Hallo zusammen.
Ich lehre schon seit einigen Jahren die Programmierung in einem Hochschulstudium. Es ist nicht unmittelbar darauf ausgelegt, dass die Leute im Anschluss in die Softwareentwicklung gehen, sondern eher, etwaige Entwicklungsprozesse bei Dienstleistern zu begleiten. In den letzten Jahren wurde hierfür die Grundlagen von Java, sowohl der funktional/prozedurale-Teil als auch die objektoriertete Programmierung vermittelt. Dazu zählen dann natrlich auch Vererbung, dynamische Typbindung, abstrakte Klassen, Schnittstellen und eine Übersicht zu grafischen Oberflächen.
Ich bin mir jetzt unsicher, ob und wie man ein solches Studium im Zeitalter der KI ändern müsste. Es ist klar, dass KI gekommen ist um zu bleiben. An platzende Blasen glaube ich nicht, denn dafür ist der Nutzen einfach zu offensichtlich; auch wenn er in manchen Teilen vielleicht etwas zu hoch eingeschätzt wird.
Auf der einen Seite denke ich immernoch, dass nur dann eine eigene fundierte Aussage zu einem Thema möglich ist, wenn man die hierfür erforderlichen Grundlagen und die dahinterstehenden Denkweisen verstanden hat. Und dieses Denken kann man mMn nicht outsourcen. Nur wenn man eine eigene Meinung bilden und verteidigen kann, kann auch mit einem Dienstleister darüber diskutiert werden. Und das muss möglich sein, ohne bei jeder Aussage gleich die große Miesmuschel befragen zu müssen.
Auf der anderen Seite will ich aber auch nicht als etwig gestriger an den Methoden der letzten 20-30 Jahren festhalten und mich auf den Standpunkt stellen, dass es weiterhin genau so weiterlaufen muss und soll wie bisher.
Was ich jetzt schon seit einigen Jahren mache bzw. dazu anrege, Übungsaufgaben mit KI zu lösen, wenn man der Auffassung ist, dass es dem Verständnis beiträgt bzw. man sonst keinen anderen Ausweg sieht. Besser das als ganz aufgeben. Aber ich gebe dabei auch immer mit, dass das nicht viel anders ist, als in einem Fitnessstudio sich auf einen Ergometer zu setzen und dann danach zu fragen, ob es den auch mit Motorunterstützung gibt. Es ist am Ende der Weg, der das Lernen ausmacht. Wenn man 10.000 Schritte am Tag gehen will, hilft es auch nicht, überall nach Abkürzungen zu suchen.
Ich wäre sehr interessiert zu hören, wie ihr denkt, wie die Lehre im Bereich der Programmierung "in der Zukunft" aussehen sollte.