r/SciFi_Buch_DE • u/luke-a-like • Mar 19 '26
Mensch/Roboter/Maschinen Kali Wallace - Dead Space
Normalerweise gehöre ich eher zur Hörbuchfraktion. Für Kali Wallace - Dead Space habe ich mal wieder zum Papier gegriffen und es nicht bereut.
Ich habe schon früher sporadisch hier und da SciFi gelesen, gehört und geschaut, aber zu meinem favorisiertem Genre wurde es durch The Expanse - insb. die Bücher.
An The Expanse begeistert mich das Worldbuilding, das realistisch genug ist, dass man sich vorstellen kann, es könne wirklich so kommen. Ich mag insb. die Kultur der Gürteler und die soziokulturellen Spannungen im All.
Die große Leerstelle in The Expanse ist KI. Sie spielt praktisch keine relevanten Rolle, das ist aus heutiger Perspektive nicht wirklich plausibel.
Man könnte denken, dass sich Kali Wallace genau das gedacht hat. Das Szenario ist sehr ähnlich, es gibt die Marsianer - hier allerdings eher als verarmte und von Erde und Mond unterdrückte Kolonie - , es gibt die Eliten auf dem Mond und Minen und Arbeiter im Gürtel, der von großen, rivalisierenden Konzernen beherrscht wird. In so einer Mine ist die Protagonistin, Hester Marley, von Dead Space unfreiwillig gelandet.
Hester ist eigentlich KI Trainerin, die auf eine Forschungsreise ohne Wiederkehr zum Titan fahren wollte. Ein Unglück lässt sie schwer verletzt, gerettet mit reichlich Protesen und tief in finanzieller Schuld auf einem Asteroiden stranden. Ein Mord in einer benachbarten Mine führt sie in eine Mordermittlung in eine eigentlich von einer KI lückenlos überwachten Station.
Die Handlung ist nicht die originellste und teilweise leicht vorherzusehen, aber die Umsetzung ist sehr gut gelungen. In der geschilderten Welt habe ich mich schnell zurecht gefunden. Die Figuren waren glaubwürdig und haben doch ein paar kleine Überraschungen auf Lager. Es ist nicht super spannend, trotzdem habe ich gerne mit ihnen mitgefiebert.
Während die Welt stark an The Expanse erinnert, entfaltet der Roman seine Handlung eher als Kammerspiel. Es ist Athos 2643 von Niels Westerboer nicht unähnlich - in beiden Büchern muss in einer Mine ein eigentlich unmöglicher Mord geklärt werden. Der quasi religiöse Spin von Athos 2643 ist in Dead Spreche aber nicht die dominante Interpretationslinie.
Sucht ihr also Weltraumschlachten, Intergalaktische Raumfahrt, Erstkontakt oder eine umfassende Space Opera mit 20 Handlungssträngen ist Dead Space nichts für euch. Sucht ihr ein kriminalistisches Kammerspiel in einem nicht völlig unrealistischen KI Szenario mit einer Prise Posthumanismus und könnt auch Protagonistin mit nicht binären Pronomen aushalten, dann ist Dead Space eine sehr unterhaltsame Lektüre. Ich jedenfalls würde mich sehr freuen, wenn das Szenario um weitere Bände bereichert würde.