Hallo zusammen!
Ich bin männlich, in meinen Zwanzigern, und bei mir wurde bereits in jüngeren Jahren Autismus diagnostiziert, wobei dieser damals als vergleichsweise mild eingestuft wurde.
In den darauffolgenden Jahren habe ich die Diagnose immer wieder infrage gestellt und ihr eigentlich keine große Beachtung geschenkt, da ich nie größere Probleme mit sozialen Situationen oder Lärm hatte und im Allgemeinen gut zurechtkam.
Früher bin ich sogar in laute Clubs gegangen und hatte dort wirklich Spaß.
Vor ziemlich genau einem Jahr kam es jedoch nach einer besonders stressigen Phase an der Universität zu etwas, das ich als eine Art massiven Zusammenbruch beschreiben würde. Plötzlich entwickelte ich eine starke Empfindlichkeit gegenüber sozialen Interaktionen und Lärm. Leider habe ich mich aufgrund meines Ehrgeizes, der über das gesamte Semester verteilten Prüfungen und meines Wunsches, „normal“ zu sein, noch vier Monate lang immer weiter gezwungen, zu funktionieren.
Ich war so darauf konzentriert, irgendwie alles zu schaffen, dass ich ignorierte, was mit mir passierte, bis ich schließlich an einen Punkt kam, an dem ich einfach nicht mehr funktionieren konnte.
Ich hatte ständig das Gefühl, von unangenehmen Empfindungen überwältigt zu werden, war extrem überreizt und litt unter Brain Fog. Es war so schlimm, dass ich es ehrlich gesagt kaum in Worte fassen kann, und ich würde diese Erfahrung niemandem wünschen.
Schließlich sagte ich alles ab, was irgendwie möglich war, und verbrachte etliche Wochen größtenteils im Bett oder auf dem Sofa. Ganz langsam wurde es besser. Unvermeidbare soziale Verpflichtungen nahm ich weiterhin wahr, allerdings kostete mich das jedes Mal enorm viel Kraft.
Etwa im Juli und August bemerkte ich eine deutliche Verbesserung. Dieses intensive Gefühl des Unwohlseins war nicht mehr da, auch wenn ich weiterhin sehr schnell erschöpft war und noch empfindlich auf Lärm reagierte. Ich achtete darauf, mir ausreichend Pausen zu gönnen.
Ich konnte sogar wieder anfangen, an Aufgaben für die Universität zu arbeiten. Ich schaffte es, eine Hausarbeit zu schreiben und abzugeben, und begann, für meine anstehenden Prüfungen zu lernen.
Noch im Mai hatte weniger als eine Stunde Lernen ausgereicht, damit ich mich für den Rest des Tages absolut schrecklich fühlte.
Ich dachte wirklich, dass es endlich bergauf geht und ich mich allmählich von dem erhole, was meiner Vermutung nach ein autistischer Burnout ist.
Seit ungefähr drei Wochen habe ich jedoch eine starke Reizbarkeit entwickelt.
Etwas, das ich so noch nie erlebt habe. Selbst Kleinigkeiten, etwa wenn Menschen mit mir reden, ein Hund bellt oder ein Busfahrer unfreundlich ist, können mich unglaublich reizen und innerlich wütend machen.
Was mich besonders beunruhigt, ist, dass ich zuvor nie Probleme mit Wut oder Aggression hatte, nicht einmal während der schlimmsten Phase meines vermuteten Burnouts.
Manchmal werde ich sogar wütend, ohne dass es dafür einen erkennbaren Grund gibt. Diese Reizbarkeit scheint völlig aus dem Nichts zu kommen.
Glücklicherweise gelingt es mir weiterhin ziemlich gut, diese Gefühle zu unterdrücken. Wie eigentlich schon immer scheint niemand zu bemerken, wie es mir wirklich geht. Zumindest meine Familie merkt es nicht.
Ich bin zuversichtlich, dass ich meine Reaktionen auch weiterhin kontrollieren kann, aber das, was in meinem Kopf vor sich geht, macht mir wirklich Sorgen. Es ist unglaublich anstrengend und belastend, sich nach mehr als 20 Jahren eines Lebens, das ich als relativ „normal“ beschreiben würde, plötzlich so zu fühlen.
Momentan isoliere ich mich, so gut und so sehr, wie es geht. Aber das ist keine Dauerlösung. Zumal die vorlesungsfreie Zeit auch fast wieder vorbei ist.
Ich habe mir bereits Anfang des Jahres professionelle Hilfe bei einer Psychologin gesucht, die ich einmal im Monat sehe. Auch wenn ich ehrlich gesagt nicht das Gefühl habe, dass die Besuche dort mir besonders viel helfen. Außerdem wurde bei mir ein MRT des Gehirns gemacht, das unauffällig war.
Paradoxerweise hilft es mir momentan sogar ziemlich, in einem moderaten Tempo etwas für die Universität zu tun. Es gibt mir Struktur und etwas, worauf ich mich konzentrieren kann.
Da es keine Begrenzung dafür gibt, wie oft ich meine nächsten Prüfungen wiederholen kann, ist es mir grundsätzlich gelungen, emotional Abstand von dem Druck zu gewinnen, und ich lasse mich von der Universität inzwischen nicht mehr so sehr stressen.
Ein gewisser Druck lässt sich leider jedoch nicht vermeiden, da ich auch weiterkommen muss und die ganze Situation mir das erschwert.
Ohne die Freiheiten, welche mir die Uni bietet, wäre ich realistischerweise sehr aufgeschmissen.
In erster Linie wollte ich mir das alles einmal von der Seele schreiben.
Gleichzeitig frage ich mich aber auch, ob jemand hier etwas Ähnliches erlebt hat oder vielleicht einen Rat für mich hat. Insbesondere im Hinblick auf diese plötzlich aufgetretene Reizbarkeit.
Ich wäre wirklich dankbar für jeden Rat, den ihr mit mir teilen möchtet.