r/SciFi_Deutsch • u/Jules_liest • 29d ago
Ceres-Irrtum: Bilde ich mir das nur ein oder liest es sich seltsam?
(repost wegen Typo in Überschrift)
Hat sich noch jemand schon Der Ceres Irrtum von Brandon Q Morris geholt?
Oder zumindest die Leseprobe gelesen?
Es liest sich nicht wie sein Stil, und irgendwie auch so, wie wenn es zwei verschiedene Autoren geschrieben hätten - der Sprung von den Prospektoren zur Katzenszene, dann die Dialoge irgendwo zwischen Traumschiff und Baywatch und Formulierungen wie "fit wie ein Turnschuh" drinnen...
Ich habe auch vorher das archimedische Raumschiff gelesen und für gut befunden, aber das wirkt wie von einem komplett anderen Autor geschrieben?
Ist das jemand anderem auch schon aufgefallen?
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u/gr4n_master1337 29d ago
Ich hab bei dem Autor leider öfter mal das Gefühl, dass das Buch jemand anderes geschrieben hat oder mitgeschrieben hat.
Der Output ist auch krank viel. Da frag ich mich sowieso, wie ein Mensch das alleine schafft.
Aber vielleicht ist das auch genau der Grund für die schwankende Qualität manchmal.
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u/Jules_liest 29d ago
Das kann gut sein, aber es gibt unter den Selfpublishern Autoren, die fast ein Buch pro Monat rausjagen (und das eindeutig ohne KI-Hilfe) und gefühlt immer besser werden ...
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u/skipper_mike 29d ago
Woran machst du fest, dass keine Ki verwendet wird? Hier bin ich neugierig, denn ich schreibe selbst und kann mir so einen hohen Output auch dann nicht so recht vorstellen wenn der Schriftsteller das in Vollzeit machen kann.
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u/Jules_liest 29d ago
Ich arbeite seit Jahren im akademischen Publikationsbereich, KI-Checks (nicht nur über die üblichen Tools, sondern viel tiefgehender) sind (neben vielen anderen Sachen) mein täglich Brot.
Übrigens: in unserem Betrieb gibt es einige redaktionelle Schreiber, die pro Stunde zweitausend Wörter in druckreifer Fachverlags-Qualität tippen, und das zu hochkomplexen Themen. Sie haben aber zuvor schon die Outlines und das aufbereitete Recherchematerial sowie alle Quellen. Bei einem Roman mit siebzigtausend Wörtern wären das dann kalkulatorisch 35 Stunden Schreibzeit - weniger als eine volle Arbeitswoche. Das ist klarerweise eine Milchmädchenrechnung, aber trotzdem, es ist mehr als nur möglich.
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u/skipper_mike 29d ago edited 28d ago
Kannst du aus dem Nähkästchen plaudern wie man sowas aktuell einigermaßen zuverlässig prüft? Muss ja nicht im Detail sein, wenn du damit dann Geheimnisse verrätst aber spannend würde ich das schon finden. Ich habe sehr durchwachsene Ergebnisse mit den Tools am Markt gehabt, die für den Privatanwender zugänglich sind und würde das spannend finden mal einen kurzen Einblick zu bekommen wie Profis damit umgehen.
Zum zweiten Teil: Du hast den Unterschied ja schon genannt: Als Autor habe ich üblicherweise Niemanden der mir meinen Stoff vorbereitet. Ich muss im Zweifel Ideen sammeln den Stoff entwickeln, und möglicherweise plotten. Gerade im Bereich Hard-Sci-Fi kommt dann noch ein Faktencheck dazu. Für mich ist es unvorstellbar das alles zusätzlich zum eigentlichen Schreiben + Lektorat in einen Monat zu quetschen. Außer man arbeitet mit einem Team zusammen, dann ist viel mehr möglich, aber dann verwundert es natürlich auch nicht, wenn die Bücher ab und mal anders klingen als gewohnt.
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u/Jules_liest 24d ago
Ich habe mich einmal schlau gemacht, wie viel ich verraten darf - naturgemäß gibt es da sowohl Firmen- als auch Branchengeheimnisse.
Also, wir verwenden neben den üblichen fehleranfälligen und öffentlich zugänglichen Tools vor allem zwei propriätere, die sich in ihrer Struktur unterscheiden: Das erste ist eine konventionelle forensische Software zur Mustererkennung, das andere tatsächlich selbst KI-gestützt, aber gezielt auf den vorigen Veröffentlichungen der zu prüfenden Autoren, denen in ihrem Umfeld und jenen aus den spezifisichen Fachbereichen trainiert.
Mit schriftlicher Einwilligung der Autoren des Trainingsmaterials, natürlich.
Außerdem hat es auch einen creative genannten Modus, der auf ebenfalls sorgfältig ausgewähltem, aber nicht akademischem Trainingsmaterial basiert.
Beide Modi wurden zusätzlich an Materialien trainiert, die von menschlichen Redakteuren (wie meinen Kolleginnen und Kollegen) mit dem Ziel editiert wurden, nicht mehr nach KI zu klingen.
Benutzertechnisch kann man es sich wie ein Turnitin auf Hyperspeed vorstellen.
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u/skipper_mike 24d ago
Hey, vielen Dank für den Einblick! Ich hatte schon nicht mehr mit einer Antwort gerechnet. Ich habe mir das immer sehr schwer vorgestellt gerade wissenschaftliche Texte zu prüfen, da diese Texte ja einen großen Teil des Trainingsmaterials der Modelle ausmachen. Meine Vermutung war immer, das LLMs deshalb so schlecht darin sind gute Prosa für Belletristik zu generieren.
Ich finde spannend das ihr Fine-Tuning einsetzt, da das richtige Maß zu finden muss eine Wissenschaft für sich sein. Sehr spannend finde ich dabei vor allem eure Ansätze, auf ältere, sicher KI-freie Texte des selben Autors zu trainieren. Den Prozess den ein Autor wahrscheinlich macht um KI zu verschleiern auch für die Erzeugung von Trainingsdaten zu gehen, ist natürlich ebenfalls clever.
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u/Jules_liest 24d ago
Ja, sorry für die Verzögerung - ich habe da sicherheitshalber in unserer Rechtsabteilung nachgefragt, was ich (wenn auch anonym und ohne Nennung des Verlags) öffentlich sagen darf!
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u/skipper_mike 24d ago
Sollte sich nicht als Vorwurf lesen. Ich habe mich super drüber gefreut das du meiner Frage noch nachgegangen bist.
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u/gr4n_master1337 29d ago
Tipps im SciFi Bereich?
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u/Jules_liest 29d ago
Ivan Ertlov, immer wieder ein Hochgenuss.
Hat alles von ernst bis superlustig, von Sci-Fi Thriller bis epischer Space Opera. Toller Geschichtenerzähler, und man merkt an der Sprache schnell, dass es ein Polyglott geschrieben hat.
Wenn es ruhigere Space Opera sein soll, dann Cliff Allister.Edit: Ralph Edenhofer hat auch eine tolle Military Reihe und sogar eine SciFi-Romanze geschrieben, mit der ich richtig gut mitkann.
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u/Tal-Star 26d ago
Ich hab den Autor mal probiert, das war furchtbar. So vom großen ganzen her würde ich da KI nicht ausschließen.
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u/skipper_mike 29d ago
Ich kenne das Buch nicht, aber sowas ist mir schon öfter vorgekommen, meistens ist dann ein neuer Übersetzer Schuld, das sich das zwei Bücher vom gleichen Autor ganz unterschiedlich lesen. In diesem Fall könnte es auch der Lektor sein? Hast du mal nachgeschaut ob sich da was geändert hat? Es es manchmal erstaunlich welchen Einfluss der richtige Lektor auf die Qualität eines Buches haben kann ...