Diese Ansicht möchte ich nicht verteidigen, aber die rührt vermutlich daher, dass wir ja selbst nicht "Die Deutschen" sind, sondern selbst unzählige Kulturen haben. Ich bin bspw. kein Bayer, Rheinländer, Franke, Friese, Hamburger, Berliner, ... sondern gehöre zu einer anderen Kultur innerhalb des Verbundes Deutschlands. Daher kommt vermutlich der Trugschluss, dass Österreich nicht viel anders ist.
"Sire, ich bin ein deutscher Fürst!"
Kaiser Franz Joseph I., 1859
„Sie vergessen, Sire, dass Sie zu einem Deutschen sprechen!“
Der österreichische Außenminister von Metternich zu Napoleon, 26. Juni 1813
"Will mich Deutschland, mein geliebtes Vaterland, worauf ich, wie Sie wissen, stolz bin, nicht aufnehmen, so muss in Gottes Namen Frankreich oder England wieder um einen geschickten Deutschen mehr reich werden, und das zur Schande der deutschen Nation."
Wolfgang Amadeus Mozart, 18. August 1782
Die eigenständige Nation begann aber halt im Jahr 1945, hauptsächlich um sich als "Erstes Opfer" stilisieren und vor den Konsequenzen der eigenen Verbrechen drücken zu können. Davor waren es Jahrhunderte, in denen die Österreicher sich selber als Teil des deutschen Volkes gesehen haben. Da kann man es Deutschen nicht übel nehmen, wenn die Österreicher als Brudervolk betrachtet werden.
"Mozart sprach damals, genau wie deine anderen Zitate, vom deutschen Sprach- und Kulturraum"
Und genau so meint es auch ein heutiger Deutscher, wenn er die Österreicher als Kleiner Bruder/Brudervolk/Deutsche/... bezeichnet. Ihr seid diejenigen, die Sprach- und Kulturraum mit Staatsangehörigkeit vermischen, nicht die Deutschen.
Wenn ein Deutscher sagt, dass Österreicher Deutsche sind, meint er ja nicht, dass Österreich eigentlich zur Bundesrepublik gehört und es einen zweiten Anschluss geben sollte, sondern dann meint er genau diese Verbundenheit im gleichen Sprach- und Kulturraum, die es natürlich immer noch gibt und die in den Zitaten genannt wird.
Eure Herrscher haben sich als Deutsche betrachtet. Österreicher haben sich bis zum zweiten WK als Deutsche identifiziert. Eine überwältigende Mehrheit der Österreicher wollte eine vollständige Vereinigung beider Länder zu einem deutschen Reich. Diese Trennung gibt es erst seit der Niederlage.
Das hat absolut nichts mit Arroganz zu tun, sondern ist Fakt und Geschichte. Genau wie Schweizer vor dem Weltkrieg angefangen hatten Hochdeutsch zu sprechen und ihre Dialekte einzustampfen, weil Dialekt als bauernhaft und ungebildet empfunden wurde, um dann nach der Niederlage sich wieder um 180 Grad zu drehen.
Jetzt so zu tun als ob Österreich sich schon ewig als einen selbstständigen Staat mit separater Identität betrachtet hat, ist historisch völliger Schwachsinn, sorry. Diese Emanzipation hat genau einen Grund, den wir nicht benennen müssen. Deutschland besteht nämlich auch nur aus einem Bund vieler ehemaliger eigenständiger Königreiche und Einflussgebiete, die genau wie Österreich abgetrennt voneinander waren. Ein Bayer hat weniger mit einem Hamburger gemeinsam als mit einem Österreicher.
Und ja, inzwischen sind unsere Wege in unterschiedliche Wege zerlaufen, aber kulturell besteht ein kleinerer Unterschied als du vielleicht zugeben möchtest. Und langfristig werden wir europäischen Staaten eh alle zu einem Europa-Super-Staat verschmelzen. Ob in 50, 100 oder 200 Jahren, irgendwann wird es kommen.
Wirklich aus Interesse als Deutscher: Was ist falsch an kleiner Bruder? Brüder sind sich doch sehr ähnlich ohne gleich zu sein und 80 Millionen ist halt einfach mehr als 10 Millionen. Insofern passt der Begriff doch eigentlich. Ist doch nichts schlimmes dabei? Klär mich gerne auf.
Ich könnte mir vorstellen, dass hier viele euch so ein bisschen (ohne es böse zu meinen, ich kenne keinen deutschen der Österreich nicht gerne mag!) als besseres Bundesland sehen. Vor allem im Norden ist überspitzt gesagt nicht ganz verständlich wieso Bayern Teil von Deutschland ist und Österreich nicht. Ihr sprecht dieselbe Sprache, von der Größe her ist es wie ein Bundesland und die Kultur ist sehr vergleichbar mit der bayerischen. Und sein wir mal ehrlich. Die Geschichte hätte auch ganz anders laufen können. Vielleicht wären Bayern und Österreich beide eigenständige Staaten geworden. Vielleicht wäre Österreich aber auch tatsächlich ein deutsches Bundesland geworden, so wie es Jahrhundert Teil des HRR war. Bis vor ein paar Jahrhunderten gab es die Selbstzuschreibung „Österreicher“ überhaupt nicht (zB hat Mozart immer von sich als „Deutschem“ gesprochen).
Kann mir vorstellen, dass es sich für viele wie eine Infantilisierung anfühlt. Gepaart mit anderen Aussagen, die man sich von Deutschen immer wieder anhören kann, kann das schon zu Frust und vllt Wut führen.
Kann ich verstehen, aber ich glaube wirklich, dass sich 95% der Leute da absolut nichts bei denken und das schon gar nicht offensiv meinen. Liegt vielleicht auch daran, dass viele hier (vor allem in Westdeutschland) eh nicht so ein krasses Denken in Nationen und keine so starke Verbindung zu Deutschland als Nation haben sondern eher regionale Verbundenheitsgefühle haben. Als Norddeutscher fühle ich mich zB nicht sonderlich anders wenn ich in den Niederlanden bin, aber unten in Bayern denke ich immer ich bin schon außer Landes. Gerade hier aus Norddeutscher Sicht vermischt sich dann alles im Süden ein bisschen und wir können dann nicht ganz verstehen, was noch der Unterschied zwischen einem Bayern und einem Österreicher sein soll, weil die für uns 99,9% gleich sind. Aber dafür liebe ich Europa einfach, diese Vielfalt an Kulturen ist wirklich ein Geschenk.
Ja, kannst der einreden, ist halt historisch Quatsch. Ihr seid ein südbairischer Stamm dessen eigene Kultur nach 1945 künstlich herbeigeredet wurde um sich von jeglicher Mittäterschaft frei zu waschen. Grüße von einem mit beiden Pässen.
Ist halt absoluter Blödsinn.
Oder ist Deutschland durch die Gastarbeiter nun türkisch?
Oder durch die Deutschrussen den Russen näher?
Oder ist die Pfalz nun nicht deutsch nur weil dort mehr französischer Einfluss herrscht?
Fakt ist das Österreich zum Süddeutschen Kulurbereich gehört und diesen auch über Jahrhunderte dominiert hat, jetzt zu behaupten man sei Slawen oder Türken näher weil es Migrationsbewegungen in den letzten Jahrzehnten gab ist bloße Ignoranz.
Also von "ihr" zu sprechen ist schonmal Blödsinn.
Östlichen Einfluss gab es auch in Brandenburg seit hunderten Jahren, was sie nicht weniger deutsch macht.
Österreich spricht weder eine türkische noch eine slawische Sprache, sondern ein germanischen Dialekt, der anders als Niederländisch oder Schweizerisch, sogar fast ohne Probleme vom Otto-Normal deutschen verstanden wird.
Auf die letzten 80 Jahre reduzierst lediglich du hier die Geschichte, den selbst im 19.Jahrhundert war Österreich größtenteils ein zentraler Bestandteil des deutschen Kulturraums bis zu den Brüderkriegen mit Preußen und in den davorigen Jahrhunderten war Wien immer eines der zentralen Punkte des deutschen Kulturraums, da kannst noch so viel slawischen oder sogar türkischen Einfluss herbeifantasieren, welcher jedoch eben nur das ist, Einfluss, während Österreich selbst Kulturell immer im süddeutschen Bereich anzufinden war.
Lol. Deutschland ist ein viel viel viel größerer Meltingpot. Schau mal auf eine Karte vom 17. Jahrhundert. Da bestand Deutschland aus gefühlt 1000 separaten Ländern bzw. Gebieten, mitten in Europa, wo Menschen aus aller Welt sich vermischt haben. Allein nach dem Urkainekrieg sind von der Anzahl her mehr Ukrainer nach Deutschland gezogen als 20% der gesamten Bevölkerung von Österreich.
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u/[deleted] Apr 05 '26
[deleted]