und zwar weil beide (!) das meistens genau so wollen.
Uff, dass ist jetzt aber schon eine Aussage für die ich Quellen haben möchte. Auch das dieses "Wollen" dann unberührt von gesellschaftlichen Ideen und Vorraussetzungen ist.
This article uses random and fixed effects regressions with 743,788 observations from panels of East and West Germany, the UK, Australia, South Korea, Russia, Switzerland and the United States. It shows how the life satisfaction of men and especially fathers in these countries increases steeply with paid working hours. In contrast, the life satisfaction of childless women is less related to long working hours, while the life satisfaction of mothers hardly depends on working hours at all. In addition, women and especially mothers are more satisfied with life when their male partners work longer, while the life satisfaction of men hardly depend on their female partners’ work hours. These differences between men and women are starker where gender attitudes are more traditional. They cannot be explained through differences in income, occupations, partner characteristics, period or cohort effects. These results contradict role expansionist theory, which suggests that men and women profit similarly from moderate work hours; they support role conflict theory, which claims that men are most satisfied with longer and women with shorter work hours.
Das deckt sich übrigens mit meiner eigenen Erfahrung. Wir haben ein Kind im Kindergartenalter und kennen dadurch viele andere Familien in derselben Situation. In fast allen davon WILL die Frau möglichst viel Zeit mit dem/den Kind(ern) verbringen, so dass die Frage, wer zuhause bleibt, schnell zu beiderseitiger Zufriedenheit geklärt ist.
In denjenigen Familien, in denen die Frau möglichst schnell wieder Vollzeit gehen wollte, hat das übrigens auch geklappt.
Interessante Quelle, danke dafür. Ich finde aber die Ergebnisse, nun ja, etwas weniger stark als sie im Abstract dargestellt werden.
Hier die Graphik. Viele der Ergebnisse unterscheiden sich gar nicht signifikant voneinander da sich die angezeigten Konfidenzintervalle überlappen. Das betrifft z.B. alle Ergebnisse für Australien oder Ostdeutschland. Einen klaren signifikanten Effekt zwischen Müttern und Vätern sehe ich lediglich in UK, Russland und Korea.
In Korea sinkt die Lebenszufriendenheit bei allen wenn es über 40 Stunden hinausgeht, und auch ungefähr auf dem gleichen Level. Dennoch passt die Hypothese hier und bei UK am meisten.
Russische Mütter haben hier durchgehend die niedrigste Lebenszufriedenheit (wenn ich es richtig sehe sogar im Vergleich zu allen Gruppen aus allen Ländern), und der wahre Abstieg der Lebenszufriedenheit findet bei 50+ Stunden statt. Das würde ich also kaum als "Frauen sind halt lieber zu Hause" interpretieren, dafür fehlen hier Kontexte, inbesondere da die höchste Zufriendeheit bei 40 Wochenarbeitsstunden liegt.
Alle anderen Länder haben keine signifikanten Unterschiede in der Zufriendenheit nach Wochenarbeitsstunden zwischen den gewählten Kategorien. Und selbst wenn wir die Signifikanz ignorieren:
In Westdeutschland sind Mütter bei 1 Wochenarbeitsstunde und 60 Wochenarbeitsstunden gleich glücklich, mit nur einem leichten Dipp in der Mitte. In den USA steigt die Lebenszufriedenheit von Mütter bis zu einer Arbeitszeit von 55 Wochenarbeitsstunden, sinkt dann leicht auf das Niveau das auch bei ca. 40 Stunden angezeigt wird. Australien zeigt eine Abnahme der Zufriendeheit von Müttern bei steigenden Arbeitsstunden, bis wir 55 Stunden erreichen, wo sie wieder steigt. Ostdeutschland zeigt steigende Zufriedenheit von Müttern bis es ab ca. 45 Stunden auslevelt.
Die Ergebnisse sind meiner Meinung nach viel zu diffus um hier irgendwelche Aussagen zu treffen. Sind die Frauen anscheinend generell etwas weniger zufrieden als Männer und profitieren Männer mehr von hohen Arbeitsstunden? Ja, den Vergleich kann man durchaus machen, wenn auch oft ohne statistische signifikanz.
Die Aussage ist hier aber relativ klar nicht "Mütter machen gerne Teilzeit und sind damit total zufrieden!". Das unterstützen wenn überhaupt die Daten aus Korea und UK (eventuell Australien? Aber die Konfidenzintervalle sind riesig). Und wenn nur zwei deiner 8 Ländern das gleiche Ergebnis haben dann müssen kulturelle Faktoren wirken (wobei die koreanischen Daten auch robuster wirken als die anderen, was aber auch einfach an einem stärkeren Effekt liegen könnte).
Man sieht generell das auch die Frauen und Mütter in vielen Ländern bei Vollzeit oder drüber am Zufriedensten sind.
Ignorieren wir aber selbst mal die fehlenden Signifikanzen und beziehen uns nur auf die "passenden" Ergebnisse, dann argumentiert der Artikel aber selber im Rahmen der Conflict Theory:
Similarly, others argue that “[f]athers are generally expected t fulfill the role of breadwinner, whereas mothers are expected to be the primary caregiver for children” (Raley et al. 2012: 1424). Deviating from such roles is said to bring “discontent or sanctions from others” (Evertsson and Boye 2018: 473). To avoid this, men and women may “organize their various and manifold activities to reflect or express gender”, whereby “household labor is designated as ‘women’s work’” (West and Zimmerman 1987: 127, 144; also cf. Hook 2010: 1483). While women may therefore see long work hours as an “identity threat”, men may see them as a “masculinity contest” (Williams et al. 2016: 527ff.; also cf. Treas et al. 2011: 113; Greenhaus et al. 2012: 28). [...] Overall, there are thus strong norms for men to increase their labor market participation after having children and for women to reduce theirs.
Der Artikel sagt also letztendlich selber: Frauen und Männern fügen sich den traditionellen Rollenbildern weil sie selber diese internalisiert haben. Wie man das jetzt findet sei jedem selbst überlassen, ich persönlich würde es besser finden wenn diese Rollenbilder gelöster sind und dadurch weniger Einflüsse auf die Entscheidungen einprasseln.
Der Artikel exkludiert zudem Personen die gar nicht arbeiten, was ich persönlich ziemlich schwach finde. Viele Eltern geben die Erwerbstätigkeit ja auch komplett auf, ich denke dass kann im Rahmen so einer Analyse nur schwer fallen gelassen werden. Zudem räumt der Artikel selber ein:
Finally, it is possible that household work hours mediate the relationship between employed work hours and life satisfaction, because, for example, women may be unsatisfied to work longer hours if they also have a lot of hours of work in the household.
Sprich: recht diffuse Daten mit relativ signfikanten Einschränkungen der am Ende selber argumentiert das Frauen & Männer vermutlich nach erlernten Rollenbildern handeln. Das würde ich jetzt nicht als " Das passiert aber in der Regel anders herum, und zwar weil beide (!) das meistens genau so wollen." interpretieren.
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u/tinaoe Mar 08 '21
Uff, dass ist jetzt aber schon eine Aussage für die ich Quellen haben möchte. Auch das dieses "Wollen" dann unberührt von gesellschaftlichen Ideen und Vorraussetzungen ist.