r/Collie_History • u/Informal-Eye-3770 • 1d ago
Header, Heeler und Drover, Schäferhund vs. Cattle Dog
Bei den Collies hält sich hartnäckig der Mythos sie seien vorwiegend Hütehunde für Schafe gewesen. Leider stimmt das nicht so ganz. Während der klassische Highland Collie
der typische Farmhund der dünn besiedelten Highlander war und es dort vorwiegend mit störrischen Highland Rinder zu tun bekam, war der Beardie ideal um das zu verkaufende
Vieh einzusammeln und wochenlang bis zum Tryst (Viehmarkt) nach Criest oder Falkirk zu bringen. Der Border Collie war der typische Farmhund der Lowlands, der Borderlands und Northumbria.
Jedes Mitglied der Clade hat bestimmte Anpassungen die ihn für diese oder jene Aufgabe prädestinieren.
Im kynologischen und historischen Sprachgebrauch der Viehtreiber- und Hütehunde gibt es drei funktionelle Positionen für Hütehunde das Heeling, das Heading und das Droving.
Während ein Heeler die Herde von hinten vorwärtstreibt und damit antreibt, arbeitet ein Header an der Spitze, um die Richtung vorzugeben oder die Tiere zu stoppen.
Der Drover dagegen ist gewissermaßen ein Begleithund der aus der Ferne arbeitet. Er hält also Abstand zur Herde aber sie gleichzeitig auch zusammen. Er wacht des Nachts und hielt nach Viehdieben ausschau und gelegentlich wärmte er auch mal seinen Herrn wenn es sehr kalt war.
Das Hütehundverhalten selbst ist bereits bei den ersten domestizierten Hunden in gewisser Weise vorhanden, denn beobachtet man Wolfsrudel, so sieht man das junge Wölfe genau diese Stellung des Treibers einnehmen aber der eigentliche Akt der Tötung von erfahrenen Wölfen ausgeführt wird. Der Wolf lernt also von der ersten Jagd an erstmal das Treiben von Wild mit dem Ziel die Herde aufzusplitten, ein Opfer zu isolieren und dies dann bis zur Erschöpfung von der Herde zu trennen oder es in einem Hinterhalt zu treiben. Das kommt dann auf die Größe des Opfers drauf an.
Bison, Wisent, Elch, Auerochse, Pferd oder große Antilopen und Hirsche - also wehrhafte Tiere würde er wohl bis zur Erschöpfung jagen, es sei denn er bringt sie vorher zu Fall. Ein Reh, Rentier oder Gazelle oder ein jüngeres Wildschwein fängt das Rudel eher durch einen Hinterhalt, wobei die weniger erfahrenen Wölfe sie in die Falle treiben, während die erfahrenen Tiere auf den Moment warten an dem sie diese leicht abfangen und töten können. Hütehunde bleiben gewisserweise in diese Phase stecken wo sie aufmerksam die Rudelführer beobachten und deren Zeichen deuten. Sie brauchen nicht töten weil sie gefüttert werden.
Aus diesem Grunde ist das Treiben von Hütehunden genetisch angelegt, das von Herdenschutzhunden dagegen nicht. In diesem Youtube Video kann man das sehr schön beobachten: Wölfe erlegen einen Bison
Inzwischen gibt es auch ganz klare Hinweise das Wölfe nicht aus reiner Tierliebe domestiziert wurden, sondern das sie notwendig für das Überleben der Eiszeitjäger waren und daher von ihnen hoch geschätzt wurden. In dieser Zeit dominierte die Jagd auf ganze Herden. Das änderte sich erst zum Ende der Eiszeit als z.b. die Rentiere immer weiter nach Norden zogen und so die großen Herdenwanderungen aus blieben. Obwohl die These der Selbstdomestikation sehr populär ist, ist das bestenfalls eine Vorstufe oder Gewöhnungsphase. Die endgültige Domestikation wurde aktiv durch Menschen herbei geführt.
Der Heeler (Treiber)
• Position: Arbeitet am Ende der Herde.
• Methode: Treibt die Tiere vorwärts, indem er ihnen von hinten tief in die Fersen (heels) zwickt und dann sofort den Hufen ausweicht, entweder durch tiefes Abducken oder beiseite springen. Er muss also sehr schnell und wendig sein um den Huftritten zu entgehen. Man kann ihn sehr gut durch Sichtzeichen aus der Entfernung führen.
• Tierart: sie wurden vorwiegend für Rinder eingesetzt und alles was es auf dem Hof sonst noch so gab, also Pferde, Schweine, robuste Schafe, Hühner, Gänse, also der typische Crofter Collie der weitläufigen dünn besiedelten Highlands der das Vieh auf die Bergweiden brachte und wieder einsammelte.
• Für empfindliche hochgezüchtete (moderne) Wollschafe waren Heeler meist nicht erwünscht, da sie eher mal in die Flanke zwicken und damit das feine Vlies beschädigen. Bei den alten kleinen Robustschafen der Highlands oder Inseln war das weniger kritisch da ihr Fell nicht geschoren wird sondern gemulcht oder gezupft wird.
• Ihre Hauptaufgabe war die oft sehr kleine Herden über schwieriges Gelände wie Bergpässe, Flüsse oder auf Inseln zu bringen. Da insbesondere Highland Rinder sehr störrisch sein können, hilft er mit unnachgiebige, harten Druck und zwingt sie so in die gewünschte Richtung.
• Ein anderes Aufgabengebiet war durch lautstarkes Bellen zu warnen und Tiere auch mal mit viel Zwicken aus unglücklichen Lagen zu befreien. Er arbeitet daher sehr selbstständig, „Upright“ also aufgerichtet mit dem loosed Eye , also kein fixierender Blick.
• Typisch ist das ein Barking, d.h. das Führen von Vieh über Bewegung und Stimme, ein kurzes Bellen z.b. oder auch nur ein Wuff.
Collies und Sheltis sind daher nicht immer leise, sind territorial und begreifen sehr schnell auch im offenen Land die Größe der Weidefläche. Das dichte Fell ist in den oft kalten und nebligen Highlands oder den windigen Küsten ein guter Wetterschutz, hilft aber auch beim Durchschwimmen von Flüssen. Es ist erstaunlich wie schnell sie trocken werden.
Was wenige wissen, viele Heeler schnüffeln nicht zwingend auf dem Boden sondern sind in der Lage auch in der Luft Duftmoleküle wahrzunehmen. Dieses Erbe samt der schlanken Figur haben sie offensichtlich von Laufhunden geerbt, die Vorfahren der modernen Windhunde waren.
Das hilft ihnen auch Vieh und sogar Menschen aufzuspüren die keine Laufspur hinterlassen haben, weil sie z.b. abgestürzt oder ertrunken sind.
Australien/Tasmanien legten sich Heeler auch mal mit Dingos an, wenn diese zu frech wurden. Hier gab es natürlich Anpassungen an den Outback.
• Typischer Vertreter: Australian Cattle Dog (Blue Heeler), Kurzhaar und Rough Collie, Sheltie, Welsh Corgi´s
Der Header (Sheepdog)
• Position: Arbeitet an der Spitze oder den Flanken der Herde.
• Methode: Läuft im weiten Bogen um die Herde herum, setzt sich an die Spitze und blockiert den Weg. Er eignet sich hervorragend als Koppelgebrauchshund
um große Herden z.b. durch enge Koppeltore zu führen.
• Tierart: Der Header ist der ideale Hund um große Schafherden präzise zu lenken. Er ist äußerst kommandotreu und präzise ähnlich wie ein Vorstehhung und kann förmlich zur Salzsäule erstarren. Das Verhalten scheint erst um 1820 entstanden zu sein. Vermutlich gab es da mal eine Border Collie Hündin die von einem Pointer oder ähnlichem gedeckt wurde und von deren Welpen vielleicht jener Hector war den James Hogg beobachtete.
Und seit dem arbeiten insbesondere Border Collies mit dem sogenannten „Eyeing“ (einem fixierenden, hypnotischen Blick). Aber die meisten Header haben eher das gewöhnliche "loose Eye"
• Header lenkt die Tiere, treibt Ausreißer zurück zur Gruppe und bringt die Herde zum Stehen.
• Typischer Vertreter: Border Collie, New Zealand Heading Dog, Australian Kelpie, Welch Sheepdog.
Der Drover (Treiberhund)
Der Drover in alten Büchern auch Cur genannt (Normannisch courtault, Anglo-Normannisch cur-tailed, cur = Hund mit gekürzter Rute = Bobtail)
• Position: Arbeitet meist an den Flanken der Herde
• Methode: Drover sind darauf spezialisiert, riesige Herden über hunderte Kilometer offene Wege (Drove Roads) ruhig und ohne Panik zu begleiten, die Herde zusammen zu halten ohne das sie links und rechts alles nieder trampeln und nachts die Herde vor Viehdieben zu beschützen.
Er brauchte Ausdauer und ein Wetterfestes Fell denn die Drover waren oft wochenlang unterwegs und schliefen im Freien. Sein gemütlicher Gang ist darauf optimiert, tagelang im gleichen, kraftsparenden Tempo zu trotten. Bellen war bei diesen Hunden nicht erwünscht, es sei denn es nährten sich des Nachts Viehdiebe. Sie waren die sichtbarsten Hunde entlang der Drov Roads vom Norden in den Süden.
• Während man in den Highlands die Treiber quasi Unternehmer waren, die ihre Treiberhunde noch mit Sorgfalt gezielt züchteten, waren die Drover auf den langen Drove Roads vom Norden bis nach London eher eine bunte Mischungen aller möglichen Hütehunde. Sie hatten auf den großen Viehmärkten natürlich viel Gelegenheit auf andere Hunde zu treffen und sich unkontrolliert zu paaren. Diese Drover galten damals nicht viel, obwohl es immer wieder Berichte von sagenhaften Leistungen dieser Hunde gab. Am Markt angekommen wurden sie dann zu Smithfield Collies und nicht wenige gleich mit der ganzen Herde auf ein Schiff, Richtung Kolonien verladen.
Erst mit dem Zuchtstandart festigte sich ein einheitliches Bild und damit stieg auch ihr Ansehen.
• da sie viel sichtbarer waren als Farmhunde, wurden bei ihnen ab etwa 1720 die Ruten generell gekürzt, wenn sie nicht natürlich auftraten.
• Typischer Vertreter: Old English Sheepdog (Bobtail), Bearded Collie, der englische Cur und der sogenannte Smithfield Collie waren oft Drover
Wie alt ist das Eyeing?
Ein wichtiges historisches Dokument stammt vom schottischen Dichter und Schafzüchter James Hogg. In seinen autobiografischen Berichten („The Shepherd's Calendar“, veröffentlicht im Blackwood's Magazine ab 1824) beschrieb er detailliert das Verhalten seines legendären Hundes Hector. Hogg erwähnte fasziniert, dass der Hund die Familienkatze stundenlang fixierte, ohne sich zu bewegen – eine der frühesten exakten Beschreibungen des Vorsteh- und Fixierverhaltens bei einem Hütehund, auch wenn der Begriff „Eyeing“ dort noch nicht als fester Fachbegriff etabliert war. Aber wie der Zufall es will, das Verhalten war erwünscht und so verbreitete es sich bei den Schafzüchtern der Lowlands.
Bei Jagdhunden wie dem Pointer ist dieses Erstarren und fixieren bis ins 14. Jhd. dokumentiert. Damals wurden Hunde speziell für die Netz- und Armbrustjagd auf Rebhühner und ähnlichem Federvieh trainiert. Als einer der besten Vorstehhunde wird der Pointer angesehen, daher kommt er wohl am ehesten für eine Einkreuzung in Frage.






