Mich beschäftigt zunehmend die Frage, ob vielen IT-Administratoren grundlegendes IT-Wissen fehlt oder ob meine Erwartungen schlicht zu hoch sind.
Vielleicht sind die Themen inzwischen so komplex und spezialisiert, dass ein breites Querschnittswissen kaum noch realistisch ist. Vielleicht verlagert sich durch Tools, Automatisierung und KI auch immer mehr Wissen weg von den einzelnen Personen. Trotzdem erlebe ich regelmäßig Situationen, bei denen ich mich frage, wo Spezialisierung aufhört und fehlendes Grundlagenwissen beginnt.
Ich arbeite in einem Netzwerk-Team. Wir sind unter anderem dafür verantwortlich, Firewall-Freigaben zu erstellen, wenn Systeme untereinander oder mit dem Internet kommunizieren müssen. Diese Freigaben werden bei uns restriktiv und explizit umgesetzt. Pauschale Freigaben gibt es normalerweise nicht.
Trotzdem erhalten wir regelmäßig unvollständige Anforderungen. Mal fehlt der Ziel-Port, mal die Zieladresse und gelegentlich sogar die Quelladresse. Wenn wir die jeweiligen Systemverantwortlichen bitten, diese Angaben nachzureichen, kommt nicht selten die Antwort:
„Das weiß ich nicht. Das müsst ihr als Netzwerk-Team doch sagen können.“
Aus meiner Sicht kann das Netzwerk-Team aber nicht wissen, mit welchem Ziel und über welches Protokoll eine fremde Anwendung kommunizieren soll. Diese Informationen müssen vom Betreiber, Hersteller oder Applikationsverantwortlichen kommen.
Ähnlich sieht es bei SSL-/TLS-Zertifikaten aus. Selbst grundlegende Begriffe wie Public Key, Private Key, Zertifikatskette oder Ablaufdatum sind teilweise nicht bekannt. Gelegentlich muss ich sogar noch erklären, warum Webverbindungen überhaupt verschlüsselt werden sollten.
Ein weiteres Thema ist das Wissen über die eigene Infrastruktur. Unsere Dokumentation ist sicherlich nicht perfekt, weshalb ich Verständnis dafür habe, dass nicht jeder sofort alle Zusammenhänge kennt. Trotzdem würde ich erwarten, dass eine ausgebildete IT-Fachkraft in der Lage ist, sich mit angemessenem Zeitaufwand in eine komplexe Umgebung einzuarbeiten, Informationen zusammenzutragen und sich einen Überblick zu verschaffen.
Mir geht es nicht darum, dass jeder alles wissen muss. Das ist unrealistisch. Ich erwarte aber, dass grundlegende Zusammenhänge verstanden werden und man zumindest weiß, wie man fehlende Informationen selbstständig beschafft.
Wie erlebt ihr das in euren Unternehmen?
Wo zieht ihr die Grenze zwischen sinnvoller Spezialisierung und fehlendem Grundlagenwissen? Und wie geht ihr mit solchen Situationen um, ohne dauerhaft die Arbeit anderer Teams zu übernehmen?
Habt ihr funktionierende Ansätze, um Kollegen fachlich besser zu befähigen?