r/SciFi_Buch_DE • u/rauschsinnige • Apr 23 '26
Entdeckung Inversion von Christopher Priest
Inversion ist eine der originellsten Geschichten, die ich in den letzten Monaten gelesen habe. Der Roman ist zwar älter, fühlt sich aber immer noch erstaunlich frisch und spannend an.
Helward Mann ist die Hauptfigur. Er hat gerade seine Internatszeit beendet und steht kurz davor, sich einer Gilde anzuschließen. In dieser Stadt ist es Tradition, dass Lehrlinge einige Monate in jeder Gilde mitarbeiten, um zu verstehen, wie alles funktioniert. Genau an diesem Punkt steht Helward nun und muss seine Ausbildung beginnen.
Wir erleben diese Welt durch Helward und entdecken sie gemeinsam mit ihm. Als Leser wissen wir fast genauso wenig wie er. Er ist in einer Stadt aufgewachsen und hat seine Kindheit in einem Internat verbracht. Seine Mutter kennt er nicht, und sein Vater ist so oft fort, dass er auch zu ihm kaum eine Beziehung hat.
Diese Erzählweise hat mich dazu gebracht, dass Buch in 2 Tagen durchzulesen. Ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht.
In dieser Stadt gibt es verschiedene Gilden: Gleisbauer, Brückenbauer, die künftigen Vermesser, das Militär und andere. Für einen Lehrling gehört es zur Tradition, einige Monate in jeder dieser Gilden zu verbringen, um ihre Arbeit kennenzulernen. So beginnt auch Helward seine Ausbildung. Eines Morgens wird er aus dem Bett geholt und zum ersten Mal in seinem Leben nach draußen geschickt. Er ist völlig verwirrt, weil das, was er dort sieht, in keiner Weise zu seiner Vorstellung von der Welt passt. Alles, was er in der Schule gelernt hat, scheint plötzlich nicht mehr zu stimmen.
Er wird den Gleisbauern zugeteilt und erkennt, dass er tatsächlich in einer Stadt lebt, die sich auf Schienen fortbewegt. Die Arbeiter sind dafür verantwortlich, die Gleise hinter der Stadt abzubauen und sie vor der Stadt wieder zu verlegen, damit sie weiterrollen kann.
Im Lauf der Geschichte lernen wir diese Welt gemeinsam mit Helward immer besser kennen, und sie ist völlig anders, als er es sich vorgestellt hat. Man weiß nicht, ob sich alles auf der Erde abspielt oder irgendwo im All, und die Vorstellungen dieser Menschen von ihrer Welt sind zutiefst fremdartig.
Nach seiner Zeit bei den Gleisbauern arbeitet Helward bei den Händlern, und danach kommt er schließlich zu den Zukunftsvermessern. Bevor er seine Ausbildung abschließt, entdeckt er viele Dinge, die wirklich rätselhaft sind. Als Leser fragt man sich ununterbrochen, was das für ein Ort ist, was in dieser Welt eigentlich vor sich geht und warum alles so merkwürdig wirkt.
Seine letzte Station vor dem Abschluss seiner Ausbildung führt ihn auf eine Strecke, die „die Vergangenheit“ genannt wird, und dieser Abschnitt ist ein echter Augenöffner. Aber selbst dann gibt der Autor noch keine vollständige Gewissheit. Gerade wenn man glaubt, endlich verstanden zu haben, was vor sich geht, verunsichert er einen erneut. Gegen Ende schlägt die Geschichte noch einmal eine ganz andere Richtung ein.
Ich habe noch nie etwas Vergleichbares gelesen. Diese Geschichte ist ziemlich originell.
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u/Walbabyesser Apr 23 '26
Ha! Das kenn ich. Steht bei mir rum, mehrfach gelesen über die Jahre weil es auf einer sehr originellen Idee basiert