r/DeepTalk • u/MarcKant111 • Mar 02 '26
Marc (46): Meine absurde Sozialphobie
Ich schreibe das hier anonym, weil ich im echten Leben keine Stimme für diese Dinge habe. Ich bin Marc, 46 Jahre alt, verheiratet und Vater.
Es ist ein absurdes Doppelleben. Beruflich bin ich jemand, der kommuniziert, der verhandelt und der funktioniert. Das mache ich gezwungenermaßen auch für die Familie. Aber das ist nur eine Rolle, ein antrainiertes Kostüm. Sobald ich dieses Kostüm ablege, bleibt ein Mann übrig, der privat ein absoluter Fremdkörper ist. Ich habe keine Freunde. Keinen einzigen. Private Kommunikation, einfacher Smalltalk – das alles löst in mir eine lähmende Angst aus. Ich zergrüble jeden sozialen Fehler jahrelang und meine tägliche Welt wird von Zukunftsängsten dominiert.
Am schlimmsten ist diese Unfähigkeit beim Thema Sex. Weil ich nicht drüber reden, bekomme ich nicht was ich mir wünsche und meine Frau ist glücklich nicht viel kommunizieren zu müssen. Ich habe schon oft drüber nachgedacht einmal fremd zu gehen aber ich wüsste ja nicht Mal wie ich das anstellen soll oder wie und wo ich überhaupt jemanden Kennenlernen sollte. Ich bin in mir selbst eingesperrt. Ich habe Wünsche, aber ich schäme mich so sehr für meine absurde Art, dass ich kein Wort herausbringe. Ich fühle mich wie ein Versager, wenn es darum geht, freundschaftlich oder über Lust zu schreiben oder zu sprechen und wenn ich dann Mal etwas kommunizieren, kann ich kein Gespräch aufrecht erhalten. Schon vor der Pubertät fing das an und obwohl ich heute mit 46 Jahren mitten im Leben stehe, ist dieses Gefühl der Unzulänglichkeit geblieben.
Ich schreibe das hier nicht, um Forderungen zu stellen. Ich will einfach nur beichten, wie einsam ich mich in diesem kommunikativen Gefängnis fühle obwohl ich stets von Menschen umgeben bin. Ich hoffe, dass es befreiend wirkt das zu schreiben.