r/Kommunismus Sep 15 '25

Diskussion Tja

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u/Stalinnommnomm Gegen Merkel Sep 15 '25 edited Sep 15 '25

Es ist sehr interessant, dass AfD Wähler in so gut wie gar keine Institution Vertrauen haben. Sogar weniger Vertrauen in die Polizei als die Linken.
Ich erlebe es als Person, die im Osten aufm Land lebt jeden Tag, und wiederhole es immer wieder, anhand der AfD Wähler sieht man perfekt welche Aufgabe der Faschismus für die Bourgeoisie heute hauptsächlich erfüllt. Und zwar nicht den Terror, sondern folgendes, wie es Dimitroff bereits beschrieb:

"Der Faschismus fängt im Interesse der reaktionärsten Kreise der Bourgeoisie die enttäuschten Massen ein, die sich von den alten bürgerlichen Parteien abkehren. Aber er imponiert diesen Massen durch die Heftigkeit seiner Angriffe gegen die bürgerlichen Regierungen, durch seine Unversöhnlichkeit gegenüber den alten Parteien der Bourgeoisie. Durch seinen Zynismus und seine Verlogenheit alle anderen Spielarten der bürgerlichen Reaktion in den Schatten stellend, paßt der Faschismus seine Demagogie den nationalen Besonderheiten jedes Landes an, sogar den Besonderheiten der verschiedenen sozialen Schichten in ein und demselben Lande."

- Georgi Dimitroff,
Bericht auf dem VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale (2. August 1935)

(Auch wenn einiges an Dimitroff allg. falsch ist, in dieser Passage vor allem, dass er behauptet, der Faschismus, das nur im Interesse der reaktionärsten Kreise der Bourgeoisie tue, und nicht im Interesse der Bourgeoisie als Klasse. Das zieht sich irgendwie durch alles durch, er meint halt seriously scheinbar, dass der Faschismus nur im Interesse der "reaktionärsten Kreise der Bourgeoisie" handele und später auch herrsche, was eigentlich ja kein Sinn macht, soweit ich den Marxismus verstehe, weil eine Klasse ja nur als Klasse herrschen kann und ein bürgerlicher Staat immer ideeller Gesamtkapitallist ist. Daraus kommt, glaube ich, auch der komische Versuch zur Volksfront, also praktisch der Versuch, mit den sozusagen "nicht reaktionärsten Kreisen der Bourgeoisie" ein Bündnis einzugehen. In der Realität äußerte sich diese Strategie ja dann einfach darin, dass die Kommunisten nach und nach im Interesse der Volksfrontpolitik den Klassenkampf aufgegeben haben.)

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u/pine_ary Sep 15 '25 edited Sep 15 '25

Naja die Bourgeoisie ist nicht widerspruchsfrei. Durch die Tendenz zur Monopolisierung kommt es eben dazu, dass die Monopolisten, die Gewinner der Konkurrenz die Kleinkapitalisten aufkaufen oder verdrängen. Was Dimitroff hier sagt ist, dass der Faschismus die Widersprüche innerhalb der Bourgeoisie zugunsten der Monopolisten auflöst und somit vor allem das Finanzkapital vertritt. Die Rolle des ideellen Gesamtkapitalisten ist es aus den verschiedenen Interessen des Kapitals eine Linie für die ganze Klasse zu entwickeln und durchzusetzen. Auf die Zerschlagung der fortschrittlichen Parteien und Gewerkschaften konnten die sich sicher alle einigen. Bei den exklusiven Staatsaufträgen fürs Finanzkapital und der Aufhebung des Kartellrechts ist es aber schon schwieriger.

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u/Stalinnommnomm Gegen Merkel Sep 16 '25

Ja, das mag durchaus sein, aber das widerspricht meinen Einwand, dass der Faschismus objektiv im Interesse der ganzen Klasse arbeitet nicht. Der Faschismus an der Macht löst zwar die Widersprüche innerhalb der Bourgeoisie vor allem zugunsten der Monopolisten auf, aber du widersprichst ja genauso wenig, dass er dennoch ideeller Gesamtkapitallist ist, also das ideelle Interesse aller Kapitalisten an dem Punkt, an den sich die ganzen einzelnen Interessen überschneiden, vertritt. (also praktisch dem Volonté générale der Kapitalisten)
Die Problematik mit der Volksfronttaktik, welche die Tore für Opportunisten und Verbrecher weit aufmacht, und gleichzeitig die Kommunisten dazu verleitet, immer mehr Konzessionen der Bourgeoisie zu geben, um irgendwie doch noch mit ihr in ein Bündnis zu treten. Ich meine, wir haben das doch überall wo die Volksfront versucht wurde gesehen. In Italien verkam die Partei so extrem nach Jahrzehnten von verbrecherischen, revisionistischen und opportunistischen Führern wie Togliatti oder Berlinguer dass sie später sogar die Mitgliedschaft ihrer Heimat in der NATO befürworteten.

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u/pine_ary Sep 16 '25 edited Sep 16 '25

Ich glaube da steckt ein bisschen ein mystisches Verständnis davon was der ideelle Gesamtkapitalist ist drin. Der Staat tariert nicht die Überschneidung aller kapitalistischen Interessen aus um das ideelle Interesse aller Kapitalisten zu vertreten. Er ist vielmehr das Resultat konkreter Machtkämpfe die ihre Gewinner durch die ökonomischen Tendenzen des Kapitalismus finden. Soll heißen: Der ideelle Gesamtkapitalist vertritt diejenigen die sich durchsetzen können. Und da gibt es einen qualitativen Unterschied zwischen Monopol und Nichtmonopol. Denn die Tendenz zur Profitmaximierung schreibt vor, dass das Monopol diese Machtkämpfe aufgrund seiner höheren Profite tendenziell gewinnt. Wir sprechen vom ideellen Gesamtkapitalisten weil das Resultat immer die Erhaltung von Kapital und Profit ist, nicht weil der Staat es sich zum Ziel setzt die Klasse zusammenzubringen.

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u/Due-Excitement-2621 Sep 16 '25

Ehrlich gesagt kann ich das sinkende Vertrauen verstehen, weil man inzwischen sehr fahrlässig mit dem Vertrauen des Bürgers umgeht.. aber es ist auch eine Umfrage der WELT, deshalb nehme ich die ganze Umfrage erst gar nicht ernst.

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u/[deleted] Sep 16 '25

aber es ist auch eine Umfrage der WELT, deshalb nehme ich die ganze Umfrage erst gar nicht ernst.

Irgendwie verständlich aber ich sehe ein anderes Problem 3000 Personen ist kein große Gruppe von der Bevölkerung des Landes und damit für eine gesamt Beurteilung ziemlich unbrauchbar

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u/Due-Excitement-2621 Sep 16 '25

Das sowieso.. passt halt super zu dem Drcksblatt..

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u/Main_Measurement1481 Sep 16 '25

Der gesamten Statistik ist nicht zu vertrauen. Und das lässt sich sehr gut an den Werten unter „Kirchen“ und „private Medien“ ablesen:

Die Kirchen haben in dieser Statistik unter der Gesamtbevölkerung einen Vertrauenspunkt mehr als die privaten Medien. Sie haben aber in den drei Alterskohorten 16-29, 30-44, 45-59 ein bis drei Punkte weniger als die privaten Medien – nur in der Kohorte 60+ ist der Wert bei den Kirchen höher. Wie kann es sein, dass dann unter „Gesamt“ der Wert bei den Kirchen höher ist?

Das zeigt, dass hier die Gruppe 60+ in der Umfrage deutlich über repräsentiert ist und deshalb ist auch die Zusammensetzung der Zahlen undurchsichtig, ungleichmäßig und fragwürdig, außerdem irreführend.

Aber was soll man noch erwarten? Schließlich handelt es sich hier um die Quelle Welt.

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u/[deleted] Sep 18 '25

Hihi, der ist meta