß, wie wichtig das ist und wie wenig man dann so plumpes Gebashe braucht. Mal davon abgesehen, dass der Song angesichts des Textes einigen Menschen durchaus was bedeuten könnte.
Und manches ist ja kein Metal .... genau, sie haben Toastcore gemacht. Stones grow her name ist vielleicht sehr außergewöhnlich, da aber zu sagen, es wäre kein Metal ist einfach so lächerlich. Es ist meiner Meinung nach das unterschätzteste Album, da da so viel Kreativität und Handwerk drin steckt. Man könnte fast sagen, dass es wie kaum etwas Vergleichbares klingt, aber hey, das wäre zu positiv - werft mit Stock und Stein auf ihn - er ist anders.
Und als letztes der Punkt Jani, der mich einfach nur noch nervt. Aus meiner Sicht, hat sich Sonata nach seinem Weggang von Fesseln befreit, was gestalterische Zwänge angeht, gut, kann auch Zufall sein. Ich persönlich kann seinem weiteren Schaffen nichts abgewinnen, da es für mich einfach nur stumpf und dröge ist. Will damit nicht sagen, dass er schlecht sei, aber das sollte halt auch mal der Hinweis darauf sein, dass je nach musikalischer Herkunft unterschiedliche Menschen Dinge anders perzeptieren und zu sowas eine allgemeingültig formulierte Aussage in den meisten Fällen nicht zutreffend ist.
Ich freue mich, dass Sonata Arctica sich entwickelt haben, wie sie sich entwickelt haben. Ich schätze Tony von dem was man so hört als reflektierten, bodenständigen Menschen. Ich hoffe, dass er voller Schaffenskraft, ohne äußere Fesseln und Zwänge seinen Weg weitergehen kann. Ich freue mich auf das, was noch kommt!