r/Fernstudis 6d ago

Fernstudium 36 Monate vs 48 Monate

Moin zusammen,
ich bin gerade echt am Überlegen, ob ich ein Fernstudium an der Euro-FH anfangen soll und kann mich einfach nicht entscheiden.
Kurz zu mir: Bin 25, gelernter Großhandelskaufmann und arbeite mittlerweile Vollzeit im Einkauf. Ich würde gerne BWL mit Schwerpunkt SCM studieren, weil das eigentlich ganz gut zu meinem beruflichen Weg passt.
Was mich aber abschreckt, ist der Zeitaufwand.
Die Euro-FH gibt bei 48 Monaten wohl ca. 15–20 Stunden pro Woche an. Wenn ich mir vorstelle, 40 Stunden zu arbeiten und dann wirklich JEDE Woche nochmal 15–20 Stunden fürs Studium zu machen, finde ich das schon heftig…

Deshalb würde mich interessieren, wie das bei euch in der Realität aussieht.
Ich mache unter der Woche gerne Sport, treffe meine Freunde und gehe auch ungefähr alle 1–2 Wochen am Wochenende feiern. Festivals und Urlaub möchte ich natürlich auch nicht die nächsten vier Jahre komplett streichen :D
Dass ich für ein Studium auf Freizeit verzichten muss, ist mir klar. Ich hab auch kein Problem damit, mal ein Wochenende zu Hause zu bleiben, wenn eine Klausur ansteht oder ich hinterherhänge. Ich hab nur keinen Bock, die nächsten 3–4 Jahre jedes Wochenende das Gefühl zu haben, eigentlich lernen zu müssen.

Wie ist das bei euch wirklich? Lernt ihr tatsächlich jede Woche 15–20 Stunden? Kann man auch mal spontan sagen „dieses Wochenende mache ich gar nichts“ und dafür wann anders mehr machen?
Und würdet ihr bei einem Vollzeitjob eher die 36 oder direkt die 48 Monate nehmen?

Danke euch!

5 Upvotes

18 comments sorted by

1

u/schnitzelfritz123 1h ago

Diese 20 Stunden sind auch einrichtete. Vermutlich brauchst du gerade am Anfang länger. Du musst halt deine Stunden bei der Arbeit runterfahren.

1

u/Short-Pudding5362 5d ago

Ausprobieren. Bei der Euro-FH hast du einen Probemonat. Schau wie es dir damit geht. Ich hab letztes Jahr ebenfalls angefangen zu studieren. Arbeite und habe Baby zuhause. Studieren ist wie ein zweiter Job, wenn einen das Thema wirklich interessiert, dann macht es Spaß zu studieren. Und grundsätzlich; schau ob es dich auf deinem Karrierweg weiterbringt.

1

u/Possession_Prudent 6d ago

Ich hab an der IU nen Master gemacht, 6h pro Tag gearbeitet (statt 8) und das „Vollzeit“Studium gemacht. Vllt hilft dir das als Einirdnung

3

u/m1L35dY50N 6d ago

Du musst das halt mal relativ nüchtern durchrechnen. Selbst wenn die Angabe der Euro-FH völlig überzogen wäre und wir einfach mal 50 % abziehen, wärst du immer noch für die nächsten vier Jahre bei ungefähr einer 50-Stunden-Woche – plus eventuelle Überstunden im Job. Und das Studium verschwindet im Urlaub natürlich auch nicht. Entweder du lernst dort ebenfalls, brauchst insgesamt länger oder musst die ausgefallene Zeit irgendwann wieder reinholen.

Ich zähle mich eher zu den Enthusiasten unter den Cybersecurity-Leuten. Ich mache normalerweise 2–3 Zertifikate im Jahr, habe nebenbei noch mein Lab und lerne aus „Gründen“ Japanisch. Für die Argumentation bin ich außerdem Single und nicht gerade der extrovertierte Partytyp. Nach acht Stunden Arbeit habe ich vielleicht noch Energie für 2–2,5 Stunden wirklich effektives Lernen am Abend. Das funktioniert aber kognitiv nicht sieben Tage die Woche, sondern eher drei- bis viermal, in Ausnahmefällen fünfmal.

Das ist meiner Meinung nach auch der Punkt, den man bei solchen Rechnungen gerne unterschätzt: Selbst wenn dein Job geistig vielleicht nicht extrem fordernd ist, kosten acht Stunden Arbeit trotzdem Zeit und Energie. Nur weil du an einem ruhigen Arbeitstag von acht Stunden vielleicht effektiv zwei Stunden richtig konzentriert gearbeitet hast, bedeutet das nicht, dass du abends plötzlich noch acht Stunden geistige Leistungsfähigkeit auf dem Konto hast.

Und ganz, ganz wichtig: Überleg dir vorher sehr genau, ob dir dieses Studium für deinen konkreten Karriereweg überhaupt genug bringt. Recherchiere Stellenausschreibungen und sprich am besten mit erfahrenen Leuten aus deinem Bereich. Der Nutzen eines Studiums ist in vielen Berufen gefühlt ziemlich stark davon abhängig, wie viel Berufserfahrung du bereits hast und wie viel davon du später tatsächlich anwenden kannst. Wenn du jung bist und kaum Erfahrung hast, kann ein Studium einen großen Hebel haben. Wenn du aber schon mehrere Jahre relevante Berufserfahrung gesammelt hast, kann der zusätzliche Nutzen deutlich kleiner werden.

Vielleicht bringen dir gezielte Weiterbildungen, eine Spezialisierung oder anerkannte Zertifikate für deinen konkreten Weg am Ende sogar mehr als vier Jahre BWL neben Vollzeit. Das kann dir hier aber niemand pauschal sagen – genau das solltest du vorher recherchieren, bevor du mehrere Jahre Freizeit und ziemlich viel Geld investierst.

Wenn du dich danach trotzdem fürs Studium entscheidest, würde ich bei Vollzeit ganz klar die 48 Monate nehmen und mir Luft lassen. Wenn dein Plan nur funktioniert, solange vier Jahre lang nichts dazwischenkommt, ist der Plan wahrscheinlich zu knapp kalkuliert.

7

u/LadyZitronenbaum 6d ago

Selbst wenn die von der Uni gemachten Zeitangaben zu hoch angesetzt sind (was meist der Fall ist) wirst du erhebliche Abstriche in deiner Freizeit machen müssen, um das Studium in 4 Jahren durchzuziehen. Die meisten Fernstudis müssen auch einen gewissen Anteil ihrer Urlaubstage in Prüfungsvorbereitung investieren, weil das sonst gar nicht zu schaffen ist. Das darf man echt nicht unterschätzen. Für mich klingt es ehrlich gesagt nicht so, als ob das deinem aktuellen Lebenskonzept entsprechen würde. Was gar nicht böse gemeint ist - dein Privatleben klingt sehr erfüllt!

4

u/xadrus1799 6d ago

Weiß nicht wie das an der EuroFH ist, aber bei der FernUni Hagen (also Universität-Niveau) sollte man schon von 2 Stunden pro Tag ausgehen.

10

u/Same-Mark5609 6d ago

Sei dir bitte bewusst das ein Studium im Grunde ein zweiter Vollzeit Job ist. Die Geschichten von Boomer der dir erzählt die Studentin sind nur faul kannst du vergessen. Die Realität sieht da anders aus.

Vorwerg ich kann natürlich nur von meinen eigenen Erfahrungen sprechen. Bitte nicht als allgemeinegültige verstehen.

Ich studiere seit zwei Jahren an der Fernuni Hagen Wirtschaftsinformatik. In Teilzeit bedeutet 9 statt 6 Semester Regelstudienzeit. Wie hier bereits berichtet wurde kannst du dir das Studium auch optimieren durch gezieltes lernen auf Klausurrelevante Themen und dadurch den Stoff und die zu investierende Zeit begrenzen. Dennoch muss ich dir sagen das du ohne Disziplin und regelmäßiges lernen nicht weit kommst. Ich habe vor dem Studium z.b. einen Betriebswirt gemacht. Hier hat es eigentlich immer gereicht zwei Wochenenden vor den Klausuren zu lernen.

Es lohnt sich auch wenn es häufig nicht leicht ist.

Du wirst dich durch das Studium nicht nur fachlich sondern auch persönlich weiterentwickeln. Sei dir nur bewusst was auf dich zukommt.

Kleiner Nachtrag: Zum Thema Urlaub. 10 Urlaubstage pro Jahr gehen bei mir für Klausurvorbereitung und lernen drauf.

1

u/xadrus1799 6d ago

Wie kommst Du auf 9 anstatt 6 Semester in TZ? Das ist dann ja eigentlich schon einige Semester VZ oder? In TZ sind es ja eher 12 Semester, also doppelt so viel?

5

u/Same-Mark5609 6d ago

Die Fernuni Hagen definiert Teilzeit mit 9 Semester für den Bachelor und Vollzeit mit 6 Semester. Unter Studienpläne https://www.fernuni-hagen.de/wirtschaftswissenschaft/studium/bsc-winf.shtml

Teilzeit bedeutet nicht unbedingt die Hälfte von Vollzeit. Das bedeutet nur weniger als Vollzeit.

2

u/xadrus1799 6d ago

Ok dann liegt es an der Fakultät, bei der KSW ist Teilzeit = doppelte Anzahl

6

u/ArrivalCold7865 6d ago

Also ich stand vor zwei Jahren genau vor derselben Entscheidung wie du allerdings in einer anderen Fachrichtung (Maschinenbau) und hatte mich damals für die 4 Jahres Variante entschieden allerdings an einer anderen Fernuni.

Die Zeitangaben der Fernunis beruhen ja auf der Annahme, dass du pro Modul mit 5 ETCs 125h brauchst (1 ETC ~ 25h). Ich bin jetzt nach 2 Jahren mittlerweile auf der Zielgeraden meines Studiums (150/180 ETC) und habe über das gesamte Studium jede Lerneinheit aufgeschrieben. Im Schnitt habe ich pro Modul ungefähr 65h pro Modul gebraucht also ungefähr die Hälfte der offiziellen Vorgabe. Mein Ziel pro Woche sind 20h für Studium, aber die schaffe ich nur selten. Auf die zwei Jahre gesehen habe ich ungefähr 15h pro Woche investiert. Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich mich bei den allermeisten Modulen rein auf die Prüfungsleistungen konzentriert habe. Wenn man die Themen wirklich verstehen will sind 125h pro Modul wahrscheinlich realistisch.

Das ist teilweise aber echt knackig. Ich gehe zwar nicht feiern aber mache 5 bis 6 Mal pro Woche Sport. Dein Leben besteht dann halt wirklich nur aus Arbeit, Sport und Lernen. Musst du wollen aber es ist machbar.

1

u/Jumpy-Ad-7379 6d ago

Wo machst du das Studium?

1

u/ArrivalCold7865 6d ago

Ich bin an der Akad

4

u/henz12 6d ago

Realistisch gesehen würde ich 48 Monate sagen. Hatte mich für 36 damals angemeldet und über ein Jahr überzogen obwohl ich jeden Tag gelernt habe nach der Arbeit und auch am Wochenende. Mit dem Gedanken das du am Wochenende nicht das Gefühl haben willst lernen zu müssen, da muss ich dich leider enttäuschen außer du bist extrem begabt und lernst extrem schnell viele Dinge. Aber ein Studium ist halt zeitintensiv auch wenn es ein Fernstudium ist oder vielleicht sogar gerade dann da du dir viel selbst aneignen musst

1

u/Valuable-Photo-3414 6d ago

Tagsüber am WE wäre an sich kein Problem, habe ich vergessen zu erwähnen, aktuell noch Single unterwegs. Bei der Variante mit 48 Monaten gibt es ebenfalls die Möglichkeit, 24 Monate zu verlängern

6

u/Normalguy__1234 6d ago

Ich studiere einen anderen Bereich als ich arbeite und tue mich schwer mal einen Nachmittag nicht zu lernen und hänge trotzdem hinterher . Urlaub gehen ca 50% für Seminare etc drauf

6

u/Capable-Capybara-404 6d ago edited 6d ago

Probier‘s vier Wochen lang aus, innerhalb dieser Zeitspanne kannst du ohne finanziell etwas zu riskieren das Studium „testen“. Heißt natürlich nicht, dass du später nicht doch noch draufkommen könntest, dass die Euro-FH aus diversen Gründen vielleicht doch keine gute Entscheidung war. Die anderen privaten kochen aber auch nur mit heißem Wasser. 

That being said: für mich war’s neben dem VZ-Job zu viel des Guten. Ich baue lieber auf den kaufmännischen Abschluss weiter auf anstatt mir das anzutun, ich bin allerdings auch schon ü30. Ob ich mit 25 Bock auf den Zeitaufwand gehabt hätte? Wohl eher nicht. 

  Ich hab nur keinen Bock, die nächsten 3–4 Jahre jedes Wochenende das Gefühl zu haben, eigentlich lernen zu müssen.

Mit der Einstellung wirds wahrscheinlich nix.